2.199.1 (feh1p): [Deutsches Reparationsangebot auf der Londoner Konferenz]

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   Das Kabinett Fehrenbach  Konstantin Fehrenbach Bild 183-R18733Paul Tirard und General Guillaumat Bild 102-01626AOppeln 1921 Bild 146-1985-010-10Bild 119-2303-0019

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[Deutsches Reparationsangebot auf der Londoner Konferenz]

Es wurde das Telegramm der Anlage1 vorgelegt mit dem Vorschlag, es an die Delegation nach London zu senden.

1

Das vorgelegte Telegramm lautete:

„Provisorium nur in folgender Form tragbar: Fünf Jahresleistungen zu je einer Milliarde 400 Millionen, außerdem internationale einmalige steuerfreie Anleihe von acht Milliarden bei Zins und Tilgung von zusammen nicht über fünfeinhalb Prozent. Soweit Anleihe nicht zu begeben ist, sollen fünfeinhalb Prozent des nicht begebenen Betrages der Jahresleistung von einer Milliarde 400 Millionen hinzutreten. Generalquittung gemäß Ziffer C der Gegenvorschläge und die beiden Voraussetzungen der Gegenvorschläge (Oberschlesien, Handelsfreiheit) müssen bestehen bleiben.

Bitte diesen Vorschlag indessen nur dann machen, wenn weitere Verhandlungen über ein Provisorium unvermeidbar sind.

Kabinett und Parteien vorziehen völlig neuen Vorschlag, der der zweiten Forderung des Ultimatums (gleichwertige Vorschläge) entgegenkommt. Bitte deshalb zum Zweck der Vorlage des Vorschlags Frist bis Donnerstag beantragen.

Zu ihrer persönlichen vertraulichen Information: Es handelt sich um modifizierten Vorschlag Rathenau. Falls Vertagung erreicht wird, kommen Havenstein, Albert, Rathenau dorthin. Fehrenbach.“

Das Telegramm war an „Reichsminister Simons, Deutsche Delegation, Savoy Hotel, London“ gerichtet (Abschrift des Telegramms, R 43 I/1365, Bl. 149).

In der Abstimmung wurde Absatz 1 des Telegramms gegen die Stimme des Ministers Dr. Hermes, Absatz 2 gegen die Stimmen der Minister Dr. Brauns und Dr. Scholz und Absatz 3 gegen die Stimmen der Minister Giesberts und Dr. Brauns angenommen2.

2

In der Vormittagssitzung der Londoner Konferenz vom 7. 3. schlug RAM Simons dann ein Provisorium für 5 Jahre vor. Während dieser Zeit sollten sowohl Zahlungen entsprechend den Forderungen der Pariser Beschlüsse geleistet werden als auch ein vollwertiger Ausgleich für die verlangte Exportabgabe gewährt werden. Dieser Vorschlag sollte jedoch nur dann gelten, wenn Oberschlesien auf Grund der Abstimmung bei Dtld. blieb und wenn die Beschränkungen im Welthandel fallen würden (RT-Drucks. Nr. 1640, Bd. 366, S. 169 ; DBFP, 1st Series, Vol. XV, p. 318).

In der Nachmittagssitzung der Londoner Konferenz vom 7. 3. lehnte Lloyd George im Namen der Alliierten diese Vorschläge als unzureichend ab und erklärte, daß die angedrohten Sanktionen sofort zur Ausführung gebracht werden müßten (RT-Drucks. Nr. 1640, Bd. 366, S. 187 ; DBFP, 1st Series, Vol. XV, p. 327–331).

Am 8. 3. wurden Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort von all. Truppen besetzt; gleichzeitig übernahm die Irko die Zollverwaltung für das gesamte besetzte Gebiet. Siehe dazu Dok. Nr. 206, Anm. 7.

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