2.139.2 (ma11p): 2. Pazifisten und Reichswehr.

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Die Kabinette Marx I und II, Band 1 Wilhelm Marx Bild 146-1973-011-02Reichskanzler Marx vor seinem Wahllokal Bild 102-00392Hochverratsprozeß gegen die Teilnehmer am PutschDawes und Young Bild 102-00258

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2. Pazifisten und Reichswehr.

Der Reichswehrminister berichtete über die Lage der Reichswehr in Verbindung mit den in letzter Zeit sich wiederholenden Angriffen deutscher Pazifisten4.

4

Am 3.1.24 hatte Prof. Ludwig Quidde im Auftrag des „Deutschen Friedenskartells“ eine Eingabe an den RK gerichtet, in der die RReg. ersucht wird, eine Reihe von Fragen öffentlich zu beantworten, die sich auf illegale Mannschaftsergänzungen und Geheimausbildungen der Reichswehr im Jahre 1923 beziehen (R 43 I/511, Bl. 4-7). In der Antwort des StSRkei vom 9. 1. heißt es: Die RReg. halte eine Erörterung der von Quidde aufgeworfenen Fragen in der Öffentlichkeit „nicht für erträglich. Sie würde sich daher gezwungen sehen, gegen die Urheber einer solchen Diskussion, die nach den bisherigen Erfahrungen lediglich unbegründetes Mißtrauen in weiten Kreisen des Auslandes wachrufen würde, mit allen erforderlichen gesetzlichen Mitteln einzuschreiten.“ (R 43 I/511, Bl. 8). v. Seeckt hatte am 9. 1. Quidde geantwortet: „Die Gedankengänge des internationalen Pazifismus sind für ein international derart mißhandeltes Volk wie das deutsche schon an sich schwer begreiflich. Wenn es aber Deutsche gibt, die sich nach den Erfahrungen des Ruhreinfalles und in einer Zeit, in der Frankreich den Vertrag von Versailles täglich mit Füßen tritt, für die Durchführung dieses Vertrages im Interesse der Franzosen einsetzen, so kann ich das nur als den Gipfel nationaler Würdelosigkeit bezeichnen. Im übrigen möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß ich bei einer Erörterung der in Ihrem Schreiben berührten Fragen in der Öffentlichkeit sofort mit den Mitteln des Ausnahmezustandes gegen Sie einschreiten werde, ganz unabhängig von einem etwaigen Verfahren wegen Landesverrats.“ (R 43 I/511, Bl. 17). – Am 10. 3. erschien in der „Welt am Montag“ ein Artikel Quiddes unter dem Titel „Die Gefahr der Stunde“, in dem RReg. und RT aufgefordert werden, sich endlich mit den Behauptungen über geheime dt. Aufrüstungen zu befassen. Wegen der Verbreitung dieses Artikels wird Quidde am 16. 3. in München auf Antrag der Staatsanwaltschaft beim Volksgericht verhaftet, nach einigen Tagen mangels Fluchtverdacht wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Reichsgericht in Leipzig leitet eine Untersuchung wegen Landesverrats gegen Quidde ein, die im März 1925 aus Mangel an Beweisen eingestellt wird (hierzu in R 43 I/511, Bl. 27 f., 36, 40-45, 57-80 verschiedene Materialien, u. a. die Druckschrift „Der Fall Quidde. Tatsachen und Dokumente“, hrsg. von der Dt. Liga für Menschenrechte, Berlin 1924).

Das Kabinett stimmte den Ausführungen des Reichswehrministers zu.

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