2.103 (cun1p): Nr. 103 Bericht des Staatssekretärs Hamm über den Besuch des Reichskanzlers in München und Stuttgart am 22. und 23. März 1923

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Das Kabinett Cuno Wilhelm Cuno Bild 183-1982-0092-007Französischer Posten Bild 183-R43432Posten an der Grenze des besetzten Gebietes Bild 102-09903Käuferschlange vor Lebensmittelgeschäft Bild 146-1971-109-42

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[322]Nr. 103
Bericht des Staatssekretärs Hamm über den Besuch des Reichskanzlers in München und Stuttgart am 22. und 23. März 19231

1

Der Bericht ist ohne Verfasserangabe und undatiert. Die Schrifttype und die zahlreichen handschriftlichen Verbesserungen weisen aber deutlich Hamm als Verfasser aus. Er hatte neben den Ministern Geßler und Stingl sowie LegSekr. Redlhammer, ORegR Saller und Attaché v. Bibra zu den persönlichen Begleitern des RK gehört, war also über den Verlauf der Reise bestens informiert. Da dieser Bericht offenbar in der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses vorgetragen werden sollte, dessen Zusammentritt zunächst für den 24. 3. vorgesehen war, ergibt sich hieraus auch eine gewisse Datierungsmöglichkeit für die Aufzeichnung. Ob der Bericht dann tatsächlich in der Ausschußsitzung am 27. 3. von Hamm vorgetragen wurde, muß nach den Pressemeldungen und dem Protokoll der Sitzung (Dok. Nr. 109) fraglich erscheinen. Eine Durchschrift dieses Berichts ist lt. Vermerk Cunos von diesem am 28. 3. an Hamm zurückgegeben worden.

R 43 I/1904, Bl. 1-12

Der Herr Reichskanzler hat seine schon für Anfang März geplante Reise nach München und Stuttgart ausgeführt, und zwar genau in dem Rahmen, in dem sie seinerzeit beabsichtigt war2 . Er hat den lebhaften Wunsch, die Eindrücke, die er dabei gewonnen hat, dem Ausschuß darzulegen, weil dabei zumeist die Führung der auswärtigen Politik des Reichs im Vordergrund stand und rückwirkend auch diese Eindrücke für Sie von einer gewissen Bedeutung sind. Das Erste und Wichtigste ist: auch diese Reichskanzlerreise hat auf das Klarste gezeigt, daß die erste Voraussetzung des Erfolgs unsres Abwehrkampfes, nämlich die Sicherheit, Einmütigkeit, Geschlossenheit der Nation im Willen zu diesem Kampf, seinem Ziel und seiner Methode durchaus gegeben ist. In München hat der Reichskanzler Gelegenheit genommen, mit der Staatsregierung und ihren einzelnen Mitgliedern mehrfach Rücksprache zu pflegen. Beim Empfang im Landtag trat ihm bei der Ansprache des Präsidenten die einmütige Geschlossenheit des Bayerischen Landtages in diesem Sinne entgegen. Mit starkem Nachdruck hob der Präsident hervor3:

2

Ursprünglich wollte der RK seine Reise am 5. 3. antreten, sah sich dann aber durch das frz. Vorrücken gegen Darmstadt, Mannheim und Karlsruhe am 3. 3. genötigt, in Berlin zu bleiben, um am 6. 3. eine Erklärung vor dem RT abzugeben. Die Veranstaltungsübersichten für den 5. 3. (in R 43 I/1905, Bl. 2) und für den 22. 3. (in R 43 I/1904, Bl. 23) stimmen weitgehend überein. In diesen beiden Aktenbänden sowie in R 43 I/1900 a findet sich im übrigen reiches Material zur Vorbereitung der Reise, u. a. Besprechungsgegenstände, Einladungslisten, Presseübersichten.

