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Die Ära Adenauer

Zum 50. Jahrestag des Todes von Konrad Adenauer am 19. April 1967 stellt das Bundesarchiv einige Bild- und Schriftdokumente aus seinen Beständen vor, die Schlaglichter auf Politik und Wesen des ersten Bundeskanzlers werfen.

  • BRD (ab 1949)

Hintergrundinformationen

"Vorgeschichte": Adenauer in der Zeit zwischen 1876 und 1949

Als Konrad Adenauer 1949 zum ersten Kanzler der neuen Bundesrepublik gewählt wurde, stellte dies zwar den Gipfel, nicht aber den Beginn seiner politischen Laufbahn dar. Der zu diesem Zeitpunkt 73-Jährige hatte schon beinahe die gesamte Kaiserzeit miterlebt, während der er auch sein Jura- und Staatswissenschaftsstudium abgeschlossen hatte. Zeit seines Lebens war er, früh geprägt durch seine Familienangehörigen und den Besuch kirchlicher Schulen, gläubiger Katholik, weshalb er 1906 der Zentrumspartei beitrat. Im selben Jahr wurde Adenauer Beigeordneter in seiner Heimatstadt Köln, und noch im Kriegsjahr 1917 wählten ihn die Kölner dann zu ihrem Oberbürgermeister.

Er behielt dieses Amt während der gesamten Epoche der Weimarer Republik, verlor das Amt jedoch unter den Nationalsozialisten. Dem und der Tatsache zum Trotz, dass Adenauer während der NS-Diktatur wiederholt Verfolgungen ausgesetzt war, kann er aber kaum als "Widerstandskämpfer" bezeichnet werden. Wie viele Deutsche zu dieser Zeit hegte er zu Beginn gewisse Hoffnungen, dass unter der Hitler-Diktatur die krisenhaften Zustände überwunden werden könnten – die nationalsozialistischen Verbrechen verurteilte er später jedoch entschieden. 1944 wurde Adenauer nach dem gescheiterten "Unternehmen Walküre" verhaftet und im "Arbeitserziehungslager" von Köln-Deutz interniert, 1945 bestimmten ihn die siegreichen Alliierten wieder für einige Monate zum Kölner Oberbürgermeister. Den meisten Deutschen bekannt wurde Adenauer dann in der Besatzungszeit, als er zum Präsidenten des Parlamentarischen Rates gewählt wurde. Letzteren hatten die alliierten Mächte der Trizone (USA, Großbritannien, Frankreich) 1948 zur Erarbeitung eines Grundgesetzes und mit dem Ziel der Gründung eines neuen, demokratischen Staates in Westdeutschland geschaffen.

Die Kanzlerschaft Adenauers (1949-1963)

Mit kleinstmöglicher absoluter Mehrheit  - 202 von 404 Stimmen - wurde Konrad Adenauer am 15.9.1949 durch den ersten Bundestag zum Kanzler gewählt. Damit übernahm er die Regierungsverantwortung für ein Land, das noch allgegenwärtig vom Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg gezeichnet war: Millionen Tote, Vermisste, Vertriebene, Flüchtlinge und Gefangene waren zu beklagen; den Wiederaufbau der durch Bombenangriffe zerstörten Städte sowie die Versorgungsschwierigkeiten galt es anzugehen und zugleich eine funktionierende Wirtschaft zu schaffen. Hinzu kam die sich durch die Gründung der beiden deutschen Staaten manifestierende Teilung Deutschlands. Nicht zuletzt nahm für die meisten Zeitgenossen auch individuell unterschiedlich die Erinnerung, Verdrängung und Aufarbeitung des Geschehenen einen großen persönlichen Raum ein.

