2.92.1 (ma31p): 1. Mündlicher Bericht des Reichsministers für die besetzten Gebiete über die Reise ins besetzte Gebiet sowie über den Stand der Untersuchung über die Zwischenfälle in der Pfalz.

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1. Mündlicher Bericht des Reichsministers für die besetzten Gebiete über die Reise ins besetzte Gebiet sowie über den Stand der Untersuchung über die Zwischenfälle in der Pfalz.

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete erstattete Bericht über seine Reise ins besetzte Gebiet1 sowie über den Stand der Untersuchung über die[258] Zwischenfälle in der Pfalz. Er wies hierbei besonders darauf hin, daß nach dem jetzigen Stande der Untersuchung der erste Germersheimer Zwischenfall für die deutsche Sache günstig stehe, der zweite jedoch weniger günstig2.

1

Am 21.10.26 übermittelte der RMbesGeb. Bell sämtlichen Reichsministern auch einen schriftl. Bericht über seine Eindrücke während der Reise durch die besetzten Gebiete vom 10. bis 17. 10. Am Schluß des Berichts heißt es, „daß trotz aller Leiden die Bevölkerung in ihrer Treue zum Reiche nicht wankend geworden ist. Im Gegenteil: gerade durch die überstandenen Nöte sind die rheinischen Lande fester denn je an das Reich und die Länder gekettet worden. Das Volk ist mit seinen Führern in der Erkenntnis einig, daß die Befreiung der Rheinlande das Kernstück der Europapolitik ist und für die nächste Zukunft bleiben wird. Die von der Reichsregierung zur Erreichung ihrer außenpolitischen Ziele nach Locarno, Genf und Thoiry eingeschlagenen Wege werden gebilligt und jeder ist bereit, trotz aller Bedrückungen und Schikanen der Besatzung den Weg der Befriedungs- und Verständigungspolitik mitzumachen und auch noch weiter auszuharren, wenn es das Wohl des gesamten Vaterlandes erfordert. Ganz im Rahmen der von mir stets nachdrücklich vertretenen Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich als des Kernstücks der Befriedung Europas lag das einmütige Verlangen, auf allen Seiten jegliche Hindernisse und Hemmungen einer dauernden Versöhnung und Gemeinschaftsarbeit auszuräumen. Frankreich und Deutschland müßten daher, wie es auch Briand ausgesprochen habe, einig sein in dem Ziele, mit der Besatzung baldigst ein Ende zu machen. Das war der klare und unzweideutige Sinn und Schlußgedanke sowohl meiner Reden in Trier, Aachen und an anderen Orten, als auch namentlich meiner von einem Teile der französischen Presse offenbar mißdeuteten Ausführungen in Mainz.“ (R 43 I/197, Bl. 264–266). Zur Rede des RMbesGeb. in Mainz vgl. Kahlenberg, Die Berichte Eduard Davids als Reichsvertreter in Hessen, Dok. Nr. 165.

2

Beim Bezirkskriegerfest in Germersheim am 3. und 4.7.26 war es zu Übergriffen frz. Besatzungssoldaten gekommen. Bei einem erneuten Zwischenfall in Germersheim am 27. 9. hatte der frz. Unterleutnant Rouzier einen Deutschen erschossen und zwei andere verletzt. Zahlreiche Aktenstücke hierzu in R 43  I/197 und 198; vgl. auch ADAP, Serie B, Bd. I,2, Dok. Nr. 4, 16, 19, 37; Egelhaaf 1926, S. 204 f., 207 ff., 211 f.; Die Pfalz unter französischer Besatzung von 1918 bis 1930, S. 304 ff., 308 ff., 313 f.

Der Bericht soll in der nächsten Kabinettssitzung am Freitag, den 22. Oktober fortgesetzt werden.

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