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Berlin-Reinickendorf

Außenansicht des Gebäudes am Eichborndamm 179, Sitz der Abteilung PA des Bundesarchivs (ehemals WASt)

Zum 1. Januar 2019 wurde die Deutsche Dienststelle (WASt) mit allen Mitarbeitern, Aufgaben und Beständen auf das Bundesarchiv übergeleitet. Im Bundesarchiv wurde eine neue Fachabteilung (Personenbezogene Auskünfte zum Ersten und Zweiten Weltkrieg - PA) eingerichtet, die ihren Sitz in Berlin-Reinickendorf hat.

Das Gebäude, in das die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht im Jahre 1951 einzog, beherbergte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik (DWM).

Nach Artikel 77 der Genfer Konvention von 1929 sind von jedem Krieg führenden Staat bei Beginn von Feindseligkeiten nationale amtliche Auskunftstellen über die auf ihrem Gebiet befindlichen Kriegsgefangenen einzurichten. Die Zentralauskunftstelle über die Kriegsgefangenen war auf neutralem Gebiet einzurichten und sollte alle auf amtlichen und privaten Wegen eingehenden Meldungen über die Gefangenen sammeln und diese so schnell wie möglich dem betreffenden Heimatstaat der Gefangenen zukommen lassen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden diese Aufgaben vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in Genf (IKRK) ausgeführt. Dieses richtete eine Informationszentrale, die Agence Centrale des Prisonniers de Guerre (ACPG), ein, untergliedert unter anderem in Abteilungen für die betreffenden kriegführenden Länder.

Am 26. August 1939 wurde - gemäß Artikel 77 der Genfer Konvention - in Berlin eine nationale amtliche Auskunftstelle zur Erfüllung der in dem Abkommen festgelegten Verpflichtungen unter der Bezeichnung "Wehrmachtauskunftstelle für Kriegerverluste und Kriegsgefangene (WASt)" eingerichtet. Im August 1943 wurde die Wehrmachtauskunftstelle nach Thüringen verlegt und teils in Saalfeld, teils in Meiningen untergebracht. Nach der Besetzung Thüringens arbeitete die WASt seit dem 12. April 1945 unter der Aufsicht der amerikanischen Militär-Kontroll-Kommission.

Am 1. Juli 1945, unmittelbar vor der Besetzung Thüringens durch sowjetische Truppen, verlegten die Amerikaner die WASt nach Fürstenhagen bei Kassel. Ende Januar 1946 kehrte die WASt nach Berlin zurück und erhielt hier ihren Namen "Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht", der aus der wörtlichen Übersetzung der amerikanischen Bezeichnung entstanden war. Mit Beschluss des Koordinierungskomitees des Kontrollrats vom 14. Juni 1946 erhielt sie den Auftrag, die aus den internationalen Verpflichtungen und reichsgesetzlichen Aufgaben entstehenden Arbeiten weiter fortzuführen. Sie wurde gleichzeitig der Aufsicht der französischen Gruppe des Kontrollrats unterstellt und bezog, nach verschiedenen Zwischenunterkünften, im Jahre 1951 ihren jetzigen Standort im Norden Berlins.

In den ersten Nachkriegsjahren erhielt die Deutsche Dienststelle (WASt) weitere umfangreiche Unterlagen anderer militärischer und militärähnlicher Verbände, darunter die erhalten gebliebenen Bestände der Marinepersonalakten von Mannschaftsdienstgraden, des Reichsarbeitsdienstes und Unterlagen der deutschen Kriegsgefangenen in britischem, amerikanischem, französischem und belgischem Gewahrsam. Infolge der Verwaltungs­vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Lande Berlin vom 9. Januar 1951 wurde die Deutsche Dienststelle (WASt) als Behörde des Landes Berlin geführt.

Die der Deutschen Dienststelle (WASt) ursprünglich übertragenen Aufgaben wurden durch die umfangreiche Kriegsfolgengesetzgebung wesentlich erweitert. Während anfangs vor allem Bescheinigungen für behördliche Zwecke erfragt wurden, zum Beispiel Dienstzeit­bescheinigungen oder Benachrichtigungen zwecks Schicksalsklärungen, überwogen bei den Eingängen der Dienststelle zuletzt Anfragen zur Familiengeschichte und zu wissenschaftlichen Forschungsvorhaben.