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Auf dem Weg zum Verteidigungsministerium: Die Zentrale für Heimatdienst und das "Amt Blank" 1950 - 1955

Am 9. Mai wurde die Bundesrepublik Deutschland in die NATO aufgenommen und am 7. Juni 1955 wurde das "Amt Blank" in das "Bundesministerium für Verteidigung" umgewandelt. Theodor Blank wurde erster Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland.

  • BRD (ab 1949)

Hintergrundinformationen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erschien der Aufbau einer eigenständigen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik Westdeutschlands undenkbar. In der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland stießen Überlegungen zu einem westdeutschen Militärbeitrag aus allen politischen und gesellschaftlichen Lagern auf großen Widerstand. Dies spiegelte sich in der weit verbreiteten "Ohne-mich-Haltung" wider.

Auch bei den westlichen Besatzungsmächten war eine zögerliche bis ablehnende Haltung in dieser Frage verbreitet. Bundeskanzler Konrad Adenauer erkannte frühzeitig einen Zusammenhang zwischen der von ihm angestrebten staatlichen Souveränität Westdeutschlands und der Frage der Wiederbewaffnung. Vor dem Hintergrund der in der Sowjetischen Besatzungszone seit 1948 erfolgten Aufstellung einer Kasernierten Volkspolizei, die nach Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Oktober 1949 verstärkt betrieben wurde, forderte Adenauer im April 1950 den Aufbau einer mobilen westdeutschen Bereitschaftspolizei auf Bundesebene. Am 24. Mai berief er daher Gerhard Graf von Schwerin zu seinem Sicherheitsberater.

Spätestens seit Beginn des Koreakrieges am 25. Juni 1950 war für die westlichen Besatzungsmächte klar, dass ein sowjetisch kontrolliertes Gesamtdeutschland nur durch eine stabile Westbindung der Bundesrepublik auf allen Ebenen -auch der militärischen- zu verhindern war.Schwerin nahm im Sommer 1950 mit den Westmächten Gespräche über den Aufbau einer "Bundesgendarmerie" auf, die später Kern einer eigenen Armee sein sollte. Gleichzeitig wurde unter seiner Leitung die so genannte "Zentrale für Heimatdienst" unter dem Dach des Bundeskanzleramts ausgebaut. Der Tarnname war notwendig, da aufgrund des "Gesetzes der Alliierten Hohen Kommission zur Ausschaltung des deutschen Militarismus" vom 16. Dezember 1949 Überlegungen im Bezug auf eine Wiederbewaffnung Deutschlands nicht erlaubt waren. Zudem sollte in der Öffentlichkeit keine Wiederbewaffnungsdiskussion ausgelöst werden. Da die Zentrale nur im Verborgenen agieren konnte, erhielt sie keine offizielle organisatorische Anbindung. Daraus resultierte auch, dass sie nicht offiziell etatisiert war und somit über keine eigenen Finanzmittel verfügte.

In Gesprächen mit dem Stellvertretenden Hohen Kommissar, dem amerikanischen General George Hays, die ab Juli 1950 stattfanden, wurde die Gründung eines deutschen militärischen Expertenausschusses beschlossen, der geheim tagen sollte. Vom 6. bis 9. Oktober 1950 fand im Eifelkloster Himmerod die einzige Tagung des militärischen Expertenausschusses statt; bereits im Dezember 1950 wurde er wieder aufgelöst. Als Ergebnis der Tagung wurde die so genannte "Himmeroder Denkschrift" verfasst, die bis heute als eine Art "Geburtsurkunde" der Bundeswehr gilt. Darin werden die Grundsätze eines westdeutschen Verteidigungsbeitrags für Europa skizziert. Die sich nicht zuletzt durch den Verlauf des Koreakriegs verändernde weltpolitische Lage schuf auch im Hinblick auf einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag geänderte Verhältnisse. Die Westmächte wollten jetzt nicht mehr nur die Errichtung einer Bundespolizei -diese wurde künftig im Innenministerium weiter geplant- sondern den Aufbau eigener westdeutscher Streitkräfte.

