2.3 (vpa1p): Nr. 3 Erklärung der Reichskanzlei. [2. Juni 1932]

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Nr. 3
Erklärung der Reichskanzlei. [2. Juni 1932]1

1

Die hier abgedr. Erklärung ist nicht datiert und weist keinen Verfasser auf. Sie wurde, wie aus dem ersten Satz (vgl. auch Anm. 2) zu entnehmen ist, offenbar am 2. 6. konzipiert. Ihre Veröffentlichung erfolgte durch WTB am 4.6.32 (WTB-Ausschnitt in R 43 I/1309, S. 163).

R 43 I/1309, S. 159–161 Durchschrift

[Das Zentrum und die Berufung v. Papens zum Reichskanzler]

Zu den Ausführungen, die Herr Prälat Dr. Kaas in seinem heutigen an den Herrn Reichskanzler gerichteten Schreiben über den „Sinn und Wert seiner Erklärungen“ gemacht hat2, gibt die Reichskanzlei folgende Darstellung:

2

Hierbei handelt es sich um ein der Presse zugänglich gemachtes Schreiben des Zentrumsvorsitzenden Kaas an Papen vom 2. 6., in dem Kaas – auf ein Schreiben Papens vom gleichen Tage (Text: Ursachen und Folgen, Bd. VIII, Dok. Nr. 1852 b; Schultheß 1932, S. 95 f.) antwortend – u. a. erklärt hatte: „Wenn Worte einen Sinn und Erklärungen einen Wert haben sollen, mußte ich aufgrund unserer Aussprache am Dienstagnachmittag [31. 5.] mit Sicherheit annehmen, daß Sie das Amt des Reichskanzlers aus zwingenden Gründen nicht übernehmen würden.“ Kaas wies sodann die von Papen in dem Schreiben vom 2. 6. angeführte Begründung, er sei „nicht als Parteimann, sondern als Deutscher“ dem Rufe Hindenburgs gefolgt, entschieden zurück, warf Papen vor, bei der Regierungsbildung das „Moment einer wirklichen [nationalen] Konzentration hintangesetzt“ zu haben und damit „von dem auf Volksgemeinschaft eingestellten Grundgedanken der Zentrumspartei abgewichen“ zu sein, und betonte abschließend: „Viele von denjenigen, die heute in der Distanzierung von der bisherigen Arbeit und ihren Trägern eine Verbesserung der deutschen Erfolgsaussichten sehen, werden nach meiner Überzeugung in kurzer Zeit erkennen, daß der von Ihnen beschrittene Weg ein Irrweg ist.“ (Text in: Schreiber, Brüning-Hitler-Schleicher, S. 18 ff.; auszugsweise in: Schultheß 1932, S. 96).

Herr von Papen hatte, bevor er sich zu dem Herrn Reichspräsidenten begab, eine Aussprache mit Herrn Prälaten Kaas über die Stellung der Zentrumspartei zu einer gegebenenfalls an ihn zu richtenden Berufung durch den Herrn Reichspräsidenten. Hierbei erklärte Herr Dr. Kaas, es sei für die deutsche Zentrumspartei ausgeschlossen, daß eines ihrer Mitglieder die Führung der neu zu bildenden Regierung oder einen Sitz in ihr übernähme. Ein solcher Schritt würde die Trennung von der Partei bedeuten. Herr von Papen erwiderte, daß damit die Voraussetzung fortfalle, unter der ihn der Herr Reichspräsident wahrscheinlich[7] berufen habe: eine Synthese zwischen den in der Zentrumspartei organisierten Kräften und der politischen Rechten herzustellen. Er werde daher einen in diesem Sinn an ihn gerichteten Antrag ablehnen3.

3

Zum Verlauf dieser Aussprache vgl. auch Papen, Der Wahrheit eine Gasse, S. 188 f.

Herr von Papen hat sodann in der darauf stattfindenden Besprechung dem Herrn Reichspräsidenten von dem Inhalt dieser Unterredung Kenntnis gegeben und den Herrn Reichspräsidenten gebeten, von seiner Berufung Abstand zu nehmen.

Erst nachdem der Herr Reichspräsident Herrn von Papen erklärte, daß er ihn nicht in seiner Eigenschaft als Parteimann, sondern als Deutscher gerufen habe, und daß er an sein vaterländisches Gewissen appelliere, sich in dieser schweren Stunde ihm nicht zu versagen, hat Herr von Papen die Berufung angenommen4. Von dieser Entschließung hat der Herr Reichskanzler Herrn Prälaten Kaas unmittelbar nachher Kenntnis gegeben.

4

In einem von Meissner am 31. 5. gefertigten Vermerk über diese Besprechung heißt es lediglich: Der RPräs. „empfing am 31. Mai abends 6. 15 Uhr Herrn von Papen, gab ihm kurz von seinen Besprechungen mit den Parteiführern Kenntnis und erteilte ihm den Auftrag, auf überparteilicher Grundlage eine neue Reichsregierung zu bilden. Herr von Papen nahm diesen Auftrag an und bat, in der Pressenotiz die neue Regierung als eine Reichsregierung der nationalen Konzentration zu benennen.“ (Hubatsch, Hindenburg und der Staat, Dok. Nr. 84).

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