2.175 (cun1p): Nr. 175 Reichsfinanzminister Hermes an Reichskanzler Cuno. 31. Mai 1923

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Das Kabinett Cuno Wilhelm Cuno Bild 183-1982-0092-007Französischer Posten Bild 183-R43432Posten an der Grenze des besetzten Gebietes Bild 102-09903Käuferschlange vor Lebensmittelgeschäft Bild 146-1971-109-42

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Text

RTF

Nr. 175
Reichsfinanzminister Hermes an Reichskanzler Cuno. 31. Mai 1923

R 43 I/933, Bl. 160-162

[Betrifft: Gerüchte über Regierungssturz]

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

Ich sehe mich gezwungen, auf unser heutiges Telefongespräch zurückzukommen. Sie haben im Anschluß an die Erwähnung der Tatsache, daß zur Stunde der Dollar an der Börse auf 70 000 gestiegen sei, erklärt, daß als Grund[533] für diese weitere außerordentliche Devisensteigerung ein an der Börse umlaufendes Gerücht angegeben würde, nach dem ich im Verein mit der Sozialdemokratie einen Vorstoß gegen das Kabinett plane und mit deren Hilfe eine Erhöhung der Annuitätenzahlungen durchsetzen wolle. Sie teilten mir weiter mit, daß das Gerücht aus der Presse stamme1.

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Als Anlage zu einer Abschrift dieses Schreibens findet sich folgende Information: „Aus der Presse wird mitgeteilt, daß der Dollar an der Börse den Stand von 70 000 um 2 Uhr nachmittags erreicht hat. Dieses Steigen des Dollars sei hervorgerufen durch an der Börse verbreitete Gerüchte über eine bevorstehende Kabinettskrise. Es erzählt, daß RFM Hermes in Verbindung mit den Sozialdemokraten einen Vorstoß gegen das jetzige Kabinett unternehmen wolle. Die Soz. wollten die jährlichen Annuitäten auf 1,5 Mrd. erhöhen, was vom Kabinett abgelehnt würde.“ (R 43 I/2915, Bl. 71).

Wie ich mir bereits erlaubt habe telefonisch zu erklären, ist an dieser ungeheuerlichen Anschuldigung kein wahres Wort. Ich habe Ihnen auch bereits telefonisch zum Ausdruck gebracht, daß ich an die Wirkung eines solchen etwa umgehenden unsinnigen Gerüchtes auf die Dollarsteigerung nicht glauben könne. Ich muß aber hinzufügen, daß ich nicht gesonnen bin, einen derartigen unerhörten Vorwurf auf mir sitzen zu lassen. Ich wiederhole daher dringend die bereits telefonisch geäußerte Bitte, sofort auch von dort aus mit allem Nachdruck für eine Klarstellung dieser Angelegenheit Sorge tragen und dabei insbesondere feststellen zu wollen, aus welcher Quelle das Gerücht stammt. Sie werden gewiß Verständnis für mein Bestreben haben, mir nicht aus irgendeiner dunklen Quelle einen ehrenrührigen Makel anhängen zu lassen, und ich darf von Ihrer Loyalität erwarten, daß Sie mich in diesen meinen Bemühungen nachdrücklichst unterstützen werden, nachdem Sie selbst dieses Gerücht zum Anlaß einer aufklärenden Anfrage an mich genommen haben. Auf alle Fälle muß ich entscheidendes Gewicht darauf legen zu erfahren, von welcher Seite Ihnen die in Rede stehende Mitteilung zugegangen ist, da m. E. nur auf diese Weise eine völlige Klärung möglich ist und damit einem solch vergiftenden Verleumdungsversuch endgültig der Boden entzogen wird.

Was die Sache selbst – nämlich die katastrophale Steigerung der Devisenkurse – angeht, so darf ich zum Schlusse nur noch darauf hinweisen, daß ich Ihnen gegenüber schon seit einer Reihe von Wochen, und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Markstützung noch ihre ungeschwächte Wirkung ausübte, keinen Zweifel über meine pessimistische Auffassung betr. die weitere Entwicklung unserer Währungslage gelassen habe, falls es nicht möglich sein sollte, unsere gerechte Abwehr an der Ruhr durch eine entsprechende außenpolitische Betätigung der Reichsregierung zu ergänzen. Gerade aus dieser Erwägung heraus bin ich ja schon frühzeitig bei Ihnen für den Versuch eingetreten, in sachliche Fühlung mit der Gegenseite zu kommen.

Ihren gefälligen weiteren Mitteilungen entgegensehend2, verbleibe ich

2

Das Antwortschreiben Cunos vom 2. 6. ist abgedruckt als Dok. Nr. 178.

mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr sehr ergebener

Hermes

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