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Die Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei 1968

  • BRD (ab 1949)
  • DDR (1949-1990)

Hintergrundinformationen

Unterlagen zur Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) 1968 in den Beständen der Stiftung

Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurde die von den Nationalsozialisten 1933 verbotene Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) durch die alliierten Besatzungsmächte in den vier Besatzungszonen Deutschlands 1945 wieder zugelassen. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde sie 1946 mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereinigt. Im Zuge der sich abzeichnenden Spaltung Deutschlands trennte die SED sich 1948 organisatorisch formal von der KPD in den westlichen Besatzungszonen.

Mit Beginn des "Wirtschaftswunders" in der Bundesrepublik Deutschland schnitt das kommunistische Gesellschaftsmodell im Systemvergleich zunehmend schlechter ab. Die durch die "Stalinisierung" bereits geschwächte KPD verlor ihre ehemals recht starke Basis. Ebenso maßgeblich für die zunehmende gesellschaftliche Isolierung war der tradierte gesellschaftlich breit verankerte "Antikommunismus", der sich im Zuge des "Kalten Krieges" verschärfte. Seit Beginn der 1950er Jahre begrenzten zudem zum Teil drastische staatliche Maßnahmen gegen die der Sympathie für kommunistische Auffassungen überführte oder verdächtigte Personen, Gruppen und Organisationen den Handlungsrahmen massiv. Im August 1956 fällte das Bundesverfassungsgericht das politisch und juristisch umstrittene KPD-Verbotsurteil. Die Kommunisten arbeiteten danach illegal weiter.

In den 1960er Jahren verstärkten sich die Bemühungen für eine erneute Legalisierung der KPD. Zuspruch und Interesse auch von Nichtkommunisten nahmen aus unterschiedlichen Gründen in dem Maße zu, in dem sich die Außerparlamentarische Opposition (APO) entwickelte. Eine wesentliche Voraussetzung für konkrete Schritte bildete die im Juni 1968 vom Bundestag beschlossene Änderung des politischen Strafrechtes und die Generalamnestie für die bis zum 1. Juli 1968 begangenen politischen Straftaten. Am 4. Juli 1968 sprachen die Vertreter der KPD Grete Thiele und Max Schäfer mit Bundesjustizminister Gustav Heinemann und Staatssekretär Horst Ehmke über die Modalitäten für die Zulassung der legalen Tätigkeit einer kommunistischen Partei in der BRD. In Auswertung dieses Informations- und Meinungsaustausches wurde nach Absprache mit den Parteiführungen der SED und der KPdSU am 25. September 1968 die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) konstituiert. De facto (nicht de jure) trat sie die Nachfolge der KPD an. Die Funktionäre der SED und der KPD, welche die KPD komplett als illegale Partei "in Reserve" weiterbestehen lassen wollten, konnten sich nicht durchsetzen. Daher wurden der Apparat und die Mitglieder der KPD ab der Jahreswende 1968/1969 in die DKP überführt.

Detailliertere Informationen zu den Bemühungen zur Wiederzulassung der KPD sowie zur daraus resultierenden Gründung der DKP und deren Aufbauphase finden Interessenten v.a. in den Beständen BY1 (Kommunistische Partei Deutschlands wBZ/BRD; Klassifikationspunkt 1.6.5 des online stehenden Findbuches) und DY 30 (ZK der SED; Arbeitsbüro KPD). Eine bestandsübergreifende Vorschau auf Akten auch zur weiteren Entwicklung der DKP bis 1989 erhält der Benutzer, wenn er mit der Suchmaschine ARGUS (Stichwort "DKP") die online stehenden Findbücher der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv durchsucht. Auf die Sammlung von Literatur von und über die DKP in der Dienstbibliothek des Bundesarchivs sei an dieser Stelle ebenfalls verwiesen.

Dr. Andreas Horn