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Zusammenarbeit zwischen Pilecki Institut und Bundesarchiv

Die zwischen dem Pilecki Institut und dem Bundesarchiv am 29. Januar 2019 abgeschlossene Vereinbarung sieht eine umfassende Zusammenarbeit vor, in deren Rahmen wesentliche Dokumente des Bundesarchivs zum 20. Jahrhundert in großem Umfang durch das Pilecki Institut digitalisiert werden.

07.03.2019

Internationale Zusammenarbeit

Digitalisierung

Außenansicht des Sitzes des Pilecki Instituts in Warschau, ul. Foksal 17

Die neu entstehenden Digitalisate werden in Warschau zur allgemeinen Nutzung nach den Bedingungen des Bundesarchivgesetzes zur Verfügung gestellt. Die digitalen Bestände des Bundesarchivs werden dank der Zusammenarbeit mit dem polnischen Institut erweitert.

Zweck und Inhalte der Vereinbarung

Die Vereinbarung zwischen dem Pilecki Institut und dem Bundesarchiv ist das erste und bisher einzige Beispiel derartiger Zusammenarbeit zwischen einem polnischen Forschungsinstitut und dem Deutschen Bundesarchiv. Die Präambel enthält u.a. folgende Formulierung: "Als ein formatives Element ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts von grundlegender Bedeutung für das Verständnis und die Ausarbeitung der entsprechenden Einstellung zu den Herausforderungen der Gegenwart sowie für den Aufbau von Eintracht und für die Entwicklung einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den europäischen Völkern. Der Zugang zum Archivgut und die Bereitstellung geeigneter Bedingungen für die Zusammenarbeit zwischen den jungen Generationen der polnischen und der deutschen Wissenschaftler sind ebenfalls von grundlegender Bedeutung, denn sie sind eine Fortschrittsgarantie für die konstruktiven Forschungen und für den Dialog, die sich mit der neuesten Vergangenheit beschäftigen."

Diese Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Aufbau des digitalen Archivs durch das Institut, wo künftig Archivgut aus aller Welt bereitgestellt werden soll. Auf Basis der Vereinbarung wird das Pilecki Institut noch in diesem Jahr Digitalisate von Archivmaterialien erhalten, die für Forschungen zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besetzung sowie zur Zwischenkriegszeit von erheblicher Bedeutung sind.

Das Pilecki Institut beginnt mit der Digitalisierung von Beständen aus den einzelnen Standorten des Bundesarchivs in Deutschland. Unser Interesse gilt insbesondere den Überlieferungen zur Besetzung Polens, darunter zum Schicksal von Polen und Juden während des Zweiten Weltkriegs. Die Digitalisierung des deutschen Archivguts ist unentbehrlich, um das 20. Jahrhundert und vor allem den düsteren Zeitraum der deutschen Besetzung Europas richtig zu verstehen. Der Zugang zum Archivgut sowie die enge Zusammenarbeit zwischen der polnischen und deutschen Seite sind für die Entwicklung einer Plattform für die Zusammenarbeit und den Dialog über die gemeinsame Geschichte von fundamentaler Bedeutung.

Wojciech Kozłowski, Direktor des Pilecki Instituts

Der Daseinszweck von Archiven besteht darin, ihre Unterlagen – unter Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen - allgemein zugänglich zu machen. Im Zeitalter des digitalen Wandels ist die Nutzung von Archivgut immer weniger an den festen Standort von Archiven gebunden. Die Digitalisierung größerer Bestände des Bundesarchivs durch das Pilecki Institut ist in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn: Die Bereitstellung der Digitalisate in Warschau wird die polnische Forschung weiter anregen, und das Bundesarchiv erfährt eine signifikante Unterstützung der eigenen Digitalisierungsmaßnahmen durch den Einsatz des Kooperationspartners. Das digitale Archiv des Bundesarchivs wird zum Vorteil aller Nutzer somit noch schneller anwachsen.

Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs

Umfassende Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Einrichtungen ist nicht auf eine bestimmte Epoche begrenzt. Zunächst werden jedoch vorrangig Dokumente zum Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besetzung Polens digitalisiert. Das Pilecki Institut wird in den kommenden Jahren weitere Materialien digitalisieren, die als digitale Kopien dann ebenfalls im Bundesarchiv verbleiben.