3

Das vorgesehene Zitat aus der Rede des LT-Präs. Königbauer ist nicht in den Text eingefügt worden. Die Rede Königbauers wird wörtlich wiedergegeben in den ‚MNN‘ vom 23. 3., die v. Haniel am selben Tag der Rkei zur Information zusendet (R 43 I/2232, S. 337 f.). Danach führte Königbauer u. a. aus: „Daß im Norden und Süden völlige Einigkeit in der Opferbereitschaft für unser großes deutsches Vaterland und in dem Glauben an die Befreiung und nationale Wiedergeburt unseres Volkes herrscht, dazu haben Sie, Herr RK, wesentlich beigetragen mit Ihrer Versicherung, die Rechte der Länder wahren und schützen zu wollen. Ich bitte Sie, Herr RK, für Ihre opferreiche Tätigkeit durch uns den Dank des bayerischen Volkes und die Versicherung unseres unbeschränkten Vertrauens entgegennehmen zu wollen.“

Nicht anders war es im Stadtrat, wo der Erste Bürgermeister Schmid in seiner sehr warmen Begrüßung ebenfalls sich mit stärksten Worten gegen den rechtsbrecherischen Einfall der Franzosen im Ruhrgebiet wandte und der einmütigen Auffassung der Münchener Bevölkerung Ausdruck verlieh, daß in der[323] bisherigen Weise der Einbruch weiter abgewehrt werden müsse4. Dann hatte der Herr Reichskanzler Besprechungen5 mit Parteivertretern und auch mit Vertretern vaterländischer Vereinigungen wie des Bürgerbundes. Wurde auch von Vertretern dieser letztgenannten Organisationen zum Teil eine differenzierte Auffassung vorgetragen6, so ergab sich doch auch dort nicht nur die volle Einmütigkeit, daß der gegenwärtige Widerstand mit allen Kräften fortgeführt werden müsse, sondern auch Verständnis und Einverständnis für die Art dieses Widerstands; der Herr Reichskanzler umschrieb hierbei mit besonderer Eindringlichkeit die Auffassung der Reichsregierung, wie sie aus seinen Reichstagsreden und anderen Reden bekannt ist7.

4

Die Ausführungen des Bgm. Schmid ebenfalls in den ‚MNN‘ vom 23. 3.

5

Folgt ursprünglich im Text: „mit den Spitzen der Kirchen“, was dann von Hamm gestrichen. Tatsächlich stattete der RK dem Nuntius Pacelli, dem Erzbischof Kardinal Faulhaber und dem Präs. der Ev. Landeskirche, D. Veit, Besuche ab.

6

Über den Empfang der vaterländischen Vereinigungen hatte Hamm eine gesonderte Aufzeichnung angefertigt, der die überreichten Erklärungen der „Vereinigten vaterländischen Verbände Bayerns“ und des „Bayerischen Ordnungsblocks“ beiliegen (R 43 I/1904, Bl. 28; 24-26; 27). Für die Gruppe der „national-aktiven Kreise“ legte Meier-Absberg in freier Ansprache die Auffassung seiner Verbände dar, die außerdem in schärferer Form als Thesen dem RK überreicht wurden; von der ‚Münchener Post‘ am 4. 4. veröffentlicht, als Zeitungsausschnitt in R 43 I/2232, S. 405.

7

Hamm vermerkt über die Erwiderung des RK gegenüber den vaterländischen Verbänden und national-aktiven Kreisen: „Der Herr RK antwortete beiden Abordnungen in freier Rede mit einer ruhigen Darlegung der Politik der Regierung. Er verwies auf die Notwendigkeit der Einheitsfront an der Ruhr, am Rhein und im ganzen Reich und legte dar, warum jetzt nicht die Zeit zu einer Zuspitzung der Gegensätze sei. Eine weitere Aussprache fand nicht statt.“ (R 43 I/1904, Bl. 28).

