1.242 (bru2p): Nr. 494 Vermerk des Staatssekretärs Pünder über eine Besprechung wegen der Russengeschäfte vom 29. September 1931.

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Nr. 494
Vermerk des Staatssekretärs Pünder über eine Besprechung wegen der Russengeschäfte vom 29. September 19311.

1

Der Vermerk wurde am 10.10.31 angefertigt.

R 43 I/140, Bl. 154

Der Herr Reichskanzler empfing am 29. September 1931 4 Uhr nachmittags Herrn Reichsminister a. D. von Raumer im Beisein der Staatssekretäre Trendelenburg, von Bülow und Pünder. Es handelte sich um die weitere Entwicklung des Russengeschäftes.

Zahlenmäßig steht das Russengeschäft etwa folgendermaßen:

Im Jahre 1930 balancierte es beiderseits mit rund 460 Millionen. Vom laufenden Jahr liegen die Abschlußzahlen zwar noch nicht vor, aber anscheinend wird sich die deutsche Einfuhr nach Rußland auf rund 1 Milliarde heben, während die russische Ausfuhr nach Deutschland kaum mehr als 280 Millionen ausmachen wird. Herr von Raumer besorgt aus dieser Lage eine völlige Stockung des ganzen Geschäftes, da Rußland natürlich auch nur mit seiner Ausfuhr bezahlen könne. Die Bedeutung des Russengeschäftes für die deutsche Wirtschaft sei außerordentlich groß, viel größer als man gemeinhin annehme. Man könne sagen, daß die ganze deutsche Industrie, soweit sie auf Technik beruhe, eigentlich allein noch vom Russengeschäft lebe. Gerade für solche Produkte sei Rußland eigentlich überhaupt noch unser einziges Absatzgebiet, auf das sich offensichtlich nun auch andere Länder stürzten.

Es liege daher im wohlverstandenen deutschen Intersse, wenn man nun daran gehe, auch die russische Einfuhr nach Deutschland zu heben. Da die geschätzte russische Einfuhrsumme für dieses Jahr, wie oben gesagt, sich auf rund 280 Millionen Mark belaufe, wäre eine Erhöhung dieser Einfuhr um rund 200 Millionen nötig, um auf die Zahl des vergangenen Jahres zu kommen.

In der obigen Besprechung herrschte über vorstehende Gesichtspunkte ziemliche Übereinstimmung, und es wurden Möglichkeiten einer zusätzlichen russischen Einfuhr erörtert. In Betracht kämen hierfür

zusätzliche Einfuhr von Weizen für etwa

160 Millionen,

von Rauchwaren etwa

50 Millionen,

und von Mineralölen etwa

40 Millionen,

was insgesamt sogar eine zusätzliche Einfuhr von 250 Millionen ausmachen würde.

Nachdem in diesen grundsätzlichen Fragen Übereinstimmung erzielt worden war, wurde auf Anregung von Herrn Reichskanzler beschlossen, daß die einzelnen Fragen einer solchen Einfuhrsteigerung aus Rußland nach Deutschland nunmehr von Herrn von Raumer mit den zuständigen einzelnen Ressorts vorerörtert werden sollen. In Betracht käme hierfür in erster Linie natürlich das Reichsernährungsministerium2. […]

2

Vgl. auch Dok. Nr. 682, P. 2 und Dok. Nr. 691, P. 4.

Pünder

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