1.194 (mu22p): Nr. 450 Der Reichspräsident an den Reichskanzler. 18. Februar 1930

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Nr. 450
Der Reichspräsident an den Reichskanzler. 18. Februar 1930

R 43 I/306, Bl. 350 f., hier: Bl. 350 f.

[Betrifft: Young-Plan.]

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

Bei meiner gestrigen Besprechung mit den Vertretern der Deutschnationalen Volkspartei, Geheimrat Hugenberg und Dr. Oberfohren, nahm die Frage der Revisionsmöglichkeit des Young-Plans einen großen Raum ein1. Die Herren der Deutschnationalen Volkspartei behaupteten, daß der Young-Plan eine spätere Revision nicht zulasse und uns für seine ganze Dauer zu den festgesetzten Zahlungen unabänderlich binde, während der Dawes-Plan diese Revisionsmöglichkeit in sich trüge in der Bestimmung, daß der Transfer-Agent die Transferierung einstellen müsse, wenn die deutsche Währung durch weiteren Transfer gefährdet würde; dann hätten wir die Zahlungen in deutscher Währung zu leisten, und dies auch nur so lange, bis in der Reparationskasse der Betrag von 5 Milliarden Mark erreicht sei; sobald dieser Betrag erreicht ist, hörten die Zahlungen ganz auf. Hierin liege – so führten die Herren aus – ganz automatisch die Revision des Dawes-Plan im Falle der Unmöglichkeit der Erfüllung. Der Young-Plan sehe eine solche Verminderung oder ein solches Aufhören der deutschen Zahlungen nicht vor und habe keinerlei anderweitige Bestimmungen über eine Revision im Falle des Eintretens der Unmöglichkeit der Erfüllung oder einer Gefährdung der Währung; er gäbe nur die Möglichkeit eines Moratoriums, d. h. eines Zahlungsaufschubs für 2 Jahre.

1

Siehe dazu Dok. Nr. 445, a.

Ich halte es zur Aufklärung der deutschen Öffentlichkeit für notwendig, daß die Reichsregierung sich mit der hier vertretenen Auffassung beschäftigt und bei der zweiten Lesung der Young-Gesetze im Reichstag klar gegenüberstellt, welche tatsächlichen Möglichkeiten der Anpassung der Zahlungen an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Dawes-Plan und welche der Neue Plan[1472] hat. Ich glaube, daß durch eine klare und allgemein-verständliche Erläuterung dieses wichtigen Punktes manche Zweifel beseitigt werden können2.

2

Siehe hierzu die Stellungnahmen durch Vertreter der RReg. in der 2. Lesung der Young-Gesetze: RAM Curtius am 6., 8. und 10. 3.; RFM Moldenhauer am 7. 3.; StS Zweigert am 10. 3. (RT-Bd. 427 ).

Zwei Durchschläge dieses Schreibens für den Herrn Reichsminister des Auswärtigen und den Herrn Reichsminister der Finanzen füge ich bei.

Mit freundlichen Grüßen bin ich

Ihr sehr ergebener

von Hindenburg

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