2.190 (bau1p): Nr. 188 Bericht des Chefs der Heeresleitung über die Kabinettssitzung vom 13. März 1920 morgens

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Das Kabinett BauerKabinett Bauer Bild 183-R00549Spiegelsaal Versailles B 145 Bild-F051656-1395Gustav Noske mit General von Lüttwitz Bild 183-1989-0718-501Hermann EhrhardtBild 146-1971-037-42

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Nr. 188
Bericht des Chefs der Heeresleitung über die Kabinettssitzung vom 13. März 1920 morgens1

1

Über diese entscheidende Kabinettssitzung vor der Verlegung des überwiegenden Teils der RReg. nach Dresden liegt ein von Beamten der Rkei in der herkömmlichen Form gefertigten Protokoll nicht vor. Auf Bitten des Untersuchungsrichters des RG fertigten im Juni 1920 der spätere StSRkei Albert und GenMaj. Reinhardt „zur Vermeidung einer Zeugenvernehmung“ in dem inzwischen gegen Gen. von Lüttwitz und Adm. von Trotha angestrengten Hochverratsverfahren je einen Bericht über die Nachtsitzung des RKab. an. Der Bericht Alberts, der in Durchschrift zu den Akten der Rkei genommen wurde (R 43 I/2722, Bl. 140 bis 142), und eine unter dem Eindruck der überhasteten Flucht am 13. 3. gegen 9 Uhr verfaßte Schilderung der Vorgänge durch RIM Koch (Nachl. Koch-Weser , Nr. 25, S. 5–9) sind in wesentlichen Auszügen abgedruckt bei Johannes Erger: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch; Anhang, Dok. Nr. 25. Um die Handlungsweise der RReg. in einer ihren Bestand in gefährlicher Weise bedrohenden Situation umfassend zu dokumentieren, wird nachfolgend in Ergänzung der bereits veröffentlichten Materialien die Aufzeichnung Reinhardts wiedergegeben. Der Abdruck folgt dem von Reinhardt am 11.6.20 angefertigten hschr. Konzept eines Antwortschreibens an das RG, dessen Ausfertigung der Gen. am 19.6.20 absandte. Weitere Berichte über diese Kabinettssitzung, soweit sie von Teilnehmern stammen (vgl. dazu unten Anm. 3), sind entweder unvollständig (Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. S. 209) oder erscheinen in Einzelheiten weniger zuverlässig, wie z. B. die insgesamt materialreiche Schiffer-Niederschrift über den Kapp-Lüttwitz-Putsch (vgl. dazu Dok. Nr. 186, Anm. 8).

Nachlaß Reinhardt, Nr. 24 d eigenhändig

Dem Ersuchen des Herrn Untersuchungsrichters beim Reichsgericht um einen Bericht über den Verlauf der Kabinettssitzung am 13. März morgens komme ich durch die folgende Darstellung nach mit dem Vorbehalt, daß meine Schilderung ganz nach dem Gedächtnis gegeben wird, da ich keine Aufzeichnungen gemacht habe.

[673] Der Reichswehrminister Noske bat den Reichskanzler etwa um 2 [Uhr] morg[ens] telefonisch, die Kabinettsmitglieder zusammenzurufen, nachdem er durch Rücksprache mit einzelnen Generalen und Stabsoffizieren der Berliner militärischen Dienststellen sowie mit Offizieren der Admiralität den Eindruck gewonnen hatte, daß die Abwehr des in der Entwickelung gemeldeten Ehrhardt-Angriffes von Döberitz her auf das Regierungsviertel voraussichtlich mißlingen werde2 .

2

In der vom RWeM gegen 1 Uhr im RWeMin. abgehaltenen Besprechung hatten die Generäle von Oven und von Oldershausen das Ergebnis ihrer nächtlichen Inspektion des Lagers Döberitz vorgetragen und sich skeptisch über die Möglichkeiten einer gewaltsamen Abwehr der im Anmarsch auf Berlin befindlichen Marinebrigade Ehrhardt ausgesprochen. Während der RWeM, unterstützt lediglich von GenMaj. Reinhardt – vielleicht auch von Maj. von Gilsa –, sich unbedingt für bewaffneten Widerstand aussprach, warnten GenMaj. von Seeckt, Oberstlt. Wetzell und Maj. von Hammerstein vor einem solchen Kampf, da „eine Spaltung in der Reichswehr im Hinblick auf den dann zu erwartenden Aufstand aller linksradikalen Elemente unter allen Umständen vermieden werden müsse“ (nach dem von Reinhardt mit hschr. Korrekturen versehenen „Bericht über die Besprechungen und Verhandlungen in der Nacht vom 12. zum 13. März und am 13. März morgens“ vom 15.3.20; Nachl. Reinhardt , Nr. 24 d; Abdruck in: Fritz Ernst: Aus dem Nachlaß des Generals Walther Reinhardt. S. 100 bis 103). Über diese Nachtsitzung vgl. Johannes Erger: A.a.O., S. 141 ff. mit weiteren Hinweisen.

