2.62 (cun1p): Nr. 62 Aufzeichnung über die Situation im Ruhrgebiet. [31. Januar 1923]

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Das Kabinett Cuno Wilhelm Cuno Bild 183-1982-0092-007Französischer Posten Bild 183-R43432Posten an der Grenze des besetzten Gebietes Bild 102-09903Käuferschlange vor Lebensmittelgeschäft Bild 146-1971-109-42

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[209] Nr. 62
Aufzeichnung über die Situation im Ruhrgebiet. [31. Januar 1923]1

1

Die ungezeichnete Aufzeichnung findet sich im Anschluß an Aufzeichnungen Hamms über Besprechungen mit Bell, Florian Klöckner, Kommerzienrat Frank und Bücher und deutet von der Masch.-Schrifttype her auf Hamm als Verfasser. Die Datierung ergibt sich aus dem Inhalt und dem Zusammenhang der Akten.

R 43 I/206, Bl. 302

Mit der Abschließung des Ruhr- und Rheingebietes vom übrigen Reiche ist als mit alsbald kommender Tatsache zu rechnen2. Es kann sein, daß das abgeschlossene Gebiet sich alsbald im wesentlichen aus sich selbst regieren muß. Es ist zu fragen, ob demgemäß Verwaltungsänderungen vorgenommen werden sollen.

2

Am 25. 1. hatte Degoutte die Verfügung Nr. 5, betreffend die Regelung der Zölle sowie der Ein- und Ausfuhr in den besetzten Gebieten erlassen, die im altbesetzten Gebiet bereits am 20. 1. als Ordonnanz Nr. 136 verkündet worden war (abgedruckt in RT-Drucks. Nr. 5555, Bd. 376, S. 39  ff.). Sie sah die Einführung einer Zollgrenze zwischen dem unbesetzten und besetzten Gebiet vor. StS Hamm hatte den RFM daraufhin am 29. 1. ersucht, die Möglichkeiten einer undurchdringlichen zolltechnischen Abschließung durch die Franzosen darzulegen. Zur Antwort des RFM s. Anm. 15 zu Dok. Nr. 63.

Es war bisher daran gedacht, in Münster oder Hamm, nahe dem besetzten Gebiet eine Verwaltungsstelle zu errichten. Der Gedanke wurde zurückgestellt, da es bisher ohne Schwierigkeiten möglich war, ins besetzte Gebiet selbst hinein von hier aus zu regieren. Wenn das erschwert wird, tritt der Gedanke in ein neues Licht.

An den Zuständigkeiten der ordentlichen Behörden wird nichts geändert werden dürfen. Die politische Führung werden die politischen Parteien in der Hand behalten und in die Hand nehmen. Köln wird, namentlich solange die englische Besetzung dauert, der gegebene Mittelpunkt hierfür sein. Es wird auch zu erwägen sein, ob man nicht einen Verbindungskommissar einsetzen will, der seine Amtsstelle nächst der Grenze des besetzten Gebiets haben, selbst aber möglichst auch im besetzten Gebiete tätig werden würde. Münster würde als Sitz den Vorzug vor anderen Orten wohl deshalb haben, weil dort auch das Oberpräsidium ist und damit gewisse Zwiespältigkeiten von vornherein ausgeschlossen sind. Für das Amt käme wohl stark ein Sozialdemokrat in Frage3.

3

Über eine Rücksprache mit dem Abg. Klöckner vom Zentrum vermerkt Hamm u. a.: „Gerücht, daß Dr. Köster als Reichskommissar mit Sitz im Kabinett ausersehen sei, hat im Zentrum keine Ablehnung hervorgerufen. Köster wäre wohl geeignet. Sehr guter Mann Jarres, der der DVP angehört und auch nach links sehr gute Beziehungen hat.“ (R 43 I/206, Bl. 299 f.). Jarres arbeitet später ehrenamtlich als Verbindungsmann der Rhein-Ruhr-Zentrale und des PrStMin. für die bes. Geb. der Rheinprovinz und Westfalens.

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