2.60 (cun1p): Nr. 60 Vermerk über den Marksturz. 30. Januar 1923

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Nr. 60
Vermerk über den Marksturz. 30. Januar 19231

1

Der Vermerk trägt keine Überschrift und ist nicht unterzeichnet. Die Schrifttype deutet auf Hamm als Verfasser hin. Der RK hat abgezeichnet.

R 43 I/2445, Bl. 52

Der Dollar ist heute mittag bis zu 44 000 gestiegen2. Er scheint in Berlin wieder höher getrieben worden zu sein als in New York. Folge ist nicht nur ungeheure Preissteigerung, sondern auch unmittelbare Zerstörung der Stimmung, da man in diesem Marksturz Hoffnungslosigkeit der Wirtschaftskreise zu sehen glaubt. Zufolge der Besprechungen, die vor einiger Zeit mit Herrn Dr. Hilferding3, Herrn Reichsfinanzminister und Herrn Reichswirtschaftsminister4, dann gestern und heute mit Herrn Dr. Stresemann stattfanden5, wäre nun wohl geboten, zunächst ein Urteil darüber zu gewinnen, wie groß die kurstreibende Devisennachfrage ist und wo sie ihren Sitz hat und dann zu entscheiden:

2

Am 27. 1. lag der Dollarkurs noch bei 27 000 M.

3

Lt. Vermerk vom 17. 1. hatte Hilferding an diesem Tage angeregt: „1) Zusammenfassung der Devisenwirtschaft in Zusammenarbeit von Rbk und Banken unter Führung des RFMin. auf verwaltungsmäßigem, nicht notwendig auf gesetzgeberischem Wege. 2) Bereitstellung der notwendigen Devisen für Kohle- und Getreideeinkauf, wenn notwendig unter Heranziehung von Goldmark der Rbk. Rationierung und Drosselung des sonstigen Bedarfs gemäß der jetzigen Verschärfung der Lage. 3) Gegenseitige Kreditunterstützung der deutschen Industrie, und zwar gegenseitige Kreditunterstützung der einzelnen Industriegruppen, insbesondere der nichtausführenden durch Ausfuhrindustrien. 4) Im übrigen kann unnötigen Preisüberhöhungen nur durch eine Bekämpfung des Wuchers im Einzelfalle, wirksamer aber dadurch entgegengetreten werden, daß bei einzelnen Kartellen, so namentlich dem Eisenkartell, die Preise nachgeprüft und Überhöhungen entgegengetreten wird. 5) Lohnkämpfe müssen vermieden werden, deshalb sollte in der Zentralarbeitsgemeinschaft eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern dahin geschlossen werden, daß Lohnerhöhungen gemäß der gleitenden Lohnskala erfolgen. Ungünstige Erfahrungen, die damit in Österreich gemacht wurden, sind weniger auf das System selbst als auf die Ursachen der Machtverteilung in Österreich zurückzuführen.“ (R 43 I/2445, Bl. 51).

4

Zu einer Besprechung der Anregungen Hilferdings hatte der RK den RFM, RWiM und RSchM für den 19. 1., 17 h, eingeladen (R 43 I/1493, Bl. 229); eine Aufzeichnung der Besprechung war nicht zu ermitteln.

5

Darüber waren Angaben in R 43 I nicht zu ermitteln.

1.

ob Intervention der Reichsbank möglich,

2.

ob Einwirken auf Banken und Börse und von Banken und Börse selbst möglich,

3.

ob nicht Devisenzentralisation möglich und geboten,

4.

[207]was zur weiteren Abschneidung überflüssiger Devisennachfragen für Einfuhrzwecke geschehen kann.

Dann hierzu insbesondere Aufstellungen über Devisenzuteilungen und Einfuhrerlaubnis der letzten Wochen6.

6

Anfang Februar setzt die Intervention der Rbk ein, die den Dollar bis zum 15. 2. auf rd. 20 000 senkt. Bis zum Zusammenbruch der Stützungsaktion am 18. 4. bewegt sich der Markkurs etwa zwischen 19 000 und 22 000. Über Motive, Durchführung und Verlauf der Stützungsaktion s. den „Bericht des Untersuchungsausschusses zur Prüfung der Wirkung der Maßnahmen zur Stützung der Mark“ (RT-Drucks. Nr. 6591, Bd. 380 ), vgl. auch Anm. 5 zu Dok. Nr. 101.

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