In allen diesen Besprechungen zeigte der Herr Reichskanzler ein Doppeltes auf: Einmal den Willen Deutschlands, auf dem Boden des Vertrages von Versailles im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit zu leisten, was immer ohne Verelendung der Nation möglich sei und hierüber eine loyale Verständigung unter Gleichberechtigten einzugehen, ebenso bestimmt aber alles abzulehnen, was über die Leistungsfähigkeit Deutschlands hinausgehe und über den Vertrag von Versailles hinaus in die Souveränität des Deutschen Reichs eingriffe. Diese Gedanken führte der Herr Reichskanzler insbesondere bei dem großen Empfang aus, den die Bayerische Staatsregierung ihm abends im Rathaussaal bereitete. Er führte, wie Sie aus der Presse ersehen haben8, die Bilanz des französischen Ruhreinfalls, was die Kohlenfrage anlangt, bis zur Zeit des Besuches weiter und erklärte, daß diese Bilanz um nichts besser geworden sei und auch nicht besser werden könne und warf die Frage auf, was Frankreich will. Er sagte in Anknüpfung an ein Wort des Herrn Abgeordneten Dr. David in der Reichstagssitzung vom 7. März9, daß wir uns mit einem Frankreich verständigen können, das Ruhe und Wiederaufbau, niemals aber mit einem Frankreich, das Ruhr und Rhein und die Zerstörung Deutschlands will. Er legte dar, daß wir uns nicht mehr auf Forderungen einlassen könnten, die über unsere Kraft gehen und mit deren Annahme wir uns selbst einen Strick um den Hals legen würden, mit dem der Gegner uns jederzeit abwürgen könne. Er betonte die durch unser Angebot eines Rheinlandpaktes bekundete Bereitschaft, Frankreich im[324] Rahmen der deutschen Souveränität Sicherung gegen die eingebildete Gefahr eines deutschen Angriffskrieges zu geben. Aber er stellte eben dieser Bereitschaft Deutschlands umso stärker die Betonung der Rechtswidrigkeit des französischen Einbruchs entgegen. Jede Diskussion über die Beendigung des gegenwärtigen Konflikts muß daher von der vorbehaltlosen Räumung des Einbruchsgebiets ausgehen. Solange das Regime der Gewalt und der Rechtlosigkeit nicht endgültig aufgegeben ist, ist ein Regime der vertragsmäßigen Erfüllung undenkbar. Der Reichskanzler sprach aus, daß an diesem unserem Standpunkt auch all das, was man von deutschen Verhandlungsbitten und Verhandlungsfühlern von Paris aus verbreite, nichts ändern könne10. Er erklärte, daß die Reichsregierung niemals um Vermittlung gebeten, dagegen aber manchen Fühler empfangen hat, nur leider, daß die Vermittler immer schlecht legitimiert oder ihre Vorschläge mit Vernunft und Ehre nicht zu vereinbaren waren. Eindringlich mahnte der Reichskanzler, dem französischen genie du Rhin einen wahren deutschen Geist vom Rhein entgegenzusetzen, den Geist der festesten innerlichen Geschlossenheit und diesem Geiste zuliebe innere Zwistigkeiten zurückzustellen und nichts zu tun, was die einträchtige Disziplin dieses Kampfes stören oder zerstören könnte. Er warnte davor, große Worte und auch die löbliche Entschlossenheit, das eigene Leben einzusetzen, als genügend zu erachten und mahnte, das Nationale als Gemeinsames zu verstehen. Die lebhafte Zustimmung, die der Reichskanzler bei allen markanten Stellen seiner Rede fand und der stürmische Beifall am Schluß der Rede können bei der Zusammensetzung dieser Versammlung aus Angehörigen aller Kreise, Parteien und Berufe als eine Volkskundgebung betrachtet werden. Die vielfachen kurzen Einzelrücksprachen des Tages ergaben dasselbe Bild und, soviel ich sehe, hat auch die Aufnahme der Rede des Herrn Reichskanzlers in der Münchener Presse aller großen Parteien diese Auffassung bestätigt11.

8

Die Rede des RK anläßlich des Empfangs durch die Bayer. StReg. wurde am 23. 3. über WTB verbreitet (R 43 I/1904, Bl. 29-31 und 2217, R 43 I/2217, Bl. 124 f.; mit vielen Kürzungen in Schultheß 1923, S. 60 f.). S. auch Anm. 5 und 6 zu Dok. Nr. 109.

9

RT-Bd. 358, S. 9961 .

10

Zu diesen umstrittenen Äußerungen des RK s. Anm. 5 und 6 zu Dok. Nr. 109.