Die Kabinettsmitglieder kamen zwischen 3 u[nd] 4 Uhr morgens zusammen, hörten die Lage und Auffassung der Generale, Admirale und Stabsoffiziere, die den Reichswehrminister in die Reichskanzlei begleitet hatten, schon während ihrer Versammlung im Bibliothekssaal und zogen sich, nachdem die Mehrzahl der Minister und auch der Reichspräsident eingetroffen waren, in das Arbeitszimmer des Reichskanzlers zur eigentlichen Kabinettssitzung zurück3, während die Offiziere im Bibliothekssaal auf die Entscheidung warteten.

3

UStS Albert nennt in seiner Aufzeichnung als Teilnehmer: Ebert, Bauer, Schiffer, Noske, Koch, Giesberts, David sowie, später hinzukommend, Schlicke, Albert, Riezler und Rauscher. An der eigentlichen Kabinettssitzung nahmen von den Offizieren nur Gen. Reinhardt und Maj. von Gilsa teil. „Die anderen Offiziere und auch Admiral von Trotha wurden zur Kabinettssitzung nicht zugezogen, weil das Kabinett, wie dies in besonders wichtigen und vertraulichen Fragen öfters zu geschehen pflegt, ganz unter sich zu sein wünschte. Bei diesem Wunsche mag im vorliegenden Falle der hochpolitische Charakter der Sitzung, der eine Beschränkung der Teilnehmer auf die unbedingt im Vertrauen der Regierung stehenden Herren zur Pflicht machte, beigetragen haben. Daß dieser Grund besonders zum Ausdruck gebracht wäre, ist mir jedoch nicht erinnerlich“ (R 43 I/2722, Bl. 140).

Zur Kabinettssitzung gehörten ständig der Chef der Heeresleitung und der Chef der Admiralität. Ich war daher mit den Ministern in das Arbeitszimmer eingetreten. Nach einiger Zeit öffnete Admiral v[on] Trotha die Türe, um gleichfalls einzutreten. Ich hatte den Eindruck, daß er rein zufällig sich im[674] Bibliothekszimmer verspätet hatte; es ging entsprechend der Spannung der Lage nicht alles in büromäßiger Ordnung zu.

Dem eintretenden Admiral bedeuteten nun einige Minister, während weiter gesprochen wurde, durch Zeichen und Worte die Ablehnung seines Eintritts, worauf er wieder in den Bibliothekssaal zurücktrat und die Türe schloß4. Ich habe aus der entgegengesetzten Ecke des Arbeitszimmers den kurzen Vorgang beobachtet und glaubte, daß lediglich ein Mißverständnis in folgender Art vorlag: Die abwinkenden Minister schienen mir zu glauben, daß die im Bibliothekssaal wartenden Offiziere die Beratung für beendet hielten, das Ergebnis erfahren wollten und daher die Türe öffneten. Die Minister wollten aber noch weiter beraten und gaben daher ein Zeichen, die Türe zu schließen, ohne sich im Augenblick klar zu machen, daß ja nur Admiral v[on] Trotha eintreten wollte, der dazu unbedingt berechtigt war. Erst später, als ich die Verdächtigung des Admirals erfuhr, kam mir im Rückblick der Gedanke, daß seine Ausschließung von der Sitzung vielleicht nicht versehentlich, sondern bewußt geschah. Ich kann nicht entscheiden, welche Auffassung zutrifft, jedenfalls ergab sich der ganze Vorgang, ohne daß darüber beraten oder überhaupt gesprochen wurde5. Ich wäre sonst für Admiral v[on] Trotha eingetreten, gegen den ich kein Mißtrauen hatte.

