2.43.5 (ma11p): 5. Veröffentlichungen Rechbergs.

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5. Veröffentlichungen Rechbergs.

Die Veröffentlichungen Rechbergs entsprechen nicht den tatsächlichen Vorgängen. Das Kabinett war der Meinung, daß die Behauptungen nachgeprüft werden sollten und daß daraufhin eine Notiz in die Presse zu bringen sei ungefähr des Inhalts, daß ein Einverständnis mit den Plänen Rechbergs an maßgebenden Stellen bisher nicht vorhanden gewesen wäre12.

12

„Die Zeit“ hatte am 29. 12. gemeldet: Der Industrielle Rechberg, der sich seit zwei Wochen in Paris aufhalte, habe in Gesprächen mit Poincaré, Barthou, Foch und anderen Persönlichkeiten seinen Plan eines dt.-frz. Wirtschaftsabkommens vorgetragen, das auf eine Lösung des Reparations- und Sicherheitsproblems abziele: Danach wählt Frankreich unter den dt. Industrien diejenigen aus, die ihm am sichersten erscheinen. Diese Industrien vermehren ihr Kapital um 30% und treten die Aktien in dieser Höhe an Frankreich ab. Der frz. Staat verkauft oder verpfändet die Aktien an die frz. Industrie und gelangt auf diese Weise in den Besitz bedeutender Reparationsleistungen. Außerdem wird – nach Rechberg – durch die Verflechtung der wirtschaftlichen Interessen beider Länder die Gefahr eines Konflikts zwischen Deutschland und Frankreich vermindert. „Die Zeit“ bemerkt dazu, daß Rechberg für seine Verhandlungen mit den Franzosen keine Vollmacht besitze. Und am 3.1.24 dementiert „Die Zeit“ eine Behauptung Rechbergs im „Intransigeant“, er habe vor seiner Pariser Reise mit maßgeblichen Regierungsstellen über seine Pläne gesprochen. „Hierzu wird von den maßgebenden Stellen erklärt, daß Herr Rechberg, falls er mit irgendwelchen amtlichen Persönlichkeiten gesprochen haben sollte, jedenfalls bei keiner maßgebenden Regierungsstelle eine Billigung seiner Pläne gefunden hat.“

Am 25.12.23 hatte v. Hoesch aus Paris an das AA berichtet: Rechberg habe ihm über seine Unterhaltungen mit Poincaré, Foch, Barthou, Loucheur, Pinot (VPräs. des Comité des Forges), Seydoux und anderen ein Resümee gegeben. Rechberg „ist natürlich allerorts mit größter Zuvorkommenheit empfangen worden“. „Die maßgebenden Personen, wie vor allem Poincaré und Seydoux, haben allerdings die Reserve gemacht, daß der Rechbergsche Plan das Reparationsproblem nicht endgültig lösen, sondern nur einen Teil im Rahmen des dt. Zahlungssystems darstellen könne.“ Dem Bericht Hoeschs liegt der von Rechberg verfaßte Entwurf eines „Sonderabkommens“ zwischen der frz. und dt. Reg. bei (Akten des RMinWiederaufbau, BA, R 38/186, neu in R 3301/2186, Bl. 396-400). Vgl. auch den Bericht Hoeschs vom 29.12.23, abgedr. bei Erdmann, Adenauer in der Rheinlandpolitik, Dok. Nr. 28, bes. S. 348 ff.

Mit Schreiben vom 15.1.24 bittet Rechberg den RK, ihn zu einem Vortrag über das Ergebnis seiner Pariser Reise zu empfangen, und fügt einen Empfehlungsbrief des Kölner Kardinals Schulte bei. Marx schreibt Schulte am 17. 1.: „Über die Besprechungen des Herrn Rechberg in Paris hat sich in der Presse eine so weitgehende Kritik verbreitet, daß es zu unerwünschten Darlegungen zweifellos Veranlassung geben würde, wenn ich Herrn Rechberg selbst empfangen würde. Herr Rechberg hat weder mit dem Herrn Außenminister noch mit mir vor seiner Abreise nach Paris Fühlung genommen.“ Rechberg wird an MinDir. Köpke im AA verwiesen (R 43 I/40, Bl. 240 f., 244, 243). Im Nachlaß Rechberg , der im BA verwahrt wird, sind Aufzeichnungen über seine Pariser Sondierungen nicht vorhanden.

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