2.199.1 (bau1p): [Kapp-Lüttwitz-Putsch.]

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Das Kabinett BauerKabinett Bauer Bild 183-R00549Spiegelsaal Versailles B 145 Bild-F051656-1395Gustav Noske mit General von Lüttwitz Bild 183-1989-0718-501Hermann EhrhardtBild 146-1971-037-42

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Text

RTF

[Kapp-Lüttwitz-Putsch.]

Als Ebert beginnen will, verlangt Fehrenbach erst das Wort. [Er verliest Telegramme mit Befehlen Kapps sowie Huldigungstelegramme für die verfassungsmäßige Reichsregierung.]

Bericht Gilsa: Kapp verringert das Heer nicht, stellt sogar neue eiserne Divisionen1 auf. Gleichzeitig versichert er, daß er der Entente erklärt habe, er werde den Frieden halten. Kapp hat wenig Truppen, vielleicht 20 000 Mann, und kein Mann wird von den Eisenbahnern befördert. Gilsa will über die Rückkehr nach Berlin sprechen. Ebert unterbricht: „Darüber sprechen wir später.“2

1

Es handelt sich um die Neuaufstellung der nach ihrem Einsatz im Baltikum demobilisierten Eisernen Division unter Maj. Bischoff. Gen. Maercker will RWeM Noske unmittelbar nach seiner Ankunft in Stuttgart (vgl. Dok. Nr. 198, Anm. 2) von der damit verbundenen „erheblichen Stärkung der neuen Regierung“ unterrichtet haben (Zeugenaussage im Jagow-Prozeß; zit. nach Karl Brammer: Verfassungsgrundlagen und Hochverrat. S. 51).

2

Zum Fortgang s. Dok. Nr. 205.

Brecht: Einzelheiten. Interessant, daß beste Verbindung mit Berlin über Gesandtschaft [in] Paris.

[694] Löbe: Im Osten völlige Bewaffnung. Alles war vorbereitet. Die Generäle und Offiziere kamen mit Koffern. Im Osten gibt es noch Krieg. Die Leute wollen auch gegen Oberschlesien marschieren. Schiffer [?].

Noske: Löhnung muß erhöht werden, da Kapp erhöhte Löhnung auszahlt. Wird genehmigt.

Inzwischen zweimal Anruf von der Reichskanzlei. Bauer geht hin. Die Reichskanzlei erklärt [!], wen er sprechen wolle. Jedesmal antwortet er, er wolle nicht sprechen, sondern sei angerufen. Davon ist der Reichskanzlei nichts bekannt.

Anscheinend Fortsetzung des bisherigen Manövers, uns die Neigung zu Verhandlungen unterzuschieben3.

3

Oberst Bauer berichtet, er habe am 16. 3. mittags von der Berliner Rkei aus mit dem inzwischen bei der RReg. in Stuttgart eingetroffenen StKom. von Berger gesprochen und angefragt, ob in Stuttgart durch Verhandlungen etwas zu erreichen sei. Bei Ablehnung der von Gen. Maercker überbrachten Bedingungen (vgl. Dok. Nr. 198) müsse zu „energischen Maßnahmen“ gegriffen werden, da die Lage sich zuspitze. Falls es zu Blutvergießen komme, liege die Schuld bei der alten Reg., die alles ablehne und ihr Ziel, am Ruder zu bleiben, durch den Generalstreik durchzusetzen hoffe. Er bat, „wenn möglich, einen Weg für friedliche Auseinandersetzung zu finden“ (Max Bauer: Der 13. März 1920. S. 20 f.). – Bauer sprach nicht mit von Berger, sondern mit Maj. von Gilsa (vgl. Anklageschrift im Hochverratsverfahren gegen Jagow und Genossen; Nachl. Luetgebrume , Nr. 26, Bl. 240). Über die Zuspitzung der durch den Generalstreik und die Androhung Kapps, Streikführer und -posten erschießen zu lassen (Flugblatt; R 43 I/2719, Bl. 31), hervorgerufenen Lage, vermerkt RIM Koch im Anschluß an diese Sitzung in seinem Tagebuch u. a.: „Reichswehr wird mehrfach von Arbeitern überwältigt (Hagen, Gera, Altenburg, Dresden). Nun haben sie wieder Blut geleckt und sich an den Schießprügel gewöhnt. […] Nun können wir den Schweinestall wieder ausmisten“ (Nachl. Koch-Weser, Nr. 24, S. 55).

Fortsetzung der Sitzung. Als ich berichte, daß ich Aufklärung in Norddeutschland verbreite, erklärt Ebert, darin müsse aber mehr geschehen. Es müsse wiederholt aufgeklärt werden. Ich erkläre, daß ich das seit 3 Tagen tue. Wenn die Leute4 zur Besinnung kommen, fangen sie wieder an zu regieren. Dabei ist eigentlich der Reichskanzler und sein Heimatdienst zuständig.

4

In der mschr. Übertragung dieser Aufzeichnung merkt Koch an dieser Stelle hschr. an: „Ebert war 3 Tage apathisch.“ (Nachl. Koch-Weser , Nr. 25, S. 55).

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