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Das deutsche Militärwesen (7) - Bundesrepublik Deutschland 1949-1990

Teil 7 der Dauerausstellung "Deutsche Militärgeschichte 1867 bis heute" in der Abt. Militärarchiv

  • BRD (ab 1949)

Hintergrundinformationen

Die am 23. Mai 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland verfügte zunächst über keine bewaffneten Exekutivkräfte. Die Polizeihoheit lag bei den Ländern, militärische Verbände unter deutschem Befehl bestanden nicht. Für den Schutz des Staatsgebiets waren die Stationierungs-Streitkräfte der drei westlichen Besatzungsmächte zuständig. In Anbetracht der sich verschärfenden Auseinandersetzung zwischen West und Ost wuchs jedoch die Bereitschaft, neue deutsche Streitkräfte aufzustellen. 

Bereits am 24. Mai 1950 berief Bundeskanzler Adenauer einen "Berater in militärischen und Sicherheitsfragen" als Leiter der "Zentrale für Heimatdienst". Vor dem Hintergrund des im Juni 1950 ausgebrochenen Koreakrieges beschloss der Europarat am 11. August 1950 die Bildung einer europäischen Armee mit deutscher Beteiligung und vom 3. bis 6. Oktober 1950 beriet im Kloster Himmerod eine Kommission deutscher Militärexperten über die Modalitäten der Aufstellung eines deutschen Kontingents für diese Armee. Ihre Schlussfolgerungen wurden in der "Himmeroder Denkschrift" zusammengefasst. Mitte Oktober wurde die "Zentrale für Heimatdienst" aufgelöst. Es folgte am 17. Oktober 1950 mit Theodor Blank (CDU) die Berufung eines "Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen" (Amt Blank).  

Dem im Oktober 1950 konzipierten französischen Vorschlag einer integrierten europäischen Armee mit deutschem Kontingent (Pleven-Plan) stimmte der Bundestag am 8. November 1950 zu. Am 27. Mai 1952 wurde der Gründungsvertrag der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) unterzeichnet, doch das Vorhaben scheiterte schließlich am Veto der französischen Nationalversammlung am 30. August 1954. Es folgten nun jedoch am 23. Oktober 1954 die Pariser Verträge, die mit Wirkung vom 5. Mai 1955 das Besatzungsregime in der Bundesrepublik beendeten, die Stationierung der alliierten Truppen vertraglich regelten und die Bundesrepublik als Mitglied sowohl des 1948 gegründeten "Brüsseler Paktes" (der späteren WEU) als auch der am 4. April 1949 gegründeten NATO aufnahmen.

Ab dem 9. Mai 1955 war die Bundesrepublik Mitglied der NATO und hatte als solches der Allianz Truppen zur Verfügung zu stellen, insgesamt zwölf Divisionen mit maximal 500.000 Mann unter dem Befehl integrierter NATO-Stäbe. Aus dem "Amt Blank" wurde nun mit dem 7. Juni 1955 das Bundesministerium für Verteidigung.

Dem Verteidigungsminister unterstanden der Generalinspekteur der Bundeswehr als oberster Soldat mit dem Führungsstab der Bundeswehr, sowie die Inspekteure der einzelnen Teilstreitkräfte mit den Führungsstäben des Heeres, der Luftwaffe und der Marine. Die neue Armee sollte auf den Grundsätzen der 1953 konzipierten "Inneren Führung" und des Ideals des "Staatsbürgers in Uniform" basieren.

Am 12. November 1955, dem bewusst gewählten 200. Geburtstag von Scharnhorst, wurden die ersten 101 Freiwilligen der neuen Streitkräfte ernannt und am 20. Januar 1956 standen bereits die ersten 1500 Soldaten. Am 1. April 1956 erhielten die neuen Streitkräfte die Bezeichnung "Bundeswehr" und am 24. September 1956 bestimmte der Bundespräsident das "Eiserne Kreuz" zum Erkennungszeichen auf Land- und Luftfahrzeugen. Ende 1962 war die Aufbauphase im wesentlichen abgeschlossen, die Bundeswehr umfasste nun 389.400 Mann. In den 1980ern wurde der Höchststand vor der Wiedervereinigung mit 495.000 Mann erreicht.

