2.72 (feh1p): Nr. 72 Geheime Aufzeichnung des Wirklichen Legationsrats Heilbron über eine Unterredung mit Hugo Stinnes und anderen über die zukünftige politische Haltung der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“. 18. September 1920

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[188] Nr. 72
Geheime Aufzeichnung des Wirklichen Legationsrats Heilbron über eine Unterredung mit Hugo Stinnes und anderen über die zukünftige politische Haltung der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“. 18. September 1920

R 43 I/2469, Bl. 117–118

Über die Angelegenheiten der Deutschen Allgemeinen Zeitung1 hat heute eine Besprechung stattgefunden, an der Herr Staatssekretär Albert, Herr Stinnes, Herr Wirklicher Legationsrat Heilbron, Herr Kapitän Humann und zeitweilig Herr Minoux teilnahmen. Das Ergebnis der Besprechung war folgendes: Das Vertragsverhältnis zwischen der Reichsregierung und der Deutschen Allgemeinen Zeitung soll fortgesetzt werden. Der Einfluß der Reichsregierung auf die Auswahl des Personals im Verlage und in der Redaktion der Deutschen Allgemeinen Zeitung soll durch vertrauliche vorhergehende Fühlung bei der Neueinstellung leitender Persönlichkeiten gewahrt werden. Hierüber machte Herr Stinnes bindende mündliche Zusicherungen. Ein Kontrollrecht über sein Personal seitens der Reichsregierung lehnte er ab, versprach aber, die Wünsche der Reichsregierung in den Personalfragen in jeder Weise zu berücksichtigen. Ausdrücklich wurde festgestellt, daß der Inhalt des bestehenden Vertrages durch die heutige Absprache nicht geändert wird. Hinsichtlich der sachlichen Ausgestaltung der Deutschen Allgemeinen Zeitung betonte Herr Stinnes, daß es sein Bestreben sei, das Blatt zu einem großen Organ der auswärtigen Politik auszugestalten und daß er in den Fragen der auswärtigen Politik, in denen er für die nächsten Jahre die Möglichkeit von Differenzen nicht für gegeben hält, völlig konform mit der Reichsregierung gehen wird. Hinsichtlich der inneren Politik will er die Deutsche Allgemeine Zeitung kleinhalten. Eine Garantie[189] dafür, daß in der inneren Politik das Blatt bei Wechseln in der Reichsregierung jedes Mal mögliche Schwenkungen mitmachen würde, übernimmt er nicht. Jedoch sicherte er zu, daß auch auf diesem Gebiet die Politik des Blattes mit Takt geführt werden würde. Sollten Differenzen auf diesem Gebiet sich entwickeln und zu Schwierigkeiten führen, so ist schon jetzt in Aussicht genommen, daß dann über ein Nachrichtenblatt der Regierung verhandelt werden soll, für das der Verlag der Deutschen Allgemeinen Zeitung lediglich Drucker sein würde. Diese Frage augenblicklich auszutragen, liegt ein politisches Bedürfnis nicht vor. Sie kann nötigenfalls im gegebenen Augenblick sofort aufgenommen werden. Ausdrücklich wurde festgestellt, daß die Deutsche Allgemeine Zeitung bis zu dem Moment der Einrichtung eines solchen Nachrichtenblattes der Reichsregierung auch für ihre Kundgebungen in Fragen der inneren Politik zur Verfügung stehen würde.

1

Zur Übernahme der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ durch Hugo Stinnes s. den Band „Das Kabinett Müller I“ dieser Edition, Dok. Nr. 81, P. 5 und Dok. Nr. 96.

Im weiteren Verlauf dieser Angelegenheit hatte am 13.8.1920 zwischen WLegR Heilbron und dem Beauftragten von Hugo Stinnes, Humann, eine Besprechung stattgefunden, in der das zukünftige Verhältnis zwischen der RReg. und der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ erörtert wurde. In der Aufzeichnung, die Heilbron von dieser Besprechung anfertigte, hieß es u. a.: „Ich habe ihm gesagt, daß meines Wissens zwischen den Vertretern der Reichsregierung und Herrn Stinnes Einigkeit darüber erzielt worden sei, daß der auf Grund des Besitzwechsels eingetretene Rechtszustand geklärt und ausgetragen werden müsse. Als meine persönliche Ansicht habe ich ihm gesagt, daß am besten die Vertragsbeziehungen auf Grund einer freundlichen Vereinbarung fortgeführt und mindestens in einem wichtigen Punkte ausgebaut werden sollten. Dieser Punkt sei eine stärkere Einflußnahme der Regierung auf die für die Redaktion der Deutschen Allgemeinen Zeitung verantwortlichen Persönlichkeiten. Ich würde mir denken, daß die Regierung sich mit einem Vetorecht hinsichtlich des Chefredakteurs und der beiden maßgebenden Leiter der auswärtigen und der inneren Politik begnügen könnte. Ich schlug Herrn Humann vor, daß von Seiten des Verlages ein Vorschlag gemacht werden möge, der sich in dieser Richtung bewegt. Weiter sind wir in unserer Besprechung nicht gediehen. Herr Humann will mir demnächst eine Antwort zukommen lassen.“ (R 43 I/2469, Bl. 132).

Am 17.9.1920 hatte Humann dann StS Albert im Auftrage von Hugo Stinnes die Bitte vorgetragen, daß dieser mit ihm verschiedene, die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ betreffende Fragen besprechen wolle. Als Termin für die Besprechung war der 18. 9. festgesetzt worden (Humann an StS Albert am 17.9.1920, R 43 I/2469, Bl. 143).

Heilbron

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