1.164.3 (lut2p): 3. Vertragsverhandlungen mit den Russen.

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3. Vertragsverhandlungen mit den Russen.

Der Reichskanzler teilte mit, daß Mitteilungen in die Presse gelangt seien über die mit Rußland bevorstehenden Vertragsabschlüsse4. Es frage sich, wie man nunmehr, nachdem die Sache öffentlich geworden sei, sich verhalten[1272] solle. Man müsse sich wohl auf den Standpunkt stellen, daß die beabsichtigten Verträge mit Rußland in der geraden Linie der deutschen Friedenspolitik lägen. Auch sie seien wie die Locarnoverträge und der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ein Teil der großen generellen Friedenspolitik der deutschen Reichsregierung. Allerdings müßten die Verträge mit Rußland eine andere Form annehmen als die mit Völkerbundsmächten, weil Rußland nicht dem Völkerbund angehöre.

4

Am Vortage hatte die Londoner Times den unmittelbar bevorstehenden Abschluß eines dt.-sowj. „Rückversicherungsvertrages“ gemeldet und auf entsprechende dt. Demarchen bei den Westmächten hingewiesen. S. das Schreiben v. Schuberts an Stresemann vom 14. 4. in: ADAP, Serie B, Bd. II, 1, Dok. Nr. 138.

Es wurde beschlossen, in diesem Sinne sich zu verhalten und die Presse zu informieren5.

5

Schon am Abend des 14. 4. waren hierüber in der Rkei erste vertrauliche Informationen an die Presse gegeben worden. Dabei hatte der RK u. a. ausgeführt: „Wir müssen diese Friedenstendenz nachdrücklich zum Ausdruck bringen, einmal den Westmächten gegenüber, aus den bekannten Gründen, und dann gegen den Osten und den Vorgängen gegenüber, die seit Locarno sich entwickelt haben. […] Wir dürfen weder zu scharf in diesem Zusammenhange betonen, die ganze Sache ist eine Ergänzung zu Locarno, weil wir damit nach der russischen Seite eine falsche Wirkung erzeugen würden; […] noch dürfen wir sagen, wir rücken von Locarno ab. Wir können nur mit der Politik, die wir immer empfohlen haben, durch diese Gefahren hindurchkommen, mit der Politik, die sich in die wenigen Worte kleidet: keine Option zwischen Ost und West.“ (Wortprotokoll des Presseempfangs, von Kiep am 18. 4. an den RK übersandt, in R 43 I/135, Bl. 101-113).

Die dt. Presseberichte bewegen sich in den Tagen bis zur Veröffentlichung des Vertragstextes (27. 4.) auf der Linie einer polemischen Abwehrhaltung gegenüber mißtrauischen Stellungnahmen der Auslandspresse bei gleichzeitiger Betonung des dt. Friedenswillens und der Vereinbarkeit freundschaftlicher dt.-sowj. Beziehungen mit den Locarno-Verträgen (s. u. a. „Tägliche Rundschau“ vom 15.–18.4.26). Letzteres unterstreicht Stresemann nachdrücklich in seiner Stuttgarter Rede vom 18.4.26 („Tägliche Rundschau“ vom 19. 4.; auszugsweise in: Stresemann, Vermächtnis, Bd. II, S. 503 f.).

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