11

Bayerische Pressestimmen übersendet v. Haniel am 23., 24. und 27. 3. (R 43 I/2232). Bezeichnend ist die Feststellung der ‚MNN‘ vom 23. 3., „daß nach Bismarck wohl kein Vertreter des Reiches so herzlich in München aufgenommen worden sei wie Dr. Cuno. Der Kanzler habe offenbar die besten Eindrücke von Bayern mitgenommen, aber auch die gleichen hinterlassen.“ Dem RAM berichtet v. Haniel am 24. 3.: „Der Besuch des Kanzlers ist durchaus zufriedenstellend verlaufen. Der Empfang war überall sehr herzlich, ja enthusiastisch, dabei durchaus spontan, durch keinerlei Aufmarsch von Vereinen, Verbänden o. dgl. beeinflußt. Wie mir von mehreren Seiten, u. a. von Knilling gesagt wurde, habe seit Bismarck kein Kanzler eine so sympathische Aufnahme gefunden.“ (AA Büro RM 1 b, Persönliche Angelegenheiten des Ministers Bd. 19). Ein ähnliches Bild vermittelt der Schriftwechsel zwischen Cuno und v. Knilling unmittelbar nach der Rückkehr des RK. Am 25. 3. bedankt sich Cuno bei v. Knilling: „Zu den schweren Geschäften des Reichs hierher zurückgekehrt, empfinde ich rückschauend nochmals die Bedeutung dieser Tage in hellem Licht. Von der Staatsregierung, der Volksvertretung wie aus den weitesten Kreisen der Bevölkerung und der öffentlichen Meinung trat mir so lebendig der Wille zu treuestem Zusammenstehen in der Not unseres Reiches wie das Vertrauen zu den Absichten der RReg. entgegen, daß ich mich im Innern erneut gestärkt fühle, den begonnenen schweren Weg weiter zu gehen. Von ganzem Herzen danke ich Euer Exzellenz persönlich, wie als dem obersten Vertreter Ihres Landes für diese Kundgebungen, die ich immer in dankbarem Andenken bewahren werde, und bitte Sie, diesen Dank den beteiligten Herren der Regierung, des Landtags, des Stadtrats wie unter anderm besonders auch der Presse freundlich zu übermitteln. Das gefestete Bewußtsein unserer inneren festen Zusammengehörigkeit und Geschlossenheit wird es mir erleichtern, meiner bei der Amtsübernahme schon bekundeten Absicht gemäß allzeit auch für die Wahrung der Rechte und Interessen der Länder, insbesondere Bayerns, in verständigem Ausgleich mit den Belangen des Reiches nach Kräften einzutreten.“ (R 43 I/2217, Bl. 126 und 1900, Bl. 208). Mit Schreiben vom 24. 3. hatte v. Knilling um weitere Reichsdarlehen für den Bau der bayer. Großkraftwerke gebeten und eingangs dem RK erklärt: „Euer Hochwohlgeboren sind nunmehr von Ihrer für uns so hocherfreulichen, für Sie aber sehr anstrengenden Reise nach Süddeutschland, wie ich hoffen darf, sehr befriedigt und mit den besten Eindrücken nach Berlin zurückgekehrt. Ich möchte die erste Gelegenheit, die mich nach Beendigung Ihrer Reise mit Euer Hochwohlgeboren in Verbindung bringt, nicht vorübergehen lassen, ohne Ihnen, hochverehrter Herr RK, namens der Bayerischen Regierung und der bayerischen Bevölkerung nochmals für die Ehre Ihres Besuches unseren freudigsten Dank zum Ausdruck zu bringen. Ich glaube, daß Euer Hochwohlgeboren sich aufs neue davon überzeugt haben, daß auch in Bayern die Herzen unentwegt treu deutsch schlagen, daß Ihrer kraftvollen Politik allenthalben volles Verständnis entgegengebracht wird und daß Sie bei Ihrem rastlosen Wirken zur Rettung und zum Schutze Deutschlands nach außen wie für den gerechten Ausgleich der Belange des Reichs und der Länder im Innern auf die treue Gefolgschaft Bayerns rechnen können.“ (R 43 I/2217, Bl. 130-132).

