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E-ARK / eArchiving Building Block – auch für uns in Deutschland?

Beim Workshop des Bundesarchivs wurde das für die digitale Archivierung wichtige Thema "Informationspakete" ausführlich diskutiert.

03.05.2019

Öffentlichkeitsarbeit

Digitale Archive

Janet Anderson referiert als Vertreterin des E-ARK-Projekts

Im Rahmen des EU-Projektes "E-ARK" bzw. ab 2018 "E-AKR4ALL" wurden Spezifikationen zu OAIS-konformen Informationspaketen entwickelt, die für jedermann frei verfügbar, jedoch in Deutschland kaum bekannt sind. Unter dem Titel "E-ARK / eArchiving Building Block – auch für uns in Deutschland? Sind die im Projekt E-ARK entwickelten Informationspakete für archivierende Institutionen in Deutschland nutzbar – auch im Hinblick auf eIDAS und ETSI?" trafen sich deshalb am 25. April 2019 auf Einladung des Bundesarchivs Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Institutionen in den Räumen der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin, um über dieses Thema zu informieren und ausführlich zu diskutieren.

Erster Teil: Vorträge

Dr. Sebastian Gleixner (Bundesarchiv): Masse als Herausforderung. Ein Überblick zur digitalen Archivierung im Bundesarchiv

In seinem Vortrag gab Herr Dr. Gleixner zunächst einen geschichtlichen Überblick über die Erfahrungen des Bundesarchivs mit digitalen Unterlagen. Anschließend skizzierte er die Wege von potentiellem digitalem Archivgut ins Bundesarchiv, Aufbau und Struktur des Digitalen Zwischenarchivs des Bundes (DZAB) sowie die aktuellen Planungen im Bundesarchiv im Hinblick auf die Bereiche Archivierung, Bereitstellung und Bestandserhaltung. Standards, wie sie z.B. beim Projekt E-ARK entstehen, bilden dabei die Leitplanken für die weitere Entwicklung.

Dr. Ulrike Korte (Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik): Einführung in eIDAS, ETSI Long-Term Preservation (LTP) und BSI TR-03125 (TR-ESOR)

Frau Dr. Korte informierte in ihrem Vortrag anschließend detailliert über die aktuelle Situation von Standards zur Langzeiterhaltung und Beweiswerterhaltung in Deutschland. Dabei ging sie vor allem auf ‚eIDAS‘, ‚ETSI Long-Term Preservation (LTP)‘, BSI-TR 03125 (Beweiswerterhaltung kryptographisch signierter Dokumente) sowie auf das Zusammenspiel von E-ARK mit (L-)XAIP und ASiC-AIP ein.

Steffen Schwalm (msg systems ag; in Vertretung für Herrn Sandro Hardy, Bundesarchiv): Nutzungsmöglichkeiten des E-ARK4ALL-SIPs

Herr Schwalm berichtete stellvertretend für Herrn Hardy über die Anforderungen bei Informationspaketen (AIPs) hinsichtlich der Informations- und Beweiswerterhaltung. Weiterhin betrachtete er das E-ARK-SIP im Kontext von (L-)XAIPs bzw. der TR-ESOR des BSI und entwarf Möglichkeiten zur Integration von beiden.

Sophia Bünemann (Europäische Kommission): Introduction to the Building Blocks of the Connecting Europe Facility (CEF) of the European Commission

Frau Bünemann stellte sowohl das ‘eIDAS’-Konzept und die Rolle der CEF bei der Unterstützung der Building Blocks und damit bei der digitalen Vernetzung der EU vor. Dabei ging sie explizit auf organisatorische Vorteile, technische Hintergründe und Standardisierungsmöglichkeiten ein.

Janet Anderson (Reichsarchiv Dänemark): E-ARK4ALL - the project that created a building block

Frau Anderson gab in ihrem Vortrag einen Überblick über das Projekt ‚E-ARK4ALL‘, welches v.a. zum Ziel hat, die Interoperabilität zwischen den archivierenden Institutionen in Europa zu fördern. Das Projekt, das dem ‚eArchiving‘-Building Block der CEF zugrunde liegt, umfasst dabei neben den Spezifikationen zu Informationspaketen auch die Entwicklung von passenden Tools oder Schulungen. Sie stellte dabei organisatorische Hintergründe, Projektteilnehmer, Ziele und aktuell angewandte Standards vor.

Karin Bredenberg (Reichsarchiv Schweden): The eArchiving Building Block core specifications for filling up the European fridges

Frau Bredenberg ging in ihrem Vortrag ausführlich auf die im ‚eArchiving‘-Building Block festgelegten Spezifikationen und ihren Nutzen ein. Dabei warb sie dafür, dass eine erfolgreiche Umsetzung der geplanten Ziele nur durch eine intensive Zusammenarbeit erreicht werden kann.

Zweiter Teil: Podiumsdiskussion

Den zweiten Teil der Veranstaltung bildete eine ausführliche Podiumsdiskussion mit Frau Karin Bredenberg, Frau Dr. Ulrike Korte, Herrn Steffen Schwalm sowie Herrn Prof. Dr. Christian Keitel (Landesarchiv Baden-Württemberg) und Herrn Rainer Jacobs (Bundesarchiv). Die Moderation übernahmen Frau Dr. Sina Westphal (Bundesarchiv) und Herrn Dr. Sebastian Gleixner.

Die Podiumsdiskussion behandelte unter anderem Zukunftsperspektiven für die Ergebnisse des E-ARK-Projektes sowie mögliche Implementierungen von E-ARK in bereits bestehende Archivierungssysteme und Standards in Deutschland und der EU. Weiterhin ging es um den Sinn, die Nachhaltigkeit sowie die Risiken von Standardisierung und damit verbunden auch um die Vor- und Nachteile einer möglichen Nutzung von E-ARK-Informationspaketen. Dabei kristallisierte sich heraus, dass alle Diskussionsteilnehmer eine stärkere Vereinheitlichung der Übernahmeinformationspakete (SIPs) befürworten würden, um die dazugehörigen Workflows vereinfachen und effizient gestalten zu können.

Dasselbe sollte für die Informationspakete zu Benutzungszwecken (DIPs) gelten, um in diesem Bereich einen einfacheren Datenaustausch zu ermöglichen. Bei der Verarbeitung der Informationspakete in den jeweiligen Archivierungssystemen gingen die Meinungen eher dahin, dass nach Möglichkeit jede Form von starrer Reglementierung zu vermeiden sei. Der Einsatz von digitalen Signaturtechniken (Signaturen, Siegel, Zeitstempel, Evidence Records) zur Authentizitäts-, Integritätswahrung und deren Vereinbarung mit den E-ARK-Informationssystemen waren ebenso Thema. Welche Techniken zum Tragen kommen sollten, hängt vor allem davon ab, ob der Beweiswerterhalt oder der Informationserhalt im Vordergrund steht.

Bei der abschließenden Diskussion mit dem Publikum kam zum Ausdruck, wie wichtig es ist, über gemeinsame Standards die Interoperabilität der verschiedenen Archivierungsansätze und den Datenaustausch zu verbessern und trotzdem Flexibilität zu technischen Neuerungen zu wahren. Gleichzeitig wurde jedoch allen bewusst, dass die Diskussionen dazu längst noch nicht abgeschlossen sind.

Ein umfassender Überblick über die Ergebnisse des Workshops ist in Vorbereitung. Darin werden die Präsentationen integriert, die auch auf dieser Seite bereitgestellt werden.