1.220 (bru3p): Nr. 734 Der Reichsverkehrsminister an den Reichskanzler. 3. Mai 1932

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Nr. 734
Der Reichsverkehrsminister an den Reichskanzler. 3. Mai 1932

R 43 I/2045, Bl. 111–112

Betrifft: Luftrüstung im Arbeitsbeschaffungsprogramm

Geheim!

Sehr verehrter Herr Reichskanzler!

Der Herr Reichswehrminister hat mir Abschrift seiner Stellungnahme zum Arbeitsbeschaffungsprogramm vom 13. April 19321 zugestellt. Aus dieser Stellungnahme habe ich entnommen, daß die Vorschläge des Herrn Reichswehrministers sich insbesondere auch auf das Gebiet der Luftrüstungen erstrecken. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, habe ich mit den mir für die Förderung der Luftfahrt zur Verfügung stehenden Mitteln, die allerdringendsten auf Vorbereitung der Luftrüstung abzielenden Wünsche des Herrn Reichswehrministers erfüllt. In den letzten Jahren ist jedoch die industrielle Basis, auf der sich diese Vorbereitung vollzog, sehr verkleinert worden, ja sie hat zur Zeit die härtesten Belastungsproben zu ertragen2. Dies hängt vornehmlich zusammen mit der starken Schrumpfung des Exportes dieser Industrie. Diese Zusammenhänge, die ich dem Herrn Reichsfinanzminister geschildert habe, führten trotz der Finanzlage des Reichs zu einer Erhöhung des zur Förderung dieser Industrie bisher angesetzten Haushaltsbetrages3. Aber auch diese Mittel reichen nicht aus, um die Leistungsfähigkeit der Luftfahrtindustrie zu erhalten. Deshalb begrüße ich den Vorschlag des Herrn Reichswehrministers, das Arbeitsbeschaffungsprogramm im Interesse der Verstärkung der Luftrüstung auch auf die Luftfahrtindustrie auszudehnen, aufs lebhafteste. Nur unter dieser Voraussetzung wird es möglich sein, den erforderlichen Stand von Facharbeitern zu erhalten und die Leistungsfähigkeit der Luftfahrtindustrie zu schützen.

Ich darf in diesem Zusammenhange darauf hinweisen, daß gerade die Erzeugnisse der Luftfahrtindustrie geeignet sind, im weitgehenden Maße Arbeitsmöglichkeiten[2488] zu schaffen. Mit verhältnismäßig geringem Aufwand für Material, das noch dazu vornehmlich aus dem Inlande stammt, wird durch eine weitgehende Veredlung ein großer Teil der Kosten für Arbeiter und niedrig bezahlte Angestellte verwendet. Da nach dem Vorschlage des Herrn Reichswehrministers ein Teil der Mittel für die Luftrüstung, das heißt für Aufgaben angewendet werden soll, die über lang oder kurz ohnehin durch die öffentliche Hand gelöst werden müssen, handelt es sich zudem um eine Entlastung des Reichshaushalts künftiger Jahre.

Ich glaube, mich vor der Hand auf diese Ausführungen beschränken zu können, bin aber jederzeit bereit, die vorstehend mitgeteilten Gründe durch Einzeldarstellungen zu erhärten. Ich unterstütze demnach die Ausführungen des Herrn Reichswehrministers zum Arbeitsbeschaffungsprogramm, insbesondere seine Vorschläge hinsichtlich der Ausgestaltung der Luftrüstung aufs nachdrücklichste.

In größter Hochachtung bin ich

Ihr sehr ergebener

Treviranus

Fußnoten

1

Das Schreiben des RWeM konnte in den Akten der Rkei nicht ermittelt werden.

2

Vgl. Dok. Nr. 360, P. II.

3

In den Akten der Rkei nicht ermittelt.

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