Skipnavigation

Navigation

Manfred von Richthofen "Der rote Kampfflieger"

  • Kaiserreich (1871-1918)

Hintergrundinformationen

Rittmeister Freiherr Manfred von Richthofen ist zweifellos selbst heute noch der weltweit bekannteste Jagdflieger. Sein Ruhm entstand in den Luftkämpfen über der Westfront des Ersten Weltkrieges und wurde von Freund und Feind nach dem Krieg bis heute weiter gepflegt. Ein Stückweit noch im Kriege zur propagandistischen Kunstfigur aufgebaut, steht hinter dem bekannten Namen dennoch ein herausragend befähigter und erfolgreicher junger Offizier, geprägt von seiner Zeit und ihren Wertevorstellungen. Heutzutage bekannt als "der Rote Baron" ist dies doch keine zeitgenössische Bezeichnung, sondern geht auf ein britisches Nachkriegswerk über den berühmten Gegner und die Übersetzung seines Freiherrn-Titels mit "Baron" zurück: Floyd Gibbons, The red knight of Germany. The story of Baron Manfred von Richthofen, erstmals erschienen 1927. Richthofen selbst betitelte seine bereits 1917 erschiene Autobiographie "Der rote Kampfflieger".

Manfred von Richthofen wurde am 2. Mai 1892 in Breslau als ältester Sohn eines Kavallerie-Offiziers geboren. Von 1903 bis 1909 besuchte er die Kadettenanstalt in Wahlstatt, von 1909 bis 1911 die Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin. Im Jahr 1912 trat er als Fähnrich beim Ulanenregiment Nr.1 "Kaiser Alexander III." ein und erlebte in diesem als Kavallerie-Offizier den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Auf eigenen Wunsch wechselte er im Mai 1915 zur Fliegertruppe, anfangs als Beobachter an der Ostfront (Feldfliegerabteilung 69) und ab August 1915 bei der sog. Brieftauben-Abteilung Ostende, einer getarnten Bomber-Formation. Im November/Dezember 1915 absolvierte er die Ausbildung zum Flugzeugführer und wurde als solcher ab März 1916 beim Kampfgeschwader 2 an der Westfront, später auch an der Ostfront eingesetzt.

Erst im August 1916 wechselte er vom Kampfgeschwader 2 zu den Jagdfliegern und trat in die neuaufgestellte Jagdstaffel 2 unter der Führung von Oswald Boelcke ein. Hier errang er rasch immer weitere Luftsiege und wurde schließlich zum erfolgreichsten und bei den Gegnern meistgefürchteten deutschen Jagdflieger. Dies nutzte wiederum die Oberste Heeresleitung bewußt zur Propaganda sowohl gegenüber der eigenen Truppe als auch nach außen aus. Richthofen wurde zur allseits bewunderten Heldengestalt, an seinen Luftsiegen nahm die Öffentlichkeit regen Anteil und auch seine Autobiographie oder etwa Briefe an Schulklassen sind zu diesen Propaganda-Maßnahmen zu zählen. Mit sechzehn anerkannten Abschüssen erhielt Richthofen am 12. Januar 1917 schließlich den Orden "Pour le Mérite".

Richthofen ging zweifellos in seinem Metier als Jagdflieger auf. Doch die Vorstellung des nur und immer "ritterlichen" Zweikampfes in der Luft mit möglichster Schonung des Gegners, ausgeführt von Fliegern denen es eigentlich nur um "das Fliegen" ging ist nicht mehr als eine von beiden Seiten gepflegte schöne Legende " möglich nur im Vergleich mit der anonymen und ohnmächtig erlebten Brutalität des Grabenkampfes. Richthofen selbst demaskiert diese Legende weitgehend in seiner Autobiographie.

Noch im Januar 1917 übernahm Richthofen die Führung der Jagdstaffel 11, bekannt geworden als "Fliegender Zirkus" aufgrund der vielfarbigen Maschinen der Staffel. Richthofen selbst flog nunmehr in der Regel eine rot bemalte Maschine. Als im Juni 1917 schließlich aus vier Jagdstaffeln das Jagdgeschwader 1 gebildet wurde, war Richthofen sein erster Kommandeur. Doch bereits am 6. Juli wurde er in einem Luftkampf schwer verwundet und setzte längere Zeit aus, kehrte jedoch in seine Funktion zurück. Doch am 21. April 1918 verfolgte er in der Hitze eines Luftkampfs seinen Gegner verbissen bis hinter die feindlichen Linien und wurde schließlich im Tiefflug von einem australischen MG-Schützen tödlich getroffen.

Zu diesem Zeitpunkt, mit knapp 26 Jahren, war Richthofen mit 80 anerkannten Siegen im Luftkampf der erfolgreichste Jagdflieger des Krieges und diese Zahl wurde auch von keinem anderen Flieger im Ersten Weltkrieg mehr erreicht.

Thomas Menzel