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170 Jahre: Erstes deutsches Parlament

Kalender 7. Juni 1848

Die Leser der Illustrierten Zeitung erfahren in der Ausgabe vom 3. Juni 1848 von einem bedeutenden Ereignis: dem „Zug des deutschen Parlaments nach der Paulskirche in Frankfurt am Main“, wo am 18. Mai zum ersten Mal gewählte Abgeordnete aus allen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bunds zu einer Nationalversammlung zusammen gekommen sind. Auf ihnen lastet ein hoher Erwartungsdruck. Ohne klare Kompetenzen und Machtmittel schaffen sie zunächst die Voraussetzung für eine Regierung, die Provisorische Zentralgewalt.

Jakob Grimm hat 1837 mit sechs anderen Professoren gegen die Aufhebung der liberalen Verfassung des Königreichs Hannover protestiert und wurde wie seine Mitstreiter seines Amts enthoben. Ihm ist wichtig, dass die unverzüglich mit der wichtigsten Aufgabe - den Beratungen für eine deutsche Verfassung – begonnen wird. Er stellt am 7. Juni den Antrag: „Die Nationalversammlung beschließe, daß der Verfassungsausschuss die ihm obliegenden großen Fragen ohne sich in doktrinelle Erörterungen zu vertiefen, unverweilt einfach zu gliedern und zu stellen habe“.

In der Paulskirche wird leidenschaftlich debattiert, zum Beispiel darüber, ob der neue Staat als Republik oder konstitutionelle Monarchie entstehen soll, während im Norden Deutschlands Krieg mit Dänemark herrscht. In Wien und Berlin wollen wieder erstarkte Monarchen die Erfolge der Revolution rückgängig machen. Trotz dieser schwierigen Bedingungen werden im Dezember 1848 der Grundrechtekatalog und drei Monate danach die Verfassung verabschiedet. Doch bereits im Sommer 1849 ist der Versuch, einen freiheitlichen deutschen Nationalstaat zu schaffen, gescheitert. Viele Jahre später werden die „Grundrechte für das deutsche Volk“ Vorbild für die Weimarer Verfassung und das Grundgesetz.

In Erinnerung an das 170. Jubiläum des ersten deutschen Parlamentes veranschaulichen zwei Sonderausstellungen in Koblenz (ab dem 5. Juni) und in der Bundesarchiv-Erinnerungsstätte im Residenzschloss Rastatt (ab dem 8. Juni) die Arbeit und Leistungen der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung.