2.100.8 (bau1p): 8. Rede des Wirkl. Legationsrats Ernst Schmitt im Reichsverband der deutschen Industrie.

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Das Kabinett BauerKabinett Bauer Bild 183-R00549Spiegelsaal Versailles B 145 Bild-F051656-1395Gustav Noske mit General von Lüttwitz Bild 183-1989-0718-501Hermann EhrhardtBild 146-1971-037-42

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[365]8. Rede des Wirkl. Legationsrats Ernst Schmitt im Reichsverband der deutschen Industrie.

Der Reichswirtschaftsminister macht auf die Rede des deutschen Bevollmächtigten in Versailles, Geheimrat Schmitt, im Reichsverband der deutschen Industrie aufmerksam. In dieser an die Mitglieder des Verbandes verbreiteten Rede hat Geheimrat Schmitt u. a. Loucheur einen skrupellosen Geschäftsmann genannt und in Zweifel gezogen, daß das Reichsfinanzministerium ernstlich an den Wiederaufbau denke15. Das Kabinett war übereinstimmend der Ansicht, daß Geheimrat Schmitt abberufen werden müsse, falls der vom Reichswirtschaftsminister mitgeteilte Wortlaut der Rede den Tatsachen entspreche16.

15

GehR Schmitt weilte in Dtld., um an der am 10. 11. in Essen stattfindenden Besprechung zwischen RM Geßler und dem Vorsitzenden der frz. Kohlenkommission, Major Aaron, über die ultimativen frz. Forderungen betr. die dt. Kohlelieferungen (vgl. Dok. Nr. 98) teilzunehmen. Nach den Angaben in der dienstlichen Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen bot sich Schmitt bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit zu einer streng vertraulichen Aussprache mit den Herren Sorge, von Siemens, Borsig, Simons, Riepert, Jordan, Schneider und RKom. Hilbenz über die Ausführung der Wirtschaftsbedingungen des VV. Derartige Gespräche hätten seit Juli d. Js. wiederholt stattgefunden, um die dt. Wirtschaftskreise über die Lage voll zu unterrichten und sie im weitesten Umfange zu den Friedensverhandlungen mit heranzuziehen. Die an die nicht anwesenden Mitglieder des Direktoriums des RdI verbreitete Aufzeichnung über die Aussprache sei von ihm nicht autorisiert gewesen und inzwischen zurückgezogen worden. Sachlich habe er festgestellt, daß seitens des RFMin. die Auffassung vertreten worden sei, daß Dtld. den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete mit amtlichen Mitteln nicht betreiben müsse, da mit der Entente die Wiedergutmachungsschulden finanziell abgerechnet würden. Bezüglich des frz. Ministers Loucheur halte er an seiner Auffassung fest, „daß es sich hier um eine zwar rücksichtslose Persönlichkeit, aber um einen Mann von den allergrößten Qualitäten handelt, der den aufrichtigen Willen hat, die deutsche und die französische Industrie zusammenbringen“ (vgl. dazu Schmitts ausführliche Stellungnahme vom 18.9.19 zu einer Rede Loucheurs vor der frz. Chambre des Députés am 11.9.19 über die dt. Reparationsleistungen; vom AA dem UStSRkei am 17.10.19 übersandt; R 43 I/12, Bl. 166–181). Weiterhin habe er ausdrücklich betont, daß bei Fragen der wirtschaftlichen Ausführung des VV innenpolitische Gegensätze „absolut ausscheiden“ müßten (Stellungnahme Schmitts vom 25.11.19; Durchschrift vom AA dem RK am 21.12.19 übersandt; R 43 I/13, Bl. 37–43).

16

Ein Exemplar der über Schmitts Ausführungen verbreiteten Aufzeichnung war seiner dienstlichen Stellungnahme als Anlage beigefügt. Eine Abschrift scheint trotz wiederholter Anforderungen beim AA nicht in die Rkei gelangt zu sein. UStS Albert vermerkte auf dem Anschreiben des AA vom 21. 12. u. a.: „An sich viel harmloser als es den Anschein hatte!“ (R 43 I/13, Bl. 37). – Mit der Errichtung einer dt. Kohlenkommission in Essen wird Schmitts Verhandlungsaufgabe in Versailles hinfällig. Er kehrt zur Bearbeitung wirtschaftlicher Fragen ins AA zurück und ist später als GenKonsul in Mailand tätig.

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