1.160 (bru2p): Nr. 412 Aufzeichnung des Staatssekretärs Meissner über den Empfang des Britischen Premierministers MacDonald und des Britischen Außenministers Henderson beim Reichspräsidenten am 28. Juli 1931, 11.30 Uhr

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[1437] Nr. 412
Aufzeichnung des Staatssekretärs Meissner über den Empfang des Britischen Premierministers MacDonald und des Britischen Außenministers Henderson beim Reichspräsidenten am 28. Juli 1931, 11.30 Uhr

R 43 I/61, Bl. 195–197 Durchschrift1

1

StS Meissner hatte die Durchschrift dieser Aufzeichnung der Rkei am 28.7.31 übersandt (R 43 I/61, Bl. 94). Der brit. Premierminister und AM Henderson hatten den für den 17.–20.7.31 geplanten Besuch (R 43 I/61, Bl. 106; vgl. Dok. Nr. 389, Anm. 2–3) wegen der Pariser Konferenz auf den 27. und 28.7.31 verschoben (Schultheß 1931, S. 163–165). Vor dem Empfang beim RPräs. hatte eine Besprechung des RK und des RAM mit den brit. Gästen im Garten der Rkei stattgefunden. Erörtert wurden u. a. die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, das dt.-frz. Verhältnis und die Reparationsfrage. Der RK hatte den von Frankreich angeregten Vorschlag einer Zollunion der Nachfolgestaaten der Habsburger Monarchie abgelehnt und erneut erklärt, daß ein langfristiger frz. Kredit für Dtld nicht in Frage komme. Der RAM hatte ein Junktim zwischen der endgültigen Regelung des Reparations- und Schuldenproblems und der Abrüstungskonferenz hergestellt; da mit einem Ergebnis der Abrüstungskonferenz bis zum 1.7.32, dem Stichtag für das Ende des Hoover-Moratoriums, nicht zu rechnen sei, hatte Curtius vorgeschlagen, bei den Amerikanern Stimmung für eine Verlängerung des Feierjahres zu machen (Ungezeichnete Aufzeichnung vom 28.7.31, Pol. Arch. des AA, Abt. III, Politik 2, Akten betr. Politische Beziehungen zwischen England und Deutschland. Gegenbesuch MacDonald und Henderson in Berlin, Bd. 1; ein weiteres Exemplar der Aufzeichnung im Nachl. Pünder Nr. 88, Bl. 125–131). Zum Besuch MacDonalds und Hendersons in Berlin vgl. auch Documents on British Foreign Policy, Second Series, Vol. II, Doc. Nr. 228–231. Vgl. Brüning, Memoiren, S. 347; Curtius, Sechs Jahre Minister der dt. Republik, S. 221 f.; Schmidt, Statist auf diplomatischer Bühne, S. 223 f.

Die britischen Herren, die vom Britischen Botschafter Sir Horace Rumbold begleitet waren, wurden von mir an der Schwelle des Hauses empfangen und zum Gartensaal begleitet. Der Herr Reichspräsident kam den Herren bis in das Vorzimmer entgegen. Nachdem die Herren vorgestellt und begrüßt waren, gab der Herr Reichspräsident seiner Freude Ausdruck, daß die Herren der Einladung nach Berlin so bald gefolgt seien; er benutze die Gelegenheit, ihnen für die freundliche Aufnahme zu danken, die der Kanzler und der Außenminister in Chequers und in London gefunden haben. Der Herr Reichspräsident dankte dann für die wertvolle Mitarbeit, die Deutschland in dieser schweren Zeit durch die englische Regierung zuteil geworden ist, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Zusammenarbeit nicht nur für Deutschland, sondern auch für die übrige Welt von Vorteil sein würde. Der Herr Reichspräsident erwähnte besonders die freundliche Aufnahme, die die deutschen Herren Minister bei Seiner Majestät dem König von England gefunden hätten, und bat den Herrn Premierminister, seinen ehrerbietigsten Dank hierfür dem König zu übermitteln.

Der Premierminister erwiderte hierauf, indem er dem Herrn Reichspräsidenten für die Ehre dieses Empfangs dankte. Er und seine Kollegen hätten sich sehr gefreut, in Chequers die persönlichen Beziehungen zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem deutschen Außenminister aufzunehmen. Diese seien dann in London fortgesetzt worden und fänden hier in Berlin eine weitere wertvolle Ergänzung. Auch die britische Regierung hoffe, daß das Zusammenarbeiten zwischen den beiden Ländern von großem Vorteil sein werde. England habe Vertrauen in die Kraft und Zukunft Deutschlands. Den Dank an Seine Majestät den König werde er gern zum Ausdruck bringen.

[1438] Die weitere, etwa halbstündige Unterhaltung berührte keine politischen Themata. Der Herr Reichspräsident erwähnte noch mit Genugtuung den englischen Flottenbesuch in Kiel2, worauf der englische Premierminister einige Worte des Dankes für die freundliche Aufnahme der englischen Seeleute zum Ausdruck brachte. Die Unterhaltung drehte sich darauf wieder um allgemeine Themata: Die sprachliche Ausbildung der Jugend, wobei der Herr Reichspräsident sowohl wie Ramsay MacDonald der Ausbildung in modernen Sprachen vor dem Studium der alten Sprachen den Vorzug gaben, ferner Flugverkehr mit England und die Vor- und Nachteile der Flugreisen, die gegenwärtige Zeppelin-Fahrt in die Arktis3, Einzelheiten des Aufenthalts der englischen Gäste in Berlin und die frühere Anwesenheit MacDonalds in Berlin und seinen Besuch beim Präsidenten Ebert. Am Schlusse der Unterhaltung wiederholte der Herr Reichspräsident seine Wünsche für den hiesigen Aufenthalt der englischen Herren und die Heimreise.

2

Die engl. Kreuzer „Dorsetshire“ und „Norfolk“ hatten vom 4.–11.7.31 der Reichsmarine in Kiel einen inoffiziellen Besuch abgestattet (DAZ Nr. 299–300 vom 5.7.31 und Nr. 311–312 vom 12.7.31).

3

S. Dok. Nr. 402, P. 2.

Ramsay MacDonald erwiderte mit guten Wünschen für den Herrn Reichspräsidenten und Deutschland; er betonte, daß er überzeugt sei, Deutschland werde die gegenwärtige Krisis mit eigener Kraft bald überwinden.

Die Unterhaltung vollzog sich in englischer Sprache. Der Unterzeichnete fungierte als Dolmetscher.

Meissner

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