2.209 (bru1p): Nr. 209 Vermerk des Oberregierungsrats Planck über eine Besprechung des Reichskanzlers mit deutschen Vertretern aus Pommerellen am 20. Dezember 1930, 11 Uhr. 6. Januar 1931

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[761] Nr. 209
Vermerk des Oberregierungsrats Planck über eine Besprechung des Reichskanzlers mit deutschen Vertretern aus Pommerellen am 20. Dezember 1930, 11 Uhr. 6. Januar 1931

R 43 I/550, Bl. 187

Der Herr Reichskanzler hat am 20. Dezember, 11 Uhr vormittags die Herren Graebe, von Körber, Hasbach und Wängler aus Pommerellen empfangen, um deren Klagen und Wünsche entgegenzunehmen. Die Herren führten aus, daß speziell gegen das Korridor-Deutschtum ein scharfer polnischer Angriff angesetzt wäre, was einerseits aus den allgemeinpolitischen polnischen Interessen erklärlich sei, andererseits wohl daher rühre, daß die Korridor-Deutschen eine etwas aktivere Revisionspolitik betrieben, als die Posen-Deutschen. Die Herren überreichten als Anregung für die allgemeine Ostpolitik die anliegende Gedankenskizze1.

In wirtschaftlicher Hinsicht setzten sie sich insbesondere für Umschuldung, Kultur- und Schulhilfe und Ermöglichung der Einfuhr eines Getreidekontingentes nach Deutschland ein2. Sie äußerten sich sehr deprimiert darüber, daß die Verhandlungen über das Weizenkontingent durch den Widerspruch des Reichsfinanzministeriums soeben gescheitert wären.

Der Herr Reichskanzler erklärte den Herren, daß der Opfermut der Deutschen in Pommerellen, die in Vorpostenkämpfen um die Revisionspolitik ständen, im Reiche bewundert werde. Sie könnten versichert sein, daß diese Revisionspolitik von der Reichsregierung nicht aufgegeben würde. Er machte sodann einige Ausführungen über die allgemeinen Ziele der deutschen Außenpolitik und betonte hierbei, daß deutsche Konzessionen in der Ostfrage gänzlich ausgeschlossen seien. In wirtschaftlicher Hinsicht bat der Herr Reichskanzler die Herren zu bedenken, daß durch die Weltwirtschaftskrise und die spezielle deutsche Krise die Mittel des Reichs beschränkt seien.

Die Herren brachten daraufhin vor, daß nach ihrer Ansicht auch die Verwendung der bisher für Pommerellen angesetzten Mittel nicht immer zweckmäßig organisiert gewesen sei. Sie beschwerten sich insbesondere darüber, daß von Dr. Helferich in Danzig3 einzelne Güter, so z. B. das Gut des Herrn[762] von Parpart, als nicht mehr zu retten bezeichnet worden seien4, ohne daß vorher mit den Führern des Deutschtums in Pommerellen Fühlung genommen worden sei.

Der Herr Reichskanzler sagte eine Nachprüfung der Organisation für Pommerellen zu mit dem Ziele, insbesondere festzustellen, ob sich eine stärkere Konzentration der verschiedenen beteiligten Reichsstellen herbeiführen lasse5.

Fußnoten

1

Als Anlage zu diesem Dok. abgedruckt.

2

Diese Forderungen hatten die Vertreter des Deutschtums in Pommerellen bereits in einer Besprechung mit dem RFM, dem RAM und RM Treviranus erhoben. Vor allem hatten sie ein Kontingent für Weizenausfuhr nach Dtld über Danzig zu den Preisen des dt. Marktes verlangt (Aufzeichnung Plancks vom 28.11.30, R 43 I/550, Bl. 158–159).

3

Leiter der Überwachungsstelle für die Stützungsaktion des bedrohten dt. Grundbesitzes.

4

Am 20.12.30 schrieb v. Parpart einen Brief an den RK, in dem er sich über Helferich beschwerte und darauf hinwies, daß eine dt. Insel inmitten polnischer Umgebung im Falle des Verkaufs seiner Güter polonisiert werden würde. Nach Lage der Verhältnisse sei sein Betrieb in seinem wirtschaftlichen Bestande zwar gefährdet, er könnte aber durch Umschuldung erhalten werden (R 43 I/550, Bl. 190–192).

5

S. Dok. Nr. 223, P. 2.

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