1.22 (lut2p): Nr. 192 Der Reichskanzler an den Reichspräsidenten. Locarno, 14. Oktober 1925

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Text

RTF

Nr. 192
Der Reichskanzler an den Reichspräsidenten. Locarno, 14. Oktober 1925

R 43 I/472, Bl. 232 Abschrift der Telegrammentzifferung1

1

Dieses Telegramm wurde lt. Randvermerk um 23.45 Uhr abgesandt.

[Art. 16 der Völkerbundssatzung]

Hochverehrter Herr Reichspräsident!

Aus einer Anfrage des Staatssekretärs Kempner2 entnehme ich, daß in dem nächtlichen Ministerrat3 mit besonderem Ernst erwogen worden ist, und zwar wegen der entscheidenden Bedeutung gerade dieses Punktes mit Recht, ob der Brief, den England, Frankreich, Italien und Belgien an uns wegen des Artikel sechzehn schreiben wollen, unsere Bedenken wegen dieses Artikels hinreichend ausräumt. Eine Begründung für die Bejahung dieser Frage, die von Herrn Gaus entworfen ist, geht soeben durch Fernschreiber an Herrn Kempner ab4. Ich möchte persönlich Ihnen gegenüber hinzufügen, daß ich in Verbindung mit der jetzigen Gestaltung des Sicherheitspakts unter Würdigung der allgemeinsten politischen Gesichtspunkte die hier gefundene Lösung für ausreichend erachte. Ich glaube dies Ihnen gegenüber besonders aussprechen zu sollen, hochverehrter Herr Reichspräsident, weil ich weiß, wie sehr angesichts[750] der hohen Verantwortlichkeit der bevorstehenden Entscheidung diese Frage Sie selbst bewegt, und weil auch ich Ihnen gegenüber oft dargelegt hatte, daß im Hinblick auf die allgemeinen geschichtlichen Entwicklungsmöglichkeiten gerade diese Frage mir als entscheidend wichtig erscheint.

2

S. Anm. 13 zu Dok. Nr. 187.

3

S. Dok. Nr. 187.

4

Hierbei handelt es sich wohl um das Fernschreiben v. Schuberts (Dok. Nr. 188), das am frühen Vormittag des 14. 10. in Berlin einging und in der um 11.30 Uhr begonnenen Ministerbesprechung (Dok. Nr. 190) von StS Kempner verlesen wurde. Das obige Telegramm des RK wurde offenbar erst mit erheblicher Verspätung (vgl. Anm. 1) übermittelt.

Mit dem Ausdruck meiner ausgezeichnetsten Hochachtung und verehrungsvollen Grüßen bin ich, Herr Reichspräsident, Ihr stets ergebenster

Luther

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