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Library and Archives Canada übergibt Archivgut an Bundesarchiv

Archivalien aus dem Ersten Weltkrieg in der Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs benutzbar.

10.01.2015

Internationale Zusammenarbeit

Feierliche Übergabe

Das kanadische Nationalarchiv übergab dem deutschen Bundesarchiv am 6. März 2014 Archivgut deutscher Provenienz aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. An der Feierstunde im Preservation Centre von Library and Archives Canada in Gatineau (Québec) nahmen Hervé Déry, Acting Librarian and Archivist of Canada, Werner Wnendt, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, und Michael Steidel, Leiter der Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs, teil.

Herr Dr. Hollmann dankte den kanadischen Kollegen für den Entschluss, das Archivgut allein fachlichen Grundsätzen folgend nach Deutschland zurückzugeben.

Botschafter Wnendt hob hervor, dass die Rückgabe des Archivguts von Kanada an Deutschland ein Zeichen der Verbundenheit zwischen beiden Völkern sei. Gleichzeitig sei sie ein Schritt dahin, sicherzustellen, dass das Gedenken an den Ersten Weltkrieg nicht ausschließlich einen Blick zurück darstelle, sondern immer auch einen Ansporn, an einer besseren Zukunft zu arbeiten.

Die Archivalien wurden Ende September 2014 anlässlich des Staatsbesuchs von Bundespräsident Joachim Gauck von Kanada nach Deutschland gebracht.

Vielfältiges Archivgut

Der übergebene Bestand umfasst Dokumente im Umfang von 1,7 Regalmetern, die an der Front bei Lille von den Briten beschlagnahmt und anschließend den Kanadiern „als Andenken“ überlassen wurden. Ein inhaltlicher Bezug zur kanadischen Geschichte besteht nicht.

Es handelt sich um sehr vielfältiges Material: teils gedruckt (Plakate mit Anweisungen an die Bevölkerung) oder vervielfältigt (Befehle), teils handgeschrieben (Feldpostbriefe, Tagebücher, Gräberlisten). Möglicherweise lassen sich aus einigen Dokumenten sogar noch Schicksale von Kriegsteilnehmern klären. Die nach Deutschland zurückgekehrten Dokumente besitzen auch deshalb einen besonderen Wert, weil der größte Teil der deutschen militärischen Überlieferung aus dem Ersten Weltkrieg zwischen 1939 und 1945 durch Kriegseinwirkung vernichtet wurde.

Im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg wurden die einzelnen Dokumente in einem aufwändigen Verfahren inhaltlich erschlossen und in den jeweils passenden Überlieferungskontext integriert. Die insgesamt 272 Archivalien sind nun innerhalb der jeweiligen Bestände recherchierbar und zugänglich. Zusätzlich ist eine Auflistung aller von Kanada zurückgegebenen Unterlagen verfügbar.

Archivpolitische Würdigung

Seit jeher versuchen gegnerische Armeen in einem Krieg von der jeweils anderen Seite Unterlagen zu erbeuten, um aus diesen Rückschlüsse über Organisation und Absichten des Gegners ziehen zu können. Nach wie vor befinden sich große Mengen deutscher militärischer wie auch ziviler Unterlagen aus den beiden Weltkriegen in staatlichen Archiven im Ausland – zum Teil für eine Benutzung zugänglich, zum Teil unerschlossen und für Forscher nicht erreichbar. Auch über 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs haben die damals erbeuteten oder auch schlicht nach dem Krieg beschlagnahmten Akten in manchen Ländern Trophäenstatus. Ihre Rückgabe an Deutschland ist praktisch unverhandelbar.

Kanada hat sich im Jahr 2014 von dieser Sichtweise verabschiedet. Anlässlich des hundertsten Jahrestags des Beginns des Ersten Weltkriegs haben die kanadischen Verantwortlichen beschlossen, die im kanadischen Nationalarchiv befindlichen deutschen Beuteunterlagen aus diesem Krieg ohne Gegenleistung an Deutschland zurückzugeben. Mit dieser Geste wurden alte Freund-Feind-Muster und traditionelle Trophäen-Vorstellungen überwunden. Das Bundesarchiv ist den kanadischen Partnern sehr dankbar für die Restitution und gibt die Hoffnung nicht auf, dass dieses Verhalten beispielgebend sein könnte für andere Länder.

Amazonen, Flieger, Indianer - Deutsch-kanadische Archivgutsplitter

Die Beteiligung kanadischer Truppen am Ersten Weltkrieg spiegelt sich auch in den Beständen des Bundesarchivs wider – allerdings wegen hoher Überlieferungsverluste nur sehr splitterhaft. Dennoch werfen diese Dokumente interessante Fragestellungen auf.

Bestände des Bundesarchivs können von jedermann genutzt werden.