2.38.2 (vpa1p): 2. Bericht über die Verhandlungen in Lausanne.

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Das Kabinett von Papen Band 1Das Kabinett von Papen Bild 183-R1230-505Wahllokal in Berlin Bild 102-03497AGöring, Esser und Rauch B 145 Bild-P046294Ausnahmezustand in Berlin während des „Preußenschlages“.Bild 102-13679

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[128]2. Bericht über die Verhandlungen in Lausanne.

Ministerialdirektor Köpke gab den Inhalt des Schreibens wieder, das der Reichskanzler an den englischen Ministerpräsidenten gerichtet hat9 und machte weitere Ausführungen über die Lage, insbesondere auch über den Hoover-Vorschlag für die Abrüstungen10.

9

Schreiben an MacDonald vom 21. 6. (abgedr. ADAP, Serie B, Bd. XX, Dok. Nr. 153), in dem Papen 1) die dt. Einwände gegen eine Belastung der Reichsbahn mit Restzahlungen an die Reparationsgläubiger dargelegt, 2) finanzielle und wirtschaftliche Maßnahmen für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft vorgeschlagen, 3) die dt. Bereitschaft zur Teilnahme an einer fünfjährigen Abrüstungskonvention sowie an einem Konsultativpakt mit Frankreich, Großbritannien und Italien erklärt hatte.

10

Erklärung Hoovers, die am 22. 6. in einer Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz durch den amerik. Delegationsleiter Gibson verlesen worden war. Sie enthielt u. a. folgende Vorschläge: 1) Abschaffung aller Bombenflugzeuge, Tanks, chemischen Kampfmittel und beweglichen schweren Artillerie; 2) Reduzierung der bestehenden Landarmeen, die über den Bedarf an „Polizeistreitkräften“ hinausgehen, um ein Drittel; 3) Kürzung der Gesamttonnage der Panzerschiffe und U-Boote um je ein Viertel. Zum amerik. Text der Erklärung s. R 43 I/482, Bl. 49–53; dt. Text: Schultheß 1932, S. 469 f.

Die Haltung, die Nadolny dazu eingenommen habe, sei in Übereinstimmung mit der ganzen Delegation in Genf festgelegt worden. Es wäre aber wohl besser gewesen, wenn jede Kritik an den Vorschlägen unterblieben wäre11.

11

Nach WTB hatte Nadolny in der Sitzung des Hauptausschusses am 22. 6. die Vorschläge Hoovers zunächst nachdrücklich begrüßt, da sie in einem Augenblick gemacht worden seien, in dem „die Konferenz Gefahr laufe, sich zu sehr in Einzeldiskussionen zu verlieren“. Dann aber hatte er kritisch angemerkt: „Andererseits habe Präsident Hoover im allgemeinen erklärt, daß die Beschränkungen der Rüstungen das Verhältnis nicht berühren dürfen, das gegenwärtig zwischen dem Zustand der Rüstungen der verschiedenen Länder besteht. Daraus folgt, daß dieses Prinzip nicht in schematischer Weise angewendet werden könne. Er wolle sich darauf beschränken, an die besondere Lage zu erinnern, in der sich diejenigen Länder befänden, die schon abgerüstet haben.“ Was die Hoover-Vorschläge selbst anbelange, so müsse man „hoffen, daß man im Laufe der Verhandlungen noch zu viel entscheidenderen Maßnahmen gelangen werde“ (WTB-Ausschnitt in R 43 I/520, Bl. 207).

Das Kabinett nahm Kenntnis.

Der Staatssekretär in der Reichskanzlei teilte mit, daß der Reichskanzler – einer soeben eingetroffenen Nachricht zufolge – Lausanne am Freitag, dem 24. Juni, nachmittags verlassen und am Sonnabend, dem 25. Juni, dem Reichskabinett und dem Herrn Reichspräsidenten einen Zwischenbericht über die Lage erstatten wolle. Unter diesen Umständen werde für Sonnabend, den 25. 6., nachmittags 5 Uhr eine Ministerbesprechung erforderlich sein12.

12

Dok. Nr. 40, P. 1.

Die anwesenden Mitglieder des Reichskabinetts nahmen hiervon Kenntnis.

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