Bei den hierzu anstehenden Verhandlungen zwischen den Westmächten und der Bundesrepublik galt es, den Primat der Politik vor dem Militärischen zu wahren. Um dies zu symbolisieren, sollte auf deutscher Seite ein Zivilist diese Verhandlungen führen. Adenauer löste die "Zentrale für Heimatdienst" auf und entließ zum 30. Oktober 1950 den ehemaligen General Schwerin und die meisten seiner Mitarbeiter. Bereits am 17. Oktober präsentierte Adenauer dem Kabinett Theodor Blank, einen Gewerkschafter, als seinen künftigen "Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen". Diese etwas umständliche Bezeichnung sollte zunächst die eigentliche Aufgabe des Amtes vor der Öffentlichkeit verschleiern.

Auch dieses so genannte "Amt Blank" gehörte organisatorisch dem Bundeskanzleramt an, bei der Besetzung der Führungsposten behielt es sich ein Mitspracherecht vor. Das Amt Blank begann Ende 1950 mit ca. 20 Mitarbeitern und vergrößerte sich bis 1953 auf etwa 700 Mitarbeiter. Darunter waren von Anfang an ehemalige Soldaten, auf Führungsebene erschienen sie aber erst ab Juli 1952, als eine militärische Abteilung eingerichtet wurde, deren Leitung der ehemalige General Adolf Heusinger übernahm.

Eine Einbindung Westdeutschlands in die 1949 als westliches Verteidigungsbündnis eingerichtete NATO scheiterte zunächst am Widerstand Frankreichs. Als Alternative schlug der französische Verteidigungsminister René Pleven den nach im benannten Plevenplan vom Oktober 1950 vor, demzufolge die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) unter einheitlichem Kommando und Einbindung der Bundesrepublik Deutschland aufgebaut werden sollte. Im Sommer 1951 übernahm Theodor Blank die Leitung der deutschen Delegation bei den folgenden EVG-Verhandlungen, an deren Ende am 27. Mai ein unterschriftsreifer Vertrag vorlag. Der Vertrag sah den Aufbau einer integrierten Europaarmee vor, der auch zwölf deutsche Divisionen angehören sollten. Das deutsche Kontingent sollte innerhalb von zwei Jahren aufgebaut werden. Im Verteidigungsfall oblag dem amerikanischen Oberbefehlshaber der NATO in Europa das Kommando über diese Truppen.

Die Ratifizierung des EVG-Vertrages wurde durch die französische Nationalversammlung nach langwierigen innenpolitischen Auseinandersetzungen am 30. August 1954 endgültig abgelehnt. Damit lagen die Pläne für einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag zunächst auf Eis. An diesem Punkt schlug die britische Regierung in London durch ihren Außenminister Eden vor, die Bundesrepublik Deutschland als souveränen Staat mit eigenen Streitkräften in die NATO aufzunehmen. Gleichzeitig sollten die Westdeutschen, wie auch Italien, dem "Brüsseler Vertrag" beitreten, der im Jahre 1948 als Verteidigungspakt zwischen Großbritannien, Frankreich und den Beneluxstaaten geschlossen worden war. So erweitert, sollte er als "Westeuropäische Union" (WEU) auch eine Kontrollfunktion gegenüber der westdeutschen Aufrüstung ausüben.

Am 23. Oktober 1954 wurden die "Pariser Verträge" unterzeichnet, welche darüber hinaus den Verzicht der Bundesrepublik auf nukleare, chemische und schwere konventionelle Waffen festschrieben. Auf der Basis dieses Vertragswerks stimmte auch Frankreich der Integration der Bundesrepublik in das westliche Bündnis zu. Mit der vereinbarten Aufstellung von 12 deutschen NATO-Divisionen wurde auch an die Himmeroder Denkschrift angeknüpft.Die Pariser Verträge traten am 6. Mai 1955 in Kraft. Am 9. Mai wurde die Bundesrepublik Deutschland in die NATO aufgenommen und am 7. Juni 1955 wurde das "Amt Blank" in das "Bundesministerium für Verteidigung" umgewandelt. Theodor Blank wurde erster Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland.

Ein Galeriebeitrag von:
Stephanie Jozwiak
Susanne Meinicke
Christine Reibel
Burkhart Reiß