Die Bundeswehr hatte von Anfang an den größten Teil ihrer Verbände direkt den territorial zuständigen NATO-Stäben unterstellt. Das militärische Handeln der Bundesrepublik war damit fast vollständig an die Konzepte und Planungen der NATO gebunden. Die ursprüngliche militärstrategische Konzeption der NATO der "Massiven Vergeltung" ("massive retaliation" im Sinne einer unbedingten atomaren Reaktion als Antwort auf einen Angriff vom Dezember 1952 wurde dabei schließlich im Dezember 1967 ersetzt durch die der "Flexiblen Erwiderung" ("flexible response", die auch die Möglichkeit einer Reaktion unterhalb der atomaren Ebene vorsah.

Bereits von der Frühzeit der Bundeswehr an kam es immer wieder zu Hilfseinsätzen in Katastrophengebieten auf der ganzen Welt. Der erste Hilfseinsatz der Bundeswehr lief im März 1960 in der durch ein Erdbeben zerstörten marokkanischen Stadt Agadir. Von nun an verging selten ein Jahr, in dem nicht zumindest kurzzeitig wenigstens ein kleineres Kontingent der Bundeswehr in einem humanitären Einsatz stand, so bereits 1961 wieder in Niger und Zypern. 1962 erfolgte ein Großeinsatz der Bundeswehr mit mehreren tausend Soldaten im Rahmen der Flutkatastrophe in Norddeutschland, bei dem neun Soldaten ihr Leben verloren. Es folgte 1965 ein großer Hilfseinsatz zugunsten der Erdbebenopfer in Algerien und im Oktober 1969 ein weiterer in Algerien und Tunesien. Im Jahr 1973 beteiligte sich die Bundeswehr an Hilfseinsätzen der UNO für die Hungeropfer in der Sahel-Zone. Sowohl im August 1976 als auch im Winter 1980/81 half sie in italienischen Erdbebengebieten. Von November 1984 bis Ende des Jahres 1985 transportierte die Bundeswehr Hilfsgüter für die Hungeropfer in Äthiopien und im Sudan.

Im Zuge der Umwälzungen im Osten und der Grenzöffnung in Ungarn stellte die Bundeswehr schließlich ab September 1989 in Kasernen Unterkunftsplätze für zuletzt 30.000 DDR-Flüchtlinge bereit. Im Juni 1990 erfolgte zudem noch ein Einsatz im Erdbebengebiet um Teheran.

Bei Gründung der Bundeswehr war die deutsche Industrie seit zehn Jahren von der technischen Entwicklung im Rüstungsbereich abgekoppelt, eigenes militärisches Gerät war nicht mehr vorhanden. Die Erstausstattung der neuen Armee musste von daher aus dem Ausland kommen, zum Teil geschenkt, zum Teil gekauft, zum Teil auch nur geliehen. Hauptlieferant waren die USA. Doch setzte bereits früh die Mitarbeit der Bundesrepublik in internationalen Planungs- und Beschaffungs-kooperationen ein, die schnell zum Aufbau eigener Rüstungskapazitäten führte. Gleichzeitig lief die Entwicklung verschiedener Waffensysteme gemeinsam mit anderen europäischen Nationen.

Im Kontext der diplomatischen Bemühungen um die deutsche Wiedervereinigung verständigte sich die Bundesrepublik schließlich mit der Sowjetunion im Juli 1990 auf eine Reduzierung der Bundeswehr auf 370.000 Mann bis Ende 1994.

Weiterführende Bestände
Gemäß Bundesarchivgesetz kann nur Archivgut, das älter als 30 Jahre ist benutzt werden! Für die Nachlässe können besondere Benutzungsbedingungen gelten.

SignaturBestandsbezeichnungAnzahl der Akten
BW 1Bundesministerium der Verteidigungca. 400.000 Akten
BW 9Dienststellen zur Vorbereitung des westdeutschen Verteidigungsbeitrages3.522 Akten
BH 1Führungsstab des Heeresca. 30.000 Akten
BL 1Führungsstab der Luftwaffeca. 60.000 Akten
BM 1Führungsstab der Marineca. 20.000 Akten
BV 5Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung ca. 150.000 Akten



SignaturBestandsbezeichnungAnzahl der Akten
N 379Friedrich Ruge: Admiral, Inspekteur der Marine339 Akten
N 626Johann Adolf von Kielmannsegg: General, NATO-Befehlshaber Mitteleuropa370 Akten
N 643Adolf Heusinger: General, Generalinspekteur, Vorsitzender des NATO-Militärausschusses140 Akten
N 673Ulrich de Maizière: General, Generalinspekteur133 Akten
N 717Wolf von Baudissin: General, Stellv. Chef des Stabes beim NATO-Befehlshaber Europa550 Akten