1.114 (mu22p): Nr. 370 Vermerk Staatssekretär Pünders über ein Gespräch mit dem Reichsbankpräsidenten betr. das Memorandum zum Young-Plan. 6. Dezember 1929

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 4). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Kabinett Müller II. Band 2 Hermann Müller Bild 102-11412„Blutmai“ 1929 Bild 102-07709Montage  von Gegnern des Young-Planes Bild 102-07184Zweite Reparationskonferenz in Den Haag Bild 102-08968

Extras:

 

Text

RTF

[1230] Nr. 370
Vermerk Staatssekretär Pünders über ein Gespräch mit dem Reichsbankpräsidenten betr. das Memorandum zum Young-Plan. 6. Dezember 1929

R 43 I/299, Bl. 34 f., hier: Bl. 34 f. Durchschrift1

1

Eine Abschrift erhielt der RK.

Gelegentlich der gestrigen Abendeinladung des Herrn von Papen im Kaiserhof hatte ich Gelegenheit, mit dem gleichfalls anwesenden Herrn Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht die durch sein Manifest2 geschaffene politische Lage kurz zu besprechen. Herr Schacht redete mich von sich aus auf die Angelegenheit an, worauf ich mich natürlich recht erstaunt zeigte und hinzufügte, daß nach den vorangegangenen Besprechungen mit dem Herrn Präsidenten und den auf Grund dieser Besprechungen vorgesehenen weiteren Maßnahmen der Reichsregierung ich persönlich jedenfalls ein solches Memorandum nicht erwartet hätte. Nach meiner Meinung sei eine solche vorzeitige Willenskundgebung, ehe das Ergebnis der Besprechung der Reichsregierung im Kabinett mit den Parteiführern feststünde, nur geeignet, die Stellung der Regierung zu schwächen. Herr Präsident Schacht erwiderte mir in freundschaftlichster Form, daß dies absolut nicht seine Tendenz sei, im Gegenteil hoffe er, daß seine Willenskundgebung die Stellung der Reichsregierung stärken werde. Er persönlich fühle sich vor dem In- und Ausland als einer der maßgeblichen Mitschöpfer des Young-Planes jetzt für verpflichtet, seine Meinung klar zum Ausdruck zu bringen. Diese Äußerung solle aber absolut keine Kampfansage gegenüber der Reichsregierung und namentlich gegenüber dem Reichsfinanzminister sein. Er stehe selbstverständlich zu allen weiteren gemeinsamen Beratungen zur Verfügung, und wir verabschiedeten uns mit seiner Bemerkung, daß wir schon gemeinsam über die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinwegkämen3.

2

Siehe Dok. Nr. 369.

3

Siehe hierzu Pünders Tagebucheintragung vom 6.12.29, Politik in der Rkei, S. 27 ff.; besonders S. 29 mit Anm. 78.

Herr Präsident Schacht erwähnte dann übrigens noch, daß er selbstverständlich auch zu der heutigen Kabinettssitzung4 kommen werde. Tatsächlich ist Herr Präsident Schacht ja aber gar nicht eingeladen. Ich vertiefte diesen Punkt gestern abend aber nicht, sondern habe der Reichsbank heute früh im Bürowege mitteilen lassen, daß eine Ministerbesprechung beim Herrn Reichskanzler mit dem Herrn Reichspräsidenten am heutigen Tage nicht stattfinde.

4

Siehe Dok. Nr. 371.

Pünder

Extras (Fußzeile):