1.174.6 (bru3p): 6. Reichskredit zur Erhaltung des deutschen wirtschaftlichen Einflusses in West- und Ostafrika.

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6. Reichskredit zur Erhaltung des deutschen wirtschaftlichen Einflusses in West- und Ostafrika.

Geheimrat Brückner legte kurz die deutschen Handelsinteressen in den früheren deutschen Kolonien, namentlich in Deutsch-Südost, Südwest und in Kamerun dar. Die deutschen Interessen dort seien bisher möglichst erhalten worden. Wichtigste Stützpunkte seien dabei die in diesen Gebieten ansässigen deutschen Betriebe. Wenn diese zum Erliegen kommen würden, bestehe eine Gefahr, daß Deutschland schwerlich einmal eigene Kolonialmandate erlangen würde. Wenn keine deutschen Interessen in diesen Gebieten geltend gemacht werden könnten, würde es nämlich schwer sein, den Anspruch auf deutsche Mandate zu stützen. Außerdem würde durch den Niedergang der deutschen Betriebe auch der deutsche Ausfuhrhandel geschädigt werden. Das Auswärtige Amt befürworte daher, trotz der öffentlichen Finanznot, eine Unterstützung dieser Betriebe durch Kredite. Dazu werde ein Höchstbetrag von 4,4 Millionen benötigt, der auf drei Jahre verteilt werden müßte24.

24

GehR Brückner hatte in einer Aufzeichnung vom 11.1.32 einen Kredit von 8 MioRM für notwendig gehalten (R 43 I/626 a, Bl. 6–9).

Auf die Frage des Reichsministers der Finanzen teilte er mit, daß in Kamerun 100–160 Deutsche ansässig seien, in Deutsch-Ostafrika 400.

Der Reichsminister der Finanzen meinte, die Notwendigkeit einer solchen Stützung sei schwer zu beurteilen. Für die 100–160 Deutschen in Kamerun trage er Bedenken, Millionenbeträge herzugeben. Für Deutsch-Ostafrika halte er im Hinblick auf die größere Zahl von Deutschen eine Hilfe für vielleicht gerechtfertigt.

Staatssekretär Dr. von Bülow teilte mit, daß Deutsch-Ostafrika mehr gefährdet sei als Kamerun. Kamerun würde Deutschland am ersten zurückbekommen. Eine Rückgabe werde aber nur in Frage kommen, wenn noch Deutsche dort ansässig wären.

[2339] Der Reichsminister der Finanzen stellte fest, daß jeder Deutsche in diesem Gebiete nach dem Plan des Auswärtigen Amtes 3500 RM im Jahr kosten würde.

Staatssekretär Dr. Trendelenburg schlug vor, einmal zusammenzustellen, was außerhalb Deutschlands an Hilfsmaßnahmen in Frage komme. Zu den in der Schwebe befindlichen Plänen gehöre auch die Stützung der Reedereien. Man müsse sich einmal darüber klar werden, welche von diesen Plänen bei den verfügbaren Mitteln ausgeführt werden könnten.

Der Reichsminister der Finanzen meinte, es seien jedenfalls auch noch Vorprüfungen notwendig über die Lage der zu stützenden Betriebe. Auch deswegen müßten die Verhandlungen später fortgesetzt werden.

Der Reichskanzler erklärte sich mit diesen Vorschlägen einverstanden und bat die beteiligten Ressorts, zunächst untereinander darüber zu verhandeln25.

25

Zur Fortsetzung der Beratung siehe Dok. Nr. 691, P. 1.

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