2.173.1 (bru1p): 1. Polnische Ausschreitungen gegen die deutschen Minderheiten in Oberschlesien.

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[642] 1. Polnische Ausschreitungen gegen die deutschen Minderheiten in Oberschlesien1.

1

Im Zusammenhang mit den Wahlen zum schlesischen Sejm am 23.11.30 kam es zwischen der poln. und der dt. Bevölkerung zu blutigen Zusammenstößen, die drei Tote und mehrere Schwerverletzte kostete (Schultheß 1930, S. 372). Telegramme des dt. Generalkonsulats Kattowitz vom 22.–24. 11. über die Unruhen und Wahlbehinderungen der dt. Minderheit in R 43 I/125, Bl. 49–53.

Der Reichsminister des Auswärtigen teilte mit, daß Generalkonsul von Grünau nach Kattowitz entsandt sei und Mittwoch zur Berichterstattung wieder in Berlin sein werde. Vor weiteren Schritten werde jedenfalls sein Bericht abzuwarten sein, da noch kein authentisches Material vorliege. Falls der Aufruhrzustand in Polnisch-Oberschlesien andauere, werde ein Antrag auf sofortige Zusammenberufung des Völkerbundrats zu erwägen sein2. Sollte die äußere Ruhe jetzt wieder hergestellt werden, so werde Beschwerde über die Ereignisse beim Völkerbund in Genf zu führen sein, worüber dann eine Beratung im Januar zu erwarten sei. Von einem Protest in Warschau versprach sich der Reichsminister des Auswärtigen keine Wirkung.

2

Nach Art. 72 Abs. 2 der dt.-poln. Konvention über Oberschlesien vom 15.5.22 (RGBl. II, S. 238 ) konnte bei jeder Verletzung oder bei jeder Gefahr einer Verletzung des Abkommens der Völkerbundsrat angerufen werden.

Der Reichsminister des Innern erklärte nach Mitteilungen, die er von dem Reichstagsabgeordneten Ulitzka3 erhalten habe, müsse man schwere Befürchtungen hegen. Auch in Deutsch-Oberschlesien herrsche eine Aufregung wie im Jahre 1920.

3

Prälat Carl Ulitzka, MdR (Z) für den Wahlkreis 9 (Oppeln).

Der Reichskanzler stellte zur Erwägung, ob nicht doch auch eine Demarche in Warschau vorgenommen werden solle.

Der Reichsminister des Auswärtigen erklärte sich bereit, den Abgeordneten Ulitzka im Laufe des Tages zu empfangen und mit größter Beschleunigung alle erfolgversprechenden Schritte in dieser Angelegenheit zu tun. Von einem diplomatischen Schritt in Warschau könne man sich erfahrungsgemäß leider nur wenig Wirkung versprechen4.

4

Die Kabinettsberatung über die dt. Reaktion auf die oberschlesischen Vorfälle wurde am 26. 11. fortgesetzt (Dok. Nr. 180).

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