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Blockbildung und Wiedervereinigung I - 07. bis 11. Mai 1955: Pariser Konferenz der Außenminister und des NATO-Rats

Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO

  • BRD (ab 1949)
  • DDR (1949-1990)

Hintergrundinformationen

Nach Inkrafttreten der Pariser Verträge am 5. Mai 1955 unterbreiteten die drei Westmächte auf Drängen der Regierungen in London und Paris der Sowjetunion einen Verhandlungs-vorschlag. Die Regierung Eden versprach sich von einer erneuten Viermächtekonferenz wahltaktische Hilfe für die Unterhauswahlen am 26. Mai. Zudem war sie über zunehmende sowjetisch-chinesische Konfrontationen beunruhigt, deren Eskalation dazu führen könnte, an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika in eine bewaffnete Auseinandersetzung mit der Sowjetunion hineingezogen zu werden.

Schließlich wollten die Briten angesichts der sowjetischen Offerte zum Abschluß des österreichischen Staatsvertrags für einen möglicherweise zu erwartenden sowjetischen Vorschlag zur Wiedervereinigung Deutschlands mit der Forderung nach Neutralisierung gewappnet sein. Die französische Regierung war in erster Linie an einer internationalen Rüstungskontrolle und Abrüstung interessiert. Zu Koexistenz und Entspannung gab es aus ihrer Sicht keine Alternative, selbst wenn man über die Anerkennung des Status quo nicht hinauskäme.

In Washington hingegen hielten Eisenhower und Dulles ein Gipfeltreffen mit der sowjetischen Führung für völlig unbegründet, solange keine Erfolgsaussichten bestanden. Dulles befürchtete, in der Öffentlichkeit könnte der falschen Eindruck hervorgerufen werden, mit den Sowjets ließen sich Probleme wie die Wiedervereinigung Deutschlands binnen kurzer Zeit lösen. Eisenhower und Dulles gaben dennoch dem Drängen Edens nach. Zum einen, weil Macmillan Dulles am Rande des Dreier-Treffens am 8. Mai mit Pinay in Paris die große Bedeutung eines Gipfeltreffens für die britische Regierung bestätigte; zum anderen, weil der amerikanische Außenminister in einer Einladung an die Sowjetunion zunächst das kleinere Übel gegenüber einer Ablehnung jeglicher Verhandlungen sah; und schließlich, weil zunächst nur Mittel und Wege für Verhandlungen ausgelotet und nicht substantielle Entscheidungen getroffen werden sollten.

Hanns Jürgen Küsters