2.135 (ma11p): Nr. 135 Mitteilungen des Reichsbankpräsidenten in der Ministerbesprechung vom 7. März 1924 über die mit der Bank von England vereinbarten Abmachungen

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Nr. 135
Mitteilungen des Reichsbankpräsidenten in der Ministerbesprechung vom 7. März 1924 über die mit der Bank von England vereinbarten Abmachungen1

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Originalüberschrift: „Mitteilungen des RbkPräs. Dr. Schacht in der Ministerbesprechung vom 7. März 1924, abends 8 Uhr, im RT über die politischen und wirtschaftspolitischen Grundzüge der mit der Bank von England vereinbarten Abmachungen“. Diese Niederschrift, die dem Protokoll der Ministerbesprechung vom 7. 3. beiliegt (vgl. Dok. Nr. 134, P. 1), ist von RegR Wienstein paraphiert und wahrscheinlich auch von diesem verfaßt.

R 43 I/1393, Bl. 43 f.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht: Norman (Präsident der Bank von England) verfolge eine Finanzpolitik, die mit der englischen Reparationspolitik konform gehe. Norman habe es außerordentlich bedauert, daß die Reichsbank nicht mit der Bank von England zusammen die Danziger Bank gegründet habe. Er habe folgende Grundzüge einer Vereinbarung mit Norman festgelegt, die er dem Kabinett zur Kenntnis bringen wolle, bevor er sie Norman ausdrücklich schriftlich bestätige:

a)

Die neue Diskontbank soll eng und dauernd mit der Bank von England zusammenarbeiten.

b)

Die Diskontbank darf keine neue Verschuldung im Ausland eingehen.

c)

Das noch im Besitz der Reichsbank befindliche Gold darf nicht verpfändet werden.

d)

Die Diskontbank billigt die Danziger Bank und die Nationalbank von Österreich und erkennt sie an. Desgleichen erkennt sie die Kredite an, welche die Bank von England Österreich, der Tschechoslowakei und Griechenland gegeben hat.

e)

Die Reichsbank (bezw. Neue Diskontbank) verpflichtet sich, allen ihr zu Gebote stehenden Einfluß auszuüben, um eine Balancierung des deutschen Budgets zu erreichen.

f)

Die Reichsbank (bezw. Neue Diskontbank) verpflichtet sich, eine neue Währungs- und Kreditinflationspolitik des Reichs nicht zu unterstützen.

An den Grundzügen dieser Abmachungen sei zu erkennen, daß die englische Finanzpolitik sich jetzt schon von Frankreich abwendet und zur Zeit von[445] der offiziellen englischen Außenpolitik, die immer noch auf ein Zusammenarbeiten mit Frankreich hinauslaufe, verschieden sei. Er halte diese Abmachungen in keiner Weise für bedenklich. Sie eröffneten die weitgehendsten Perspektiven für die Zukunft.

Der Reichsminister der Finanzen Wenn man in diesen Abmachungen einen Umschwung der englischen Finanzpolitik erblicken wolle, die zur Zeit mit der offiziellen englischen Außenpolitik im Widerspruch stehe, so sei das insofern von großer Bedeutung, als dann auch auf eine allmähliche Änderung des außenpolitischen Kurses in England zu hoffen sei. Stets sei in der englischen Geschichte einem Umschwung in der Außenpolitik ein Umschwung in der Finanz- und Wirtschaftspolitik vorausgegangen. An den Abmachungen sei ihm nur das eine bedenklich, daß sie eine vielleicht künftig wieder notwendig werdende Stützungsaktion des Markkurses durch die Reichsbank unmöglich machten.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht: Er würde sich auch ohne diese Abmachungen voraussichtlich gegen ein Verlangen der Regierung ablehnend verhalten, die Mark durch Interventionen zu stützen. Künstliche Stützungen einer Währung seien finanzpolitisch verfehlt. Die Abmachung zu a), daß dauernd mit der Bank von England zusammengearbeitet werden solle, sei nicht so ernst.

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