2.38 (cun1p): Nr. 38 Besprechung im Reichsverkehrsministerium. 10. Januar 1923, 11.30 Uhr

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Das Kabinett Cuno Wilhelm Cuno Bild 183-1982-0092-007Französischer Posten Bild 183-R43432Posten an der Grenze des besetzten Gebietes Bild 102-09903Käuferschlange vor Lebensmittelgeschäft Bild 146-1971-109-42

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Nr. 38
Besprechung im Reichsverkehrsministerium. 10. Januar 1923, 11.30 Uhr

R 43 I/203, Bl. 84

Verhandlungsthema: Verhalten der Eisenbahner gegenüber den Forderungen der Entente bei Besetzung weiteren deutschen Gebietes.

Die Verhandlung leitete Staatssekretär Dr. Kirschstein. Vertreten waren das Auswärtige Amt, das Reichsministerium des Innern, das Reichswehrministerium und die Reichskanzlei1.

1

Die Aufzeichnung ist von ORegR Offermann unterzeichnet und lt. Vermerk Kempners um 13.20 h dem RK vorgelegt worden, von diesem abgezeichnet.

[130] Staatssekretär Dr. Kirschstein teilte mit, daß das Reichsverkehrsministerium auf dem Standpunkt stehe, daß ein Widerstand der Reichsbahn gegenüber den vorrückenden Franzosen zwecklos sei und nur dazu führen werde, die Lasten der Bevölkerung zu vermehren. Wenn z. B. die Eisenbahner sich weigerten, gewisse Züge, die nur zu Besetzungszwecken verlangt würden, zu fahren, so würden die Franzosen entweder die Leute mit Gewalt zur Arbeit zwingen oder sie davonjagen und mit eigenem Personal fahren. Würden, um ein anderes Beispiel zu nehmen, die Lokomotiven aus dem besetzten Gebiet in größerer Zahl herausgezogen, so würden immer noch die übrigbleibenden für die Franzosen ausreichen, und die Bevölkerung müßte dann mit dem Reste vorlieb nehmen.

Nachdem das Auswärtige Amt und das Reichsministerium des Innern sich diesem Standpunkte angeschlossen hatten, erklärte noch Staatssekretär Kumbier, daß er persönlich der Auffassung sei, daß die Franzosen mit der Besetzung von Essen erreichen würden, daß das von ihnen verlangte Quantum an Kohle aus dem Ruhrgebiet herauskommen würde. Die Folge würde sein, daß Deutschland gezwungen sein würde, für seinen Bedarf, insbesondere für den Bedarf der Eisenbahn, englische Kohle über Hamburg zu kaufen.

Staatssekretär Dr. Kirschstein schloß die Verhandlung mit der Feststellung, daß Einigkeit darüber bestehe, daß die Eisenbahn keinen Widerstand, auch keinen passiven, den Franzosen leisten solle2.

2

Diese Haltung der RB stößt nach dem Einmarsch der Franzosen auf Kritik im Ruhrgebiet; das Kabinett muß sich daher am 16. 1. mit dieser Frage befassen (Dok. Nr. 45).

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