2.111.5 (cun1p): 5) Grundsätzliche Frage betreffend Verhandlungen mit dem Stickstoffsyndikat (Ausfuhrgenehmigung? Ankauf eines Lagerbestandes?).

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Das Kabinett Cuno Wilhelm Cuno Bild 183-1982-0092-007Französischer Posten Bild 183-R43432Posten an der Grenze des besetzten Gebietes Bild 102-09903Käuferschlange vor Lebensmittelgeschäft Bild 146-1971-109-42

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5) Grundsätzliche Frage betreffend Verhandlungen mit dem Stickstoffsyndikat (Ausfuhrgenehmigung? Ankauf eines Lagerbestandes?).

Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft führte aus, daß die Stickstoffproduktion keinen Absatz mehr finde. Bisher sei der Stickstoff billiger als Roggen gewesen, jetzt sei das Verhältnis umgekehrt. Der Ankauf sei auch durch Kreditmangel der Landwirtschaft erschwert. Vor dem Kriege sei ein Bedarf von 180 000 t Stickstoff vorhanden gewesen, jetzt ein solcher von 340 000 t. Das Werk in Oppau liege still, so daß der vierte Teil der Produktion in Wegfall komme. Zur Zeit sei ein Überschuß von 30 000 t vorhanden, der einem Geldwert von etwa 230 Milliarden Papiermark, beziehungsweise 46[352] Millionen Goldmark entspreche7. Es entstehe nun die Frage, ob man die Ausfuhr von Stickstoff gestatten wolle oder nicht. Er müsse sich gegen eine Ausfuhr entscheiden.

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Über die Lage der Düngemittelindustrie gibt die 22seitige Niederschrift einer Besprechung im PrLandwMin. vom 16. 3. genauere Auskunft. Hier findet sich auch eine Tabelle mit Preisvergleichen zwischen Roggen und Kunstdünger (R 43 I/2537, Bl. 70-80). Lt. Vermerk Wevers vom 14. 4. beschwert sich der Deutsche Kalk-Bund darüber, daß die Landwirtschaft in einen Käuferstreik eingetreten sei und damit eine schwere Absatzkrise der Düngemittelindustrie verursacht habe. „Als Grund für dieses Verhalten der Landwirtschaft wird folgendes angeführt: 1. Die Landwirtschaft sei der falschen Auffassung, daß Phosphorsäure, Stickstoff und Kali ausreichende Düngemittel seien; 2. sabotiere die Landwirtschaft aus politischen Beweggründen das Ergebnis des kommenden Erntejahres. Es wird vermutet, daß die Landwirtschaft deswegen in den Käuferstreik eingetreten sei, um die Regierung zum Abbau der Zwangswirtschaft oder zu einer grundlegenden Änderung des Umlageverfahrens zu zwingen.“ (R 43 I/2537, Bl. 92 f.).

Der Reichsminister der Finanzen sprach sich für die Ausfuhr von Stickstoff aus.

Das Kabinett beschloß gegen die Stimme des Herrn Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft der Ausfuhr zuzustimmen unter der Bedingung der Preissenkung.

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