2.104 (vpa1p): Nr. 103 Staatssekretär Planck an Adolf Hitler, z. Z. in Berchtesgaden. 14. August 1932

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Nr. 103
Staatssekretär Planck an Adolf Hitler, z. Z. in Berchtesgaden. 14. August 1932

R 43 I/1309, S. 231–235 Abschrift

[Stellungnahme zur nationalsozialistischen Darstellung der Besprechungen am 13. August und Verwahrung gegen den Vorwurf, Hitler in eine Falle gelockt zu haben]

Sehr geehrter Herr Hitler!

Auf Ihr Schreiben vom 13. August d. Js.1, für das ich ergebenst danke, darf ich im Auftrage des Herrn Reichskanzlers folgendes erwidern:

1

Dok. Nr. 102.

Auch nach Durchsicht der von Ihnen übersandten Aufzeichnung über die Besprechung beim Herrn Reichspräsidenten vom 13. August d. Js. sieht der Herr Reichskanzler keinen Anlaß, das amtliche Communiqué über diese Besprechung2 zurückzuziehen oder abzuändern. Der Herr Reichskanzler ist allerdings der Meinung, daß das von Ihnen übersandte Protokoll eine Anzahl wichtiger Punkte nicht enthält, wie zum Beispiel seine eigenen Ausführungen. Er würde aber gegen eine Veröffentlichung des Teiles, der das Gespräch mit dem Herrn Reichspräsidenten behandelt, keine Bedenken haben, müßte sich dann allerdings weitere Richtigstellung vorbehalten.

2

Anm. 5 zu Dok. Nr. 101.

Dagegen bittet der Herr Reichskanzler, doch von einer Veröffentlichung des zweiten Teiles dieses Protokolls, der sich mit der kurzen Aussprache im Flur der Reichskanzlei befaßt, absehen zu wollen. Eine Veröffentlichung derartiger mehr persönlicher Gespräche ist bisher nicht üblich gewesen und würde unter Umständen zu einer Verschärfung der Gegensätze führen, die dem Herrn Reichskanzler, ebenso wie Ihnen, durchaus unerwünscht wäre. Gerade in der Aufzeichnung über dieses letztere Gespräch sind nach der Erinnerung des Herrn Reichskanzlers ganz wesentliche Lücken, die dann durch Veröffentlichungen seinerseits wieder ergänzt werden müßten. Ebenso liegt es mit dem eingehenden in der Reichskanzlei geführten Gespräch, von dem der Herr Reichskanzler selbstverständlich von sich aus keinerlei Mitteilung an die Öffentlichkeit gehen lassen würde.

Darf ich, sehr geehrter Herr Hitler, eine persönliche Bemerkung anschließen. Ich entnehme Ihrem Protokoll, daß Sie an meiner, im Auftrage des Herrn[397] Reichskanzlers an Sie und Herrn Staatsminister Dr. Frick telephonisch gerichteten Bitte, doch noch beim Herrn Reichspräsidenten zu erscheinen, Anstoß genommen haben3. Es liegt mir daran, die Zweifel darüber zu entfernen, ob etwa der Herr Reichskanzler oder ich Sie mit dieser Bitte unaufrichtig behandelt hätten. Der Herr Reichskanzler hatte bei der ungeheuren Tragweite der bevorstehenden Entscheidung den dringenden Wunsch, diese dem allein verantwortlichen Herrn Reichspräsidenten zu überlassen und noch einmal alle Möglichkeiten seiner Willensbildung vorzubehalten4. Auch für mich persönlich möchte ich bemerken, daß ich bis zum letzten Augenblick die heiße Hoffnung nicht aufgegeben hatte, daß in einer Rücksprache zwischen dem Herrn Reichspräsidenten und Ihnen doch noch die Möglichkeit einer Zusammenarbeit sich ergeben könnte, die ich mit aufrichtigem Bemühen herbeizuführen bestrebt war, seit ich mein jetziges Amt inne habe5.

3

Vgl. Dok. Nr. 102, dort bes. Anm. 6.

4

Hierzu vgl. die Ausführungen des RK in der Ministerbesprechung am 15. 8. (Dok. Nr. 104, P. 1).

5

Der Vorwurf, durch die Rkei in eine Falle gelockt worden zu sein, wurde von Hitler auch nach diesem Schreiben Plancks unvermindert aufrechterhalten. So erklärte er in einem der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung“ am 16. 8. gewährten Interview u. a.: „Daß ich dann noch beim Reichspräsidenten war, war nur der dem Minister Frick seitens des Staatssekretärs der Reichskanzlei neuerdings übermittelten telephonischen Erklärung zuzuschreiben, daß ein solcher Beschluß des Reichspräsidenten noch nicht gefaßt sei. In Wahrheit bestätigte bereits eine Viertelstunde vorher die Kanzlei der Presse die Tatsächlichkeit des bereits gefaßten Beschlusses des Reichspräsidenten mit der Bemerkung, meinem Besuche komme nur mehr formelle Bedeutung bei und könne am Ergebnis nichts mehr ändern. Der Reichspräsident selbst erklärte dann ebenfalls, daß sein Entschluß bereits feststehe.“ (Abdruck im „Angriff“ vom 16. 8.; nachgedr. vom „VB“ am 17.8.32). – Als Antwort der RReg. auf dieses Interview übersandte Reichspressechef Marcks dem „Angriff“ das amtl. Kommuniqué über die Besprechung des RPräs. mit Hitler vom 13. 8. als „Auflagenachricht“ mit dem Zusatz: „Diese amtliche Darstellung wird auch gegenüber den Behauptungen des ‚Angriff‘ vollinhaltlich aufrechterhalten.“ Das Kommuniqué wurde vom „Angriff“ am 19. 8. unter der Überschrift „Die angekündigte Zwangsnachricht“ veröffentlicht (R 43 I/1309, S. 287).

Abschrift meines Briefes habe ich Herrn Staatsminister Dr. Frick und Herrn Stabschef Röhm übersandt6.

6

Lt. Verteiler gingen weitere Abschriften an den RWeM und StS Meissner (R 43 I/1309, S. 235).

Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung bin ich, sehr geehrter Herr Hitler,

Ihr

sehr ergebener

gez. Planck

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