[325] Ich darf von dieser Rede vielleicht gleich zur Stuttgarter Rede übergehen12, die eine Ergänzung der Münchener Rede und namentlich in einer Beziehung, nämlich in der erneuten Darlegung alles dessen, was die deutsche Regierung von Ende November bis Anfang Januar zur Verhütung des Ruhreinfalls getan hat, eine Untermalung darstellte. Nochmals rief der Reichskanzler ins Gedächtnis, wie der Gang zur deutschen Rhein- und Ruhr-Passion gewesen ist. Er warf einen Blick auf unser 1. Angebot zur Londoner Konferenz13, das 2. Angebot zur Pariser Konferenz14, unsern Vorschlag zum Zusammenwirken der deutschen und französischen Industrie15, unser Angebot der politischen Sicherung Frankreichs16 und begründete so, wie wir guten Gewissens diesem unerhörten Rechtsbruch gegenüberstehen. Er legte erneut dar, daß ein Angebot, mit dem wir mehr, mit dem wir etwas ganz anderes als das bisher Angebotene, nämlich die Souveränität des Reichs und die Unantastbarkeit der Länder an Rhein und Ruhr, die Unabhängigkeit und Freiheit des deutschen Volkes zum Opfer bringen würden, nichts anderes wäre als Unterwerfung. Ein solches Angebot wird dieses Kabinett nicht machen. Er stellte den in München ausgesprochenen Gedanken, daß die Verhandlungen, die eintreten sollen, von der vorbehaltlosen Räumung der Ruhr ausgehen müssen, in Verbindung mit dem anderen Gedanken, daß wir die Waffen des passiven Widerstandes nicht niederlegen und aus der Hand geben können, wenn dies nicht auch der Gegner tut. Ernst warnte der Kanzler vor Hurrastimmung und mahnte, auf ernste und schwere Zeiten sich zu rüsten, denn auch eine Verständigung mit Frankreich wird für das deutsche Volk niemals leicht tragbar sein, da wir in unserem Programm Reparationen bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit zu leisten festgelegt haben. Nur werden wir dann wissen, daß wir nicht umsonst arbeiten, sondern für das große Ziel der Freiheit unseres Volkes und Vaterlandes, da wir dann festen Boden unter den Füßen haben und dann das Letzte an wirtschaftlichen Opfern auferlegt und getragen werden kann und muß.

12

Die Stuttgarter Rede des RK anläßlich eines Empfangs der Württ.StReg. und der Stadt Stuttgart am 23. 3., 17 h, wurde über WTB am 23. 3. verbreitet (R 43 I/1904, Bl. 36).

13

S. Dok. Nr. 15.

14

S. Dok. Nr. 34.

15

S. Dok. Nr. 42, Anm. 3.

16

S. Dok. Nr. 32, Anm. 9.

Auch in Stuttgart fanden diese Ausführungen des Herrn Reichskanzlers die einhellige Zustimmung eines großen Kreises von Vertretern aller Schichten[326] des Volks, Vertretern des Landtages und der Stadtverwaltung, der Industrie und des Handels, der Arbeiter und Angestellten, der Landwirtschaft, des Handwerks usw.

Besprechungen, die vorher mit der württembergischen Regierung gepflogen waren, ein Besuch beim Präsidium des Landtages und kurze Aussprachen mit zahlreichen der Erschienenen bewiesen dem Reichskanzler in Stuttgart, ebenso wie es in München gewesen war, die volle Übereinstimmung mit der Politik der Reichsregierung, einer Politik, die, wie der Reichskanzler in beiden Orten mit starkem Nachdruck betonte, im Ziel der Abwehr wie im Mittel des passiven Widerstands nicht allein von der Regierung gewollt und geleitet, sondern ebenso vom Volke gewollt und getragen ist17.

17

In seinem Dankschreiben an den Württ.StPräs. erklärt der RK am 25. 3.: „Mein kurzer Aufenthalt in Stuttgart war so von Beweisen enger Zusammengehörigkeit und tiefer Gemeinschaft in allen Sorgen und Schicksalen des Reichs erfüllt, daß er mir und meinen Kollegen von der RReg. als ein Tag der Erhebung und der Stärkung stets im Gedächtnis bleiben wird. Das freundliche Vertrauen, das mir so eindrucksvoll in unseren Besprechungen wie aus der Presse, aus persönlichen Rücksprachen und aus freundlichen Kundgebungen der öffentlichen Stimmung entgegentrat, ist für mich bei all der schwer verpflichtenden Wirkung, die darin liegt, doch vor allem eine lebendige Herzensstärkung, die ich auf unseren weiteren schweren Weg gerne mitnehme.“ (R 43 I/2318, Bl. 94 und 1900, R 43 I/1900, Bl. 209).

Der Reichskanzler ist daher nach Berlin zurückgekehrt in der gefestigten Überzeugung, die die gesamte Reichsregierung mit ihm teilt, daß die Politik der Reichsregierung in den bisherigen Bahnen weiterzuführen ist, daß keine Gelegenheit zur Verständigung versäumt werden darf, alles vielmehr geschehen muß, sie zu erleichtern, daß ebenso bestimmt aber der passive Widerstand fortgesetzt werden muß, bis die Räumung des Ruhrgebiets gesichert feststeht und auf der Gegenseite dem Regime des Rechtsbruches das Regime einer vertragsmäßigen Wirtschaftsverständigung folgt.

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