2.115.2 (mu11p): [2.] Außerhalb der Tagesordnung: [Stimmung im besetzten Gebiet.]

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[2.] Außerhalb der Tagesordnung: [Stimmung im besetzten Gebiet.]

Reichsminister Dr. David führt unter Berufung auf die den Ministerien zugegangene[283] schriftliche Darlegung aus, daß die Fühlung des Reichs mit dem besetzten Gebiet in stärkerem Maße aufrecht erhalten werden müsse, als es bisher geschehen sei. Die Bevölkerung im besetzten Gebiet fühle sich isoliert3. Nach den Wahlen müßten die Minister häufiger Gelegenheit nehmen, in das besetzte Gebiet zu reisen, um mit der Bevölkerung und den dortigen Behörden persönlich in Berührung zu treten. Die Wohnungsfrage in Mainz liege ganz besonders ungünstig, man müsse ihr die größte Aufmerksamkeit widmen4. Die Stadt Mainz bilde überhaupt den kritischen Punkt in der Besetzungsfrage. Die französierenden Bestrebungen seien bedenklich5.

3

In seinem Bericht über Besprechungen in Darmstadt und Mainz vom 3.–5.5.20 hatte David darauf hingewiesen, daß der Besuch einer Vertretung der Reichsressorts bei der Bevölkerung des besetzten Gebiets, die sich durch die frz. Besatzung beeinträchtigt fühle, eine gute Wirkung gehabt habe: „Es ist verständlich, daß die heimischen Behörden durch den ständigen Kampf mit den fremden Herren leicht in einen gereizten Zustand kommen und sich isoliert und vom Reich verlassen fühlen. Nur durch rege persönliche Fühlungnahme und sich durch die Tat bewährende Hilfsbereitschaft seitens der RReg. kann diese bedenkliche Stimmung dauernd überwunden werden“ (22.5.20; R 43 I/401, Bl. 221-223).

4

Außer der Hilfe zur Überwindung der Wohnungsnot hatte David in seinem Bericht auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß das Reich billig Bauland überlasse, ferner auf die Förderung der „Pflege deutscher Kultur“.

5

S. hierzu Anm. 1 zu Dok. Nr. 57. David hatte berichtet: „Die geschickt betriebene frz. Propaganda hat meinem Eindruck nach bis jetzt keine tiefere Wirkung gehabt. Unbedenklich ist sie trotzdem nicht. Die unsererseits dagegen zu betreibende deutsche Kulturpropaganda kann nur dann Erfolg haben, wenn die Grundstimmung der Bevölkerung und dortigen Behörden zum Reich eine gute bleibt.“ Weiter hatte David ausgeführt: „Die Bevölkerung muß fühlen, welche Werte ihr aus der deutschen Kulturgemeinschaft zufließen, damit das vaterländische Zusammengehörigkeitsgefühl und die Liebe zum neuen Deutschen Reich eine jeden Lockerungsversuch siegreich überwindende Kraft werden. – Nur so kann es gelingen, die schwere Zeit einer fünfzehnjährigen Besetzung und Beeinflussung durch frz. Propagandaträger glücklich zu bestehen. Selbstverständlich muß daneben die Abkürzung der Besatzungsdauer eines der Hauptziele unserer auswärtigen Politik sein. Die Hoffnung darauf, daß es gelingt, diese Leidenszeit abzukürzen, darf in der Bevölkerung nicht erlöschen“ (R 43 I/401, Bl. 221-223).

ReichskanzlerMüller stellt Einigkeit darüber fest, daß die Minister in eine Prüfung eintreten sollen, wieweit den von Minister David gegebenen Anregungen namentlich auch soweit sie in der an sämtliche Ministerien erteilten Denkschrift enthalten seien, zu folgen sei.

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