1.240 (bru2p): Nr. 492 Der Oberbürgermeister von Köln an den Reichskanzler. Köln, 28. September 1931

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[1754] Nr. 492
Der Oberbürgermeister von Köln an den Reichskanzler. Köln, 28. September 1931

R 43 I/2321, Bl. 391–392

[Umschuldung der Stadt Köln]

Sehr verehrter Herr Reichskanzler!

Von verschiedenen Seiten höre ich, daß die Verschuldung der Stadt Köln, insbesondere ihre kurzfristigen Schulden, Gegenstand der Sorge, auch der politischen Sorge, für die Reichsregierung sind. Ich verstehe durchaus diese Sorge, und Sie dürfen versichert sein, daß ich alles, was in meiner Kraft steht, zu tun bereit bin, um eine möglichst baldige Konsolidierung herbeizuführen. Ich hatte zu diesem Zwecke in den ersten Monaten des Jahres, wie Ihnen bekannt ist, mit Herrn Dr. Heineman1, Brüssel, in Verhandlungen gestanden. Während dieser Verhandlungen tauchte plötzlich die Berliner Angelegenheit auf2, und Herr Dr. Heineman interessierte sich für sie so sehr, daß er die Kölner Angelegenheit dahinter zurückschob. Als die Berliner Sache erledigt war, hatten sich die Dinge international bereits so verschlechtert, daß mir Herr Dr. Heineman sagte, es wäre z. Z. unmöglich, etwas zu erreichen.

1

Dannie Heineman, belg. Bankier.

2

Die Stadt Berlin hatte am 19.3.31 einen internationalen Kredit in Höhe von 75 Mio RM erhalten (C. Horkenbach, Das Dt. Reich von 1918 bis heute, Jahrgang 1931, S. 104).

Neuerdings erwäge ich nun den Gedanken, ob nicht durch ein Zusammengehen mit der Reichs-Elektro-Gesellschaft sich eine Konsolidierung unserer Schulden erreichen ließe. Die Preag3 möchte an sich auch gern ein derartiges Geschäft mit der Stadt Köln machen. Ich glaube aber, daß eine Reichs-Gesellschaft eher die zur Durchführung der Transaktion notwendige Verbindung mit der Reichsbank hat als die Preag. Die Verträge, die zu einer Gründung notwendig sind, sind in langer Arbeit so weit vorbereitet, daß die Schnelligkeit der Erledigung unter lange Zeit erfordernden juristischen Überlegungen usw. nicht zu leiden braucht. Wenn Sie, sehr verehrter Herr Reichskanzler, der Durchführung dieses Gedankens nicht abgeneigt sind, so wäre ich Ihnen für einen freundlichen Rat über den von mir einzuschlagenden Weg sehr dankbar.

3

Preußische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft in Berlin, gegründet 1927.

Über die mir von Herrn Dr. BrüningBrüning, Köln, gemachte Mitteilung, daß Sie mir im Laufe dieser Woche Gelegenheit geben wollen, Ihnen einige Erläuterungen über unsere Lage zu geben, bin ich sehr erfreut. Sicher kann ich die zweifellos mir am unangenehmste Tatsache der starken Verschuldung und ihrer bei der gegenwärtigen Entwicklung sehr unangenehmen Begleiterscheinungen nicht durch solche Erläuterungen aus der Welt schaffen. Immerhin glaube ich doch zeigen zu können, daß die Stadt Köln in dem einen oder andern Falle sich übernommen hat, daß aber den hohen Schulden auch hohe Vermögenswerte[1755] gegenüberstehen, daß im allgemeinen diese Verschuldung nicht durch verschwenderische Ausgaben herbeigeführt worden ist4.

4

Am 6.10.31 übersandte OB Adenauer dem StSRkei die Abschrift einer für den RFM bestimmten Übersicht vom gleichen Tage über die Gewinne der Kölner Gas-Elektrizitäts- und Wasserwerke und den Verkaufswert der Werke bei einer Übernahme durch das Reich. Den Durchschnittsreingewinn für die Geschäftsjahre 1928–1930 bezifferte Adenauer mit rd. 24,7 Mio RM (R 43 I/2321, Bl. 372–375). Am 7.10.31 schrieb StS Pünder an StS Schäffer, der RK vertrete den Standpunkt, daß es für den dt. Kredit und das dt. Ansehen im Ausland von katastrophaler Bedeutung wäre, wenn eine Großstadt von dem internationalen Ruf der Stadt Köln in kürzester Zeit ihre Zahlungen einstellen müßte. „Welches die Folgen unter dem Gesichtspunkte der Ärmsten der Armen und vom Standpunkt der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung wären, brauche ich kaum hinzuzufügen. […] Im besonderen Auftrag des Herrn Reichskanzlers, der, wie gesagt, mit Ihrem Herrn Minister bereits mehrfach in positivem Sinne über die Angelegenheit gesprochen hatte, lege ich nunmehr diese Angelegenheit auch an Ihr einflußreiches Herz“ (Durchschlag in R 43 I/2321, Bl. 376–378, Zitat Bl. 377). Schäffer antwortete am 8. 10., daß die Kölner Elektrizitätswerke schon mehrfach ausgeboten worden sind, „ohne einen Liebhaber gefunden zu haben. Auch die [Reichs-]Elektrowerke besitzen zur Zeit kein Geld, um die flüssigen Schulden der Stadt Köln abzahlen zu können“ (R 43 I/2321, Bl. 379). Das Schreiben Adenauers wurde von ORegR Pukaß am 23.10.31 z. d. A. geschrieben.

Ich bin, verehrter Herr Reichskanzler, in besonderer Ergebenheit und Verehrung

Ihr

Adenauer

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