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Starimages

Vor allem das Plakat präsentierte in den Anfängen des Starsystems neben Presseheften und Zeitungskolumnen das zu propagierende Image eines Filmdarstellers.

  • BRD (ab 1949)
  • DDR (1949-1990)
  • Nationalsozialismus (1933-1945)
  • Weimarer Republik (1918-1933)
  • Zonenverwaltung (1945-1949)

Hintergrundinformationen

Die Geburt des Filmstars beginnt in den Jugendjahren des Kinos zwischen 1909 und 1915, als die bis dahin noch weitgehend unbekannten Schauspieler zum Gegenstand des öffentlichen Interesses werden. Sowohl filmische wie private Erscheinung des Stars sind die ausschlaggebenden Sphären in der Erzeugung eines spezifischen, vermarktbaren Image.

"Durch die Synchronisation unterschiedlicher, mindestens zweier Wirklichkeiten, zu der uns der Erlebnisraum Kino zwingt, werden Filmschauspieler zu halb realen und halb fiktionalen Wesen. Ihre Mehrdeutigkeit lässt sie zwischen trivialer Menschlichkeit und inszenierter Göttlichkeit zu geeigneten Projektionsfiguren für unsere Träume werden." (Matthias Michel u. Isabelle Köpfli)

Indem der Star das Publikum auf seine Person, seinen Körper zu fokussieren versteht, bindet er es an das Medium, durch das er sich präsentiert. Eine befremdlich manipulative Macht geht von diesem "fatalen Ungeheuer" (Kenneth Anger) aus, das zukünftig Einfluss auf das Erscheinungsbild und Auftreten ganzer Generationen nehmen wird. Sein Wert ist durch die Fallhöhe markiert, denn Aufstieg und Untergang sind die beiden Pole der öffentlichen Inszenierung, zwischen denen sich die Ästhetik des Stars entfaltet.

In den frühen Jahren des Starsystems sind es Zeitungskolumnen, Pressehefte, erste Trailer, der Rundfunk und vor allem das Plakat, welche das propagierte Image präsentieren. "Das Plakat verhält sich zum Film wie das Gesicht zum Körper. Das eine stellt aus und verspricht, das andere führt vor und löst ein." (Karl Sierik) Dabei sollte das Versprochene nie ganz eingelöst, die Erwartungen nie völlig erfüllt werden. Die Annäherung des Publikums an den Star darf nicht zum Abschluss kommen. Indem sich Widersprüche in das Image einschleusen, Leerstellen entstehen, neue ungeahnte Wesenszüge das Rätselhafte des Charakters betonen, der Star also wieder in Distanz geht, hält er das Interesse an seiner Person wach.

Das Starplakat unterstreicht wie die Großaufnahme des Stars im Film dessen Pathos, stilisiert vor allem sein Gesicht und seinen Körper, die er in einer neu aufflammenden Bildkultur inszeniert. Wir erkennen ihn an seiner Physiognomie, an seiner Gestik und Mimik, die so prägnant wird, dass oft nur wenige Striche reichen, um sein Antlitz zu evozieren. Auf Plakaten erscheint er uns gemalt oder photographiert, realistisch oder idealisiert, als Schatten oder steinernes Monument, auf seine wesentlichsten Merkmale reduziert, abstrakt oder eingeschlossen in eine Collage, in ein Ornament. Einmal tritt er uns in der fiktiven Rolle seines neuesten Films entgegen, dann wieder in der außerfilmischen Rolle als Star bzw. beide Identitäten haben sich im Bild überlagert und verweisen auf verschiedene Ebenen der medialen Inszenierung.

Andreas Scholz