1.1.5 (ma32p): 5. Veranstaltung einer internationalen Luftfahrtausstellung.

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5. Veranstaltung einer internationalen Luftfahrtausstellung.

Ministerialrat Brandenburg trug den Sachverhalt und die Gründe vor, die für und gegen die Ausstellung sprechen4.

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In einer Kabinettsvorlage vom 28.5.27 teilte RVM Koch mit, daß der Reichsverband der Dt. Luftfahrtindustrie ihn wiederholt gebeten habe, die Veranstaltung einer internationalen Luftfahrt-Ausstellung in Berlin für 1928 zu genehmigen und die hierfür erforderlichen Beträge zur Verfügung zu stellen. „Die Bedenken, die mich bisher davon zurückgehalten haben, meine Zustimmung zu der Veranstaltung zu erteilen, gründeten sich hauptsächlich auf die außenpolitische und finanzielle Lage des Deutschen Reiches. Eine internationale Luftfahrt-Ausstellung kann die öffentliche Aufmerksamkeit im In- und Auslande in unerwünschter Weise auf die Entwicklung der deutschen Luftfahrt lenken […]. Im Hinblick auf die Notwendigkeit einer Herabsetzung der Dawes-Lasten kann ferner die Veranstaltung einer mit beträchtlichem Aufwand verbundenen Luftfahrt-Ausstellung den fremden Signataren des Dawes-Plans eine willkommene Begründungsmöglichkeit ihres Standpunktes zur Aufrechterhaltung des Planes geben. Dagegen würde die erstmalige Veranstaltung einer rein zivilen Luftfahrt-Ausstellung Deutschlands Stellung in der Abrüstungsfrage wirksam unterstreichen […]. Ferner verspricht sich die Deutsche Luftfahrt-Industrie von der Ausstellung eine Förderung ihres Exportes. Schließlich kann man von der Zusammenfassung der Deutschen Luftfahrt-Industrie zu gemeinsamem Vorgehen anläßlich einer Ausstellung die Beilegung des durch den Junkers-Fall herbeigeführten Konfliktes innerhalb dieser Industrie erwarten.“ Der RVM bat, die Angelegenheit zum Gegenstand einer Kabinettsberatung zu machen (R 43 I/1184, Bl. 59).

[773] Der Reichswirtschaftsminister trat für Genehmigung der Ausstellung ein im Interesse der Ausfuhr der deutschen Luftfahrtindustrie und im Hinblick auf die Möglichkeit einer Einigung innerhalb der Industrie durch Zusammenarbeit für die Ausstellung.

Der Reichsminister der Finanzen äußerte Bedenken. Wenn das Ausland auch kein Recht mehr habe, die zivile Luftschiffahrt zu beeinflussen5, so könne doch die Darstellung der deutschen Fortschritte auf diesem Gebiete zu Schikanen und Schwierigkeiten anreizen.

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Aufgrund einer Vereinbarung zwischen Dtld. und der all. Botschafterkonferenz waren die all. Beschränkungen für die dt. Zivilluftfahrt im Sommer 1926 aufgehoben worden. Vgl. Dok. Nr. 5, P. 5.

Der Reichsminister des Auswärtigen teilte diese Bedenken. Das Ausland fürchte bei Fortschritten Deutschlands in der zivilen Luftschiffahrt deren Ausnutzung im Kriegsfalle zur Vergasung weiter Landstrecken. Es sei deswegen bedenklich, dem Auslande die deutsche Überlegenheit in der zivilen Luftschiffahrt allzu deutlich vor Augen zu führen. Allerdings käme es darauf an, wie die Ausstellung angekündigt und durchgeführt und ob dabei auf diese Bedenken mit Geschick Rücksicht genommen würde. Wenn die Regierung hierauf entscheidenden Einfluß ausüben könne und wenn die Vorbereitungen hinausgezögert würden, so würde es möglich sein, sich mit der Ausstellung einverstanden zu erklären.

Auch der Herr Reichsminister des Innern hielt es für geboten, daß die außenpolitischen Erwägungen für die Entscheidung den Ausschlag geben.

Der Herr Reichskanzler stellte fest, daß nach der überwiegenden Meinung des Kabinetts mit den Veranstaltern der Ausstellung über die Einflußnahme der Regierung auf die Vorbereitung und Ausgestaltung verhandelt werden soll. Wenn der Reichsminister des Auswärtigen und der Reichsverkehrsminister auf Grund dieser Verhandlungen die außenpolitischen Bedenken glauben zurückstellen zu können, so erklärt sich das Kabinett mit der Genehmigung einverstanden. Andernfalls soll die Frage erneut im Kabinett zur Sprache gebracht werden.

Der Reichsminister der Finanzen enthielt sich der Abstimmung6.

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Die Angelegenheit wurde im Kabinett nicht mehr behandelt. Die Internationale Luftfahrt-Ausstellung wurde am 7.10.28 in Berlin eröffnet.

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