4

Trotha behauptet später, er sei von RWeM Noske, der seine Ausführungen unterbrach, gebeten worden, draußen zu warten (Prot. der Vernehmung Trothas durch den Untersuchungsrichter des RG vom 29.5.20; RM 20/3, Bl. 199).

5

UStS Albert, der gleichfalls über die Ausschließung von Trothas berichtet, fügt seinen in Anm. 3 zit. Ausführungen hinzu: Ich selbst habe den ChdAdm., „als ich beim Durchschreiten des Bibliotheksraumes, in dem die Offiziere versammelt waren, von ihm über den Grund seiner Nichtzuziehung befragt wurde, erwidert, daß die Regierung in diesem Falle Wert darauf lege, die Sitzung auf die eigentlichen Kabinettsmitglieder und die hierzu gehörigen Beamten zu beschränken“ (R 43 I/2722, Bl. 141). In dem Entw. seiner Aufzeichnung hatte Albert noch ausgeführt: „Nachträglich habe ich jedoch keinen Zweifel, daß, wenn nicht der allgemeine Grund für die Beschränkung der Teilnehmer an der Kabinettssitzung vorhanden gewesen wäre, Admiral von Trotha keinesfalls zugezogen worden wäre, da das Vertrauen auf ihn, durch die früheren Vorgänge, insbesondere seine Verhandlungen mit der Marinebrigade, erschüttert war“ (ebd., Bl. 138). Dieser Satz ist nicht in die Ausfertigung übernommen worden.

Die Beratung lief erregt und ohne strenge Debatten-Ordnung im wesentlichen auf die Beantwortung folgender Fragen hinaus:

1.

Sollen die Ehrhardtschen Forderungen angenommen werden?6

2.

Soll überhaupt mit Ehrhardt verhandelt werden?

3.

Soll Ehrhardt mit der Waffe bekämpft werden?

4.

[675]Soll die Regierung, wenn nicht oder erfolglos in Berlin gegen Ehrhardt gekämpft würde, sich vergewaltigen lassen oder Berlin verlassen und sich an einen sicheren Ort verlegen?

5.

An welchen Ort?

6

Ehrhardt hatte eine Reihe ultimativer Forderungen den Generälen von Oven und von Oldershausen am Abend des 12. 3. bei deren Besuch in Döberitz mit dem Auftrag übergeben, sie an das RKab. weiterzuleiten. Gemäß dem Vortrag Oldershausens in der Nachtsitzung im RWeMin. lauteten sie: „1. An die Spitze der Armee tritt ein General. 2. Eine größere Anzahl von Ministerien ist durch Fachminister zu besetzen. 3. General der Infanterie von Lüttwitz ist wieder in der Armee zu verwenden. 4. Den Politikern, die an dem Unternehmen teilgenommen haben, wird Straffreiheit zugesichert (Kapp, Pabst, Bauer, Schnitzler u. a.). 5. Die Truppen, die an dem Unternehmen beteiligt sind, gehen straffrei aus.“ Eine Antwort erwartete Erhardt am 13. 3., morgens 7 Uhr, an der Siegessäule im Berliner Tiergarten (Nachl. Reinhardt , Nr. 24 d). Vgl. dazu die ausführliche Schilderung des Gesprächs der Generäle mit Ehrhardt in der Zeugenaussage Oldershausens vom 14.12.21 anläßlich des Hochverratsverfahrens gegen von Jagow und Genossen (Protokollauszug in: Nachl. Luetgebrune , Nr. 26, Bl. 319 f.).

Aus dem Hin und Her der Meinungen ergab sich7 zu 1 u[nd] 2 Ablehnung, zu 3 Ablehnung auf Grund der vom Reichswehrminister Noske dargelegten Auffassung der Generale v[on] Oven, v[on] Oldershausen und v[on] Seeckt, die von einem8 nach ihrer Ansicht gegen die Ehrhardtschen überlegenen Angreifer hoffnungslosen9 Verteidigungskampf abgeraten hätten. Ich hatte am vorhergehenden späten Abend einzelne Führer der Verteidigungstruppen10 an ihre ernsten Pflichten gemahnt und die Überzeugung, daß sie diese den Meuterern gegenüber erfüllen würden. Ich schätzte zwar die Erfolgsaussichten für das Festhalten der Wilhelmstraße gleichfalls nicht hoch ein, hielt aber einen örtlichen Mißerfolg für weniger schädlich und eher in Kauf zu nehmen als ein kampfloses Preisgeben der Regierung mit seinen schweren Rückwirkungen auf das ganze spätere Verhältnis zwischen Regierung, Reichswehr und Volk.

