2.89.1 (ma11p): [Pläne der Sachverständigen.]

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RTF

[Pläne der Sachverständigen.]

Reichsminister der Finanzen McKenna1 wolle am 7. abreisen2. Der andere Ausschuß denke Sonnabend [9. 2.] zu fahren3.

1

Im Protokoll irrtümlich „MacDonald“.

2

McKenna, der Vorsitzende des 2. Sachverständigenkomitees (für Kapitalflucht), verläßt am 7. 2. Berlin.

3

Tatsächlich fährt das 1. Sachverständigenkomitee unter Dawes erst am 14./15. 2. nach Paris zurück.

Reichsminister des Auswärtigen Bosdari habe ihm mitgeteilt, es herrsche weitgehende Einigkeit im 1. Ausschusse, der daher auch in den nächsten Tagen reisen werde.

Reichsbankpräsident Aus einer Quelle, die nicht ganz sicher sei, habe er folgende Informationen bekommen: Die Bank solle innerhalb Deutschlands gegründet werden. Man denke quasi an eine völlig neue Reichsbank4. Die Regiebahnen sollten uns zurückgegeben werden. Im Etat würden die Ausgaben beanstandet werden, insbesondere die für soziale Zwecke, ferner das Eisenbahndefizit. Eine Anleihe würde Amerika ablehnen; dann würde das Endergebnis sozusagen eine englische Finanzkontrolle sein.

4

Vgl. hierzu Dok. Nr. 87.

Festzustehen scheine ihm, daß der 2. Ausschuß nur daran denke, das im Ausland befindliche deutsche Kapital auf gutwilligem Wege zurückzubringen.

Staatssekretär Fischer bestätigt, daß der 1. Ausschuß Ende dieser Woche abfahren wolle. Es sei der groteske Gedanke aufgetaucht, daß wir vier Milliarden Jahresleistung aufbringen sollten. Dies sei in einem Gespräch zwischen Stinnes, dem amerikanischen Botschafter5 und Young erörtert worden. Führender Mann des Ausschusses sei Stamp6; dieser gehe rein mechanisch vor, greife willkürlich Ausgabeposten heraus, die nach seiner Ansicht gestrichen werden könnten, in Zukunft automatisch wegfielen, wie z. B. die Erwerbslosenfürsorge. Dann würde er bei den Einnahmen, ebenso auf mechanischem Wege, noch eine starke Vermehrungsmöglichkeit ausrechnen. Bei den Eisenbahnen solle er an  1½  Milliarden Überschuß denken.

5

Alanson B. Houghton.

6

Stamp leitete den beim 1. Sachverständigenkomitee gebildeten Unterausschuß für Haushalts- und Steuerfragen. In R 2/3064, Bl. 85-104 findet sich das Protokoll einer Besprechung dieses Ausschusses mit dt. Sachverständigen vom 5. 2. Teilnehmer: Stamp, Allix, Pirelli, Houtart, McFadyean; StS Schroeder, Fischer, MinDir. v. Schlieben, Popitz, Michaelis. Bei der Besprechung informierten sich die all. Sachverständigen über den Reichshaushalt 1924 und über die Organisation der dt. Finanzverwaltung.

[321] Die erwähnten vier Milliarden sollten in die Goldnotenbank eingezahlt werden7. Der Genseur solle dann bestimmen, wann es möglich sei, davon Devisen zu kaufen, ohne die Währung zu gefährden. Bis dahin blieben Kapital und Zinsen bei der Bank.

7

In einer Besprechung am 7. 2. in der Rkei teilt StS Fischer mit: Stamp habe „in einer Unterredung geäußert, es sei keine Rede davon, daß man mit 4 bis 5 Milliarden Überschuß rechne. In dieser Beziehung seien überhaupt nur vorbereitende Gedanken geäußert worden, die keine Bedeutung hätten.“ (Protokoll der Besprechung in R 43 I/1392, Bl. 171).

Stinnes habe darauf erwidert: Wenn der internationale Kapitalismus Deutschland derartig aussaugen wolle, so hoffe er, daß die deutsche Jugend zum Gewehr greifen werde.

Er, Fischer, habe den Eindruck, daß das Komitee sich in die Wirtschaftslage überhaupt nicht vertiefe, es arbeite in oberflächlicher Weise rein technischkonstruktiv. Beispielsweise sei die wichtige Frage, wo Kapitalknappheit herrsche und woher sie komme, überhaupt nicht erörtert. Das ganze sei s. E. eine verabredete politische Aktion. Der Plan sei im Grundzug fertig: es soll ein Institut gegründet werden, das das englisch-amerikanische Kapital in Mitteleuropa in den Sattel setze. Zu diesem Zweck werde ein Schema vorgetäuscht, auf das die Franzosen hineinfallen sollten, damit sie die Ruhr verließen. Auf diesem Wege würde sicher auch Frankreich wirtschaftlich zugrunde gehen. Die ganze Sache sei von größter Gefahr für die kontinentalen Interessen. Der Versuch sei zwecklos, die Engländer zu überzeugen, denn sie wüßten selbst genau Bescheid. Vielleicht könne man vorsichtig mit Kindersley sprechen; es sei aber zu berücksichtigen, daß er letzten Endes doch mit Stamp am selben Strang ziehe.

Zweckmäßig sei, Vertreter der Wirtschaft und der Arbeiter mit der Kommission zusammenzubringen.

Was während des Moratoriums geschehen solle, sei noch nicht klar; hierüber würde zweckmäßig Bergmann mit Stamp Fühlung nehmen.

Sein Versuch, eine vergleichende Übersicht über die Steuerbelastung pro Kopf der Bevölkerung aufzustellen, habe zu keinem Ergebnis geführt. Diese Dinge seien sehr schwierig, weil sie nur dann ein richtiges Bild ergeben könnten, wenn man Vermögen und Einkommen der einzelnen Völker dabei berücksichtige.

Die Versammlung hielt es für zweckmäßig, wenn Herren wie Stinnes, Mendelssohn, v. Oppen, Witthoeft, und ein von Minister Brauns zu bestimmender Arbeitervertreter mit den Herren zusammenkämen.

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