Unter den zu kopierenden Dokumenten gibt es u.a. Unterlagen des persönlichen Stabes Reichsführer SS und umfassende Überlieferung zu SS und Gestapo. Außerdem erhält das Institut die Verwaltungs- und Wirtschaftsunterlagen, die auf den ehemaligen Gebieten des Dritten Reiches erstellt wurden. Was besonders interessant ist: Wir beschäftigen uns auch mit der Bearbeitung von Filmüberlieferungen aus der Vorkriegszeit, die im Bundesarchiv erhalten sind. Zusammen mit dem Forscherteam aus dem Institut und den Partnern aus dem Bundesarchiv vereinbaren wir die Reihenfolge der für die Digitalisierung bestimmten Materialien.

Hanna Radziejowska, Beauftragte des Pilecki Instituts für die polnisch-deutsche Zusammenarbeit

Die polnische Wissenschaft kann sich beträchtlicher Ergebnisse in der Forschung zur Geschichte nationalsozialistischen Deutschlands und der deutschen Besatzungspolitik rühmen. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich das polnische Forschungsinteresse in Richtung Osten verschoben, und es wurde vor allem die sowjetische Politik untersucht. Nach all den Jahren der Tabuisierung dieses Themas war das nur verständlich. Die polnischen Forschungen zur Geschichte des Dritten Reiches sind jedoch hinter dem sich dynamisch entwickelnden Forschungsstand in anderen Ländern zurückgeblieben. In den letzten Jahren hat sich die Lage verändert, und die verbesserte Zugänglichkeit von Materialien des Bundesarchivs für jeden polnischen Historiker wird eine weitere Anregung zur Intensivierung der Forschung bilden. Es handelt sich dabei nicht nur um die Kartei der Mitglieder der NSDAP, die in den Medien am meisten erwähnt wird. Ebenso wichtig sind auch die Unterlagen zu den Verwaltungs- und Wirtschaftsfragen, denn auch auf diesem Gebiet gibt es in der Forschung noch viel zu tun. Die Bedeutung der Unterlagen des Reichsführers SS ist dabei selbstverständlich und braucht gar nicht betont zu werden.

Prof. Piotr Madajczyk, Historiker aus dem Bereich Deutschlandstudien des Instituts für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften PAN

Wissensquelle für die Forschung

Im Zusammenhang mit den erworbenen Quellen wird das Pilecki Institut eigene Untersuchungen durchführen und interessierten Forschern Dokumente bereitstellen.

Im Zusammenhang mit den erworbenen Digitalisaten werden wir internationale Forschungsseminare, Subventionen und Stipendien anbieten. Eines unserer Hauptziele ist die Arbeit am Archivgut des Bundesarchivs und an den polnischen Quellen zur Besetzung Polens. Wir geben uns große Mühe, damit die historischen Analysen über den Zweiten Weltkrieg auf einer umfangreichen und entsprechend erforschten Quellengrundlage basieren. Der Abschluss der Vereinbarung zwischen dem Pilecki Institut und dem Bundesarchiv ist ein wesentlicher Schritt zur Vertiefung der Erforschung unserer Geschichte. Wir stehen vor einer einmaligen Chance, den Hintergrund und die Ereignisse der deutschen Besetzung besser zu verstehen.

Wojciech Kozłowski, Direktor des Pilecki Instituts

Über das Pilecki Institut

Das Pilecki Institut ist eine Forschungseinrichtung, die gegründet wurde, um internationale Forschungen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts durchzuführen und ein digitales Archiv mit Dokumenten aus Polen sowie aus ausländischen Archiven aufzubauen. Die Rolle des Instituts besteht darin, die Geschichte des 20. Jahrhunderts unvergesslich zu machen, zu dokumentieren und zu erforschen, unter besonderer Berücksichtigung der polnischen Erfahrungen und des Schicksals polnischer Bürger. Das Pilecki Institut schafft Raum für interdisziplinäre und internationale Erwägungen über die wesentlichen Fragen aus diesem Zeitraum: die zwei Totalitarismen – den deutschen und den sowjetischen Totalitarismus – sowie deren Folgen.