7

Im Manuskript hiernach gestrichen: „verhältnismäßig rasch“. – Nach der Schiffer-Niederschrift stellte Ebert „ohne Diskussion“ die Ablehnung des Ultimatums fest, „weniger des Inhalts der Forderungen wegen, als wegen der ultimativen und mit Gewalt drohenden Form, in der sie gestellt wurden“ (Nachl. Schiffer , Nr. 16, Bl. 16).

8

Im Manuskript hiernach gestrichen: „nächtlichen Kampf als“.

9

Im Manuskript hiernach gestrichen: „und daher nutzlosen Straßen[kampf]“.

10

Seit dem Spätnachmittag des 12. 3. waren das Reichswehrinfanterieregiment 6 und zwei Regimenter der Sipo gemeinsam unter dem Kommando von Oberst von Thaysen mit der Sicherung des Berliner Regierungsviertels beauftragt. Außerhalb Berlins waren keine Truppen zur Abwehr der anrückenden Marinebrigade bereitgestellt. – Zur Lage bei den von der RReg. eingesetzten Truppen vgl. Dok. Nr. 210.

Nach Ablehnung des Kampfes durch das Kabinett11 schlug ich vor, den Regierungs-Truppen den Befehl zum Einrücken in ihre Unterkunft sofort zu erteilen, da ihre Lage sonst beim Anrücken von Ehrhardt beschämend gewesen wäre. Dem wurde zugestimmt. Gleichzeitig bat ich den anwesenden Reichspräsidenten und Wehrminister, da meine Ansicht über den notwendigen Kampf nicht durchgedrungen und meine Stellung als Chef der Heeresleitung den Truppen gegenüber dadurch erschüttert war, mich von dieser zu entbinden. Eine Entscheidung hierauf erfolgte nicht, denn die Zeit war inzwischen so vorgerückt, daß zu Punkt 4 u[nd] 5 eine sofortige Beschlußfassung nötig war. Die Sitzung wurde stürmisch, auch eine Anzahl der preußischen Staatsminister war dazu getreten12. Schließlich gaben nach Schwankungen besonders die[676] Darlegungen der Minister Schiffer u[nd] Noske13, welcher den festen Willen14 bekundete, den Kampf15 von außen aufzunehmen, den Ausschlag für die Abreise16. Nach kurzem Beraten wurde zu 5 beschlossen, zunächst nach Dresden zu gehen, wozu auch ich, gestützt auf mein Vertrauen in den dort kommandierenden General Maercker, geraten hatte. Einige Minister wurden zum Zurückbleiben in Berlin bestimmt, an ihrer Spitze Minister Schiffer17. Ich verbeinbarte mit dem Reichswehrminister Noske, daß während er nach Dresden fuhr, ich nach Potsdam eilen wollte, um auf den dortigen Truppenführer im Sinne des Abrückens von den Meuterern einzuwirken und dann die Ämterchefs des Reichswehrministeriums in Berlin vor dem Abfall zu warnen18. Es war zu erwarten, daß ich hierbei den Meuterern in die Hände fiel, was ich in Kauf zu nehmen für richtig hielt. Gegen 6 Uhr morgens verließen die Minister die Reichskanzlei19. Ich erteilte an General v[on] Oven u[nd] Oldershausen den Befehl zum Einrücken der Truppen und führte die übernommenen besonderen Aufgaben in Potsdam und Berlin durch, wonach ich gegen Mittag von einem Marine-Offizier mit Begleitmannschaften im Auftrag von Ehrhardt-Lüttwitz in meiner Dienstwohnung im alten Kriegsministerium für verhaftet erklärt wurde, was meine weitere Tätigkeit unterbrach.

11

Obwohl auch RIM Koch „die größere Masse“ als ausschlaggebendes Argument für den Verzicht auf mil. Widerstand anführt, sei mit Nachdruck auf die Ausführungen UStS Alberts hingewiesen, der hier in Übereinstimmung mit RJM Schiffer die drohende Spaltung der Reichswehr als maßgebend für die Überlegungen des RKab. herausstellt (R 43 I/2722, Bl. 140 f.; Nachl. Schiffer , Nr. 16, Bl. 16 f.).

