1.193.2 (bru2p): Anlage 1:

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Anlage 1:

[Telegramm Melchiors an Staatssekretär Schäffer. Lörrach, 17. August 1931]

R 43 I/1451, S. 373–375 Durchschrift

Übersetzung aus dem Englischen.

Die Generaldebatte über den Layton’schen Entwurf wurde heute beendet. Die einzelnen Mitglieder werden morgen Vormittag Layton ihre formulierten[1572] Abänderungsvorschläge übergeben, wobei ich die mir mitgeteilten dortigen Vorschläge selbstverständlich berücksichtigen werde. Layton hat alsdann folgende Ausführungen für den Schlußpassus unterbreitet, die noch nicht zur Erörterung geführt haben.

„Aber die Zeit ist kurz. Die Handelswelt, deren Lebendigkeit bereits gering war, hat eine ernsthafte Erschütterung bei einem seiner Hauptmitglieder erhalten. Das hatte eine teilweise Paralysierung zur Folge, die sich zweifelsohne auch auf die anderen Körperteile ausdehnen wird, wenn der freie Umlauf von Geld und Waren nicht schnell wieder hergestellt wird. Wir glauben, daß das getan werden kann, wenn die verantwortlichen Regierungen der Welt unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um dasjenige Vertrauen wieder herzustellen, das ihre Aktion allein zurückgeben kann. Wir halten es für wesentlich, daß sie sofort Mittel finden sollten, die das sine qua non der wirtschaftlichen Gesundung sind, und daß vor Ablauf der Verlängerungszeit der Kredite endgültige Vereinbarungen getroffen werden, die sicherstellen, daß die künftigen von Deutschland nach dem nächsten Juli zu leistenden internationalen Zahlungen nicht derart sein werden, daß sie ein Hindernis für die Aufrechterhaltung seiner finanziellen Stabilität bilden. Werden derartige Schritte unternommen, so sind wir darüber beruhigt, daß die Fundierung eines Teils der deutschen kurzfristigen Schuld und die Beschaffung von zusätzlichen langfristigen Krediten, die Deutschland benötigt, keine unüberwindlichen Schwierigkeiten bieten werden. Inzwischen können die „Stillhalte“vereinbarungen, welche getroffen worden sind, nichts weiter vollbringen als den Zusammenbruch des Kredites für eine kurze Zeit hinauszuschieben, der sich ereignen muß, wenn man die Dinge weiter treiben läßt. Und wir möchten hinzufügen, daß diese zeitweiligen Maßnahmen nur dann ihr Ziel erreichen werden, wenn in der Zwischenzeit eine ähnliche Zurückhaltung in der ganzen übrigen Handelswelt gezeigt wird. Privatpersonen, die ihr Mißtrauen in die finanzielle Struktur ihres eigenen Landes dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie Geld horten oder Depositen zurückziehen, desgl. auch Firmen, die aus dem internationalen Markt diejenigen Beträge zurückziehen, die normalerweise einen Teil des zirkulierenden Kapitals der Welt bilden, beschleunigen die tatsächlichen Schwierigkeiten, die wir alle zu vermeiden wünschen. Wir möchten indessen zum Schluß daran erinnern, daß das deutsche Problem, wie wir zu Beginn sagten, ein Teil einer größeren Frage ist und möchten in dieser Hinsicht zwei Bemerkungen machen. Die erste ist die, daß zur Belebung der Nachfrage und um auf diese Weise die ständige Abwärtsbewegung der Preise, die sowohl Schuldner wie Gläubigerländer in einem circulus vitiosus vereint, aufzuhalten, es wesentlich ist, daß der normale Prozeß frischer Kapitalinvestierungen wieder aufgenommen werden sollte. Unter den bestehenden Umständen wird jedoch frisches Kapital von denjenigen Ländern, die für diesen Zweck Mittel zur Verfügung haben, nur in Schuldverschreibungen höchster Klasse investiert werden, und wir sind deshalb der Ansicht, daß diese heilsame Bewegung nur durch die Aufnahme von Anleihen durch Länder und Institutionen mit höchstem Kredit oder durch Zusammenarbeit erfolgen kann, die für langfristige Investierungen eine Sicherheit[1573] internationalen Charakters gibt. Zweitens möchten wir zum Ausdruck bringen, daß die von uns beschriebene Lage in Deutschland die überzeugendste Illustration der Tatsache ist, daß in den letzten Jahren die Welt sich bemüht hat, zwei Wege kontradiktorischer Politik zu verfolgen, indem sie große Kapitalbewegungen von einem Lande zum anderen beförderte und auf der anderen Seite zur gleichen Zeit der freien Bewegung der Waren Hindernisse in den Weg legte. Wenn die Hindernisse bestehen bleiben, müssen derartige Kapitalbewegungen das finanzielle Gleichgewicht der Welt notwendigerweise umstoßen. Wenn hier nicht ein radikaler Wechsel in der Politik der Obstruktion erfolgt und dem internationalen Handel, von dem der Fortschritt der Zivilisation abhängt, die Möglichkeit gegeben wird, seine natürliche Entwicklung wieder aufzunehmen, werden finanzielle Hilfsmittel allein machtlos sein, das wirtschaftliche Wohlergehen der Welt wiederherzustellen.“

Bei der Erörterung, ob man die Erweiterung der terms of reference beantragen solle3, zeigte sich, daß außer mir niemand hierfür eintrat. Infolgedessen erklärte der Präsident diese Möglichkeit der weiteren Behandlung für erledigt. Die überwiegende Meinung im Ausschuß schien dahinzugehen, nur den Bericht zu erstatten, aber keine Vorschläge wegen der weiteren Behandlung zu machen, insbesondere nicht eine politische oder neue Sachverständigenkonferenz vorzuschlagen.

3

S. Dok. Nr. 444, Anm. 5.

Melchior.

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