Es ist daher wenig überraschend, dass die Politik Adenauers und seiner Minister auf eben diese Probleme und Zustände konzentriert war – etwa durch Wohnungsbauprogramme, Sozialreformen, die "Soziale Marktwirtschaft" und den Lastenausgleich. Außenpolitisch (zwischen 1951 und 1955 nahm Adenauer auch das Amt des Außenministers wahr) positionierte er die Bundesrepublik klar auf der Seite des Westens, der Kalte Krieg beschleunigte die Remilitarisierung (Gründung der Bundeswehr, Einführung der Wehrpflicht, Beitritt zur NATO) und Hinführung der BRD zum überwiegend souveränen Staat (Ende des Besatzungsstatuts mit den Pariser Verträgen). Besonders bemerkenswert sind die Anfänge einer europäischen Zusammenarbeit (Montanunion, Römische Verträge) und die Aussöhnung mit Frankreich.

Adenauers starke Ablehnung fanden allerdings die Organisationen, Staaten und Ideen, die man in jener Zeit als sozialistisch betrachtete. Besonders im Wahlkampf, etwa an Plakaten, wurde dies deutlich ("Freiheit statt Sozialismus", "Keine Experimente"). 1956 sprach das Bundesverfassungsgericht das umstrittene Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) aus, nachdem diese zur Revolution bzw. zum Sturz der Regierung aufgerufen hatte und als verfassungsfeindlich eingestuft worden war. Als Kontrast zur Westintegration war das Verhältnis zur Sowjetunion und zur DDR angespannt: Zu groß waren die Abneigung, das Misstrauen, die ideologischen Gegensätze, die das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Staaten beherrschten, die sich gegenseitig nur als Satellitenstaaten und Marionetten ihrer Bündnispartner wahrnahmen. Die Sowjetunion unternahm dabei mehrere Versuche zu verhindern, dass die BRD sich in diesem Ost-West-Konflikt zu sehr zu einem Bündnispartner der Gegner entwickelte: Die Stalin-Noten und die Einladung Adenauers nach Moskau von 1955, bei der über die sog. "Heimkehr der Zehntausend" (Rückkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen) verhandelt wurde, können durchaus in diesem Kontext verstanden werden. Das große Ziel der Wiedervereinigung konnte Adenauer in seiner Regierungszeit nicht erreichen; spätestens der Bau der Berliner Mauer gab 1961 zu erkennen, dass auf absehbare Zeit mit dieser Vorgehensweise keine Lösung in Sicht war.

Rücktritt und späte Jahre (1963-1967)

Als bis heute ältester Bundeskanzler (87 Jahre) trat Adenauer nach 14 Jahren Kanzlerschaft zum 15. Oktober 1963 zurück; tags darauf wurde Wirtschaftsminister Erhard zum zweiten deutschen Bundeskanzler gewählt. Adenauer haderte sehr damit, sein Amt aufzugeben, da es für ihn kaum alternative Personen gab, die er in dieser Funktion für ausreichend geeignet hielt: Auch sein Nachfolger Ludwig Erhard stieß auf seine Ablehnung.

Dem angekündigten Rücktritt Adenauers waren auch politische Rückschläge vorausgegangen, etwa das Scheitern beim Etablieren eines (positiver über die Bundesregierung und CDU berichtenden) Fernsehsenders oder die "Spiegel-Affäre". Nie hat er sich aber gänzlich aus der Politik zurückgezogen: Bis 1966 blieb er Vorsitzender der CDU, bis zu seinem Tod am 19.4.1967 Bundestagsabgeordneter. Das Staatsbegräbnis wurde dabei zu einem Großereignis, das nicht nur politische Anhänger wie Gegner bewegte, sondern auch international thematisiert wurde. Zahlreiche Staatsgäste besuchten die Trauerfeier im Kölner Dom, um dem Mann die letzte Ehre zu erweisen, dem die nicht selbstverständliche Erfüllung des Regierungsauftrags gelungen war, Westdeutschland wieder zu einem funktionierenden, freiheitlich-demokratischen Staat zu machen.

Kent Michaelis (Praktikant im Bundesarchiv), im März 2017