12

In den Aufzeichnungen Kochs und Alberts wird die Teilnahme von Mitgliedern des PrStMin. nicht erwähnt. Es kann als sicher angenommen werden, daß sich der PrMinPräs. Hirsch und die Minister Heine, Haenisch und Braun in den frühen Morgenstunden des 13. 3. zumindest in der Rkei aufgehalten haben (vgl. Johannes Erger: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch. S. 146).

13

Im Manuskript hiernach gestrichen: „sowie des Reichspräsidenten“.

14

Im Manuskript hiernach gestrichen: „Entschluß“.

15

Im Manuskript hiernach gestrichen: „hier nur abzubrechen und ihm“.

16

Einzelheiten zum Verlauf der Diskussion s. in der Koch-Aufzeichnung (Nachl. Koch-Weser , Nr. 24, S. 5). – RWeM Noske gibt an, den Vorschlag, „sich vorerst nach Dresden zu begeben“, damit begründet zu haben, „rasch auf die Truppe außerhalb Berlins Einfluß zu gewinnen“. Er sei sicher gewesen, „daß sie in ihrer großen Mehrheit treu bleiben würden“ (Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. S. 209).

17

Den Auswahlvorgang beschreibt RIM Koch: RJM Schiffer stellte eine Liste der mit ihm zurückbleibenden Minister zusammen. Er nannte David, Giesberts und Koch. Der RIM will mit dem Argument, daß es nicht angehe, daß „alle Bürgerlichen bleiben“, widersprochen haben. So wurde vorerst Minister Geßler anstelle von RIM Koch zum Bleiben bestimmt (Nachl. Koch-Weser , Nr. 25, S. 5).

18

Über Reinhardts fruchtlose Unterredung mit dem Kommandeur der Reichswehrbrigade 3 in Potsdam, GenMaj. von Hülsen, vgl. den in Anm. 2 zit. Bericht vom 15.3.20. Reinhardts Unterredung mit den Ämterchefs des RWeMin. scheint nicht überliefert zu sein. Der Chef des Ausrüstungsamtes, Oberst von Feldmann, zeigt sich, wahrscheinlich aufgrund der Mitteilungen Reinhardts, in einer Ansprache an seine Offiziere am 13. 3. um 13 Uhr über den Ablauf der Nachtsitzung im RWeMin. genau unterrichtet (Nachl. Mentzel , Bd. 9, Bl. 27–32). – Zur Haltung der maßgebenden Offiziere des RWeMin. im Kapp-Lüttwitz-Putsch vgl. Johannes Erger: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch. S. 182 ff.

19

VAdm. von Trotha stellt in seinem späteren Rechtfertigungsbericht den Schluß der Kabinettssitzung so dar, als sei er von den abreisenden Ministern ohne Unterrichtung über die politischen Entschlüsse im Stich gelassen worden. Er habe zunächst abgewartet und sei von seinem Posten nicht zurückgetreten, weil er „damit die Marine führerlos gemacht und in ihren einzelnen Gliedern sich selbst überlassen hätte“. Als ihm Gen. von Lüttwitz, der sich als stellvertretender RWeM ausgab, am 13. 3. mittags mitteilte, daß unter dem angeblich noch in Berlin weilenden RPräs. ein neues RKab. unter Führung des Generallandschaftsdirektors Kapp gebildet werde, sei ihm „das Kabinett Kapp nur als eine Kabinettsumbildung, wenn auch unter dem Zwange äußerer Gewalt, jedoch unter dem verfassungsmäßigen Reichspräsidenten“ erschienen (Denkschrift „Die Stellung des Chefs der Admiralität, Vizeadmirals von Trotha, zu den März-Ereignissen“ vom 27.3.20; RM 20/3, Bl. 118–121). Trotha stellt sich daraufhin noch am gleichen Tag „mit der Marine der neuen Regierung zur Verfügung“ (ebd., Bl. 105). – Zur Haltung der Marine im Kapp-Lüttwitz-Putsch vgl. Werner Rahn: Reichsmarine und Landesverteidigung 1919–1928. S. 51 ff.

R[einhar]dt

Gen[eral]major

Preuß. Staatsminister a. D.

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