2.145.1 (lut1p): zu Punkt 1 [Ankauf der Deutschen Allgemeinen Zeitung]

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Die Kabinette Luther I und II (1925/26), Band 1.Das Kabinett Luther I Bild 102-02064Reichspräsident Friedrich Ebert verstorben Bild 102-01129Hindenburgkopf Bild 146-1986-107-32AStresemann, Chamberlain, Briand Bild 183-R03618

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zu Punkt 1 [Ankauf der Deutschen Allgemeinen Zeitung]

trug Staatssekretär Dr. Kempner das Ergebnis der Verhandlungen mit den Parteiführern vor. Er teilte mit, daß die Deutschnationale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei sich zustimmend, die Wirtschaftliche Vereinigung und die Bayerische Volkspartei sich dagegen ablehnend geäußert hätten, während das Zentrum seine Zustimmung von künftiger Handhabung gewisser Richtlinien[486] abhängig gemacht habe. Nach längerer Erörterung darüber, ob bei der voraussichtlichen Aufrechterhaltung des Widerstrebens der genannten beiden Fraktionen der Ankauf von seiten des Reichs zweckmäßig sei, wurde beschlossen, folgendermaßen zu verfahren: Von seiten der Reichskanzlei soll den Inhabern mitgeteilt werden, daß das Reich nicht imstande sei, die Zeitung zu kaufen, sich wohl aber bereit erkläre, nach dem Muster der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung einen Abonnementsvertrag1 mit einem neuen Verleger abzuschließen, wobei noch näher zu vereinbarende Bedingungen zu stellen seien2.

1

Gemeint ist offenbar das am 13.5.1918 zwischen der RReg. und der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt A.G. Berlin geschlossene Abkommen, in welchem sich der Verleger verpflichtet hatte, 1) die Norddeutsche Allgemeine Zeitung zu einer leistungsfähigen halbamtlichen Tageszeitung der Reichsleitung auszubauen, 2) im amtlichen Teil der Zeitung ausschließlich Nachrichten und Kundgebungen der dt. Zentralbehörden abzudrucken, 3) „die Politik des Deutschen Reiches würdig und geschickt zu vertreten.“ Die RReg. hatte sich demgegenüber verpflichtet, 1) sich der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung „in der bisherigen Weise“ zur Veröffentlichung amtlicher und halbamtlicher Kundgebungen und Nachrichten zu bedienen, 2) 2500 Stück der Zeitung für amtliche Zwecke fest zu beziehen, 3) an die Norddeutsche Buchdruckerei und Verlagsanstalt Druckaufträge und Verlagsrechte im Werte von 300 000 M jährlich zu vergeben (Vertragstext in R 43 I/2469, Bl. 3-7).

2

Ein derartiger Vertrag wird nicht abgeschlossen. Statt dessen gelingt es der PrStReg., kontrollierenden Einfluß auf die DAZ zu gewinnen – ein anscheinend über mehrere Monate ausgedehnter Vorgang, über den die RReg. erst Mitte Januar 1926 volle Gewißheit erhält. Kempner vermerkt am 12.1.26 über eine Unterredung mit StS Weismann vom gleichen Tage: „Als ich ihm sagte, es sei uns bekannt, daß Preußen die DAZ ‚kontrolliere‘, war Herr Weismann zunächst verdutzt, sagte dann aber wörtlich folgendes: ‚Nachdem Sie dies schon wissen, will ich Ihnen gern zugeben, daß die DAZ uns gehört.‘“ – Im April 1926 wird die DAZ von Preußen dem Reiche angeboten und von diesem käuflich erworben. In einer undatierten, nicht signierten Aufzeichnung des AA (September/Oktober 1926?) heißt es dazu u. a.: Nach Rückkehr der Delegation aus Genf habe RK Luther sich auf Vortrag des RAM damit einverstanden erklärt, die DAZ zum Preise von 500 000 RM zu übernehmen. „Der käufliche Erwerb sollte in der Weise durchgeführt werden, daß 250 000 M im laufenden Rechnungsjahr, die anderen 250 000 M im nächsten Rechnungsjahr gezahlt werden. Dabei sollte die Erwerbung mit Rücksicht auf die Diskussion in der öffentlichen Meinung durch die Darmstädter Bank mit Herrn Direktor Bernhard als Treuhänder durchgeführt werden.“ Außerdem sei der RK damit einverstanden gewesen, daß von einer Mitteilung an das Kabinett abgesehen werde, weil die bereitzustellenden Mittel aus den Dispositionsfonds des RK und des RAM entnommen werden sollten (R 43 I/2470, Bl. 54, 140-146, hier: Bl. 143). – Die Zeitung bleibt bis Januar 1927 im Besitz des Reiches, wird dann aber an ein in den Akten nicht näher bezeichnetes Bankenkonsortium verkauft. Über die Verkaufsverhandlungen und -bedingungen einiges Aktenmaterial in R 43 I/2470. – Eine ausführliche Darstellung dieser Vorgänge gibt Kurt Koszyk, Deutsche Presse 1914–1945, S. 135 ff.

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