2.124.2 (mu11p): 2. Darstellung des Reichsadlers.

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2. Darstellung des Reichsadlers.

Das Kabinett beschließt, die Beratung des vom Reichsministerium des Innern vorgelegten Entwurfs auszusetzen1.

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Der Entwurf einer Darstellung des Reichsadlers für Siegel, Wappen usw. war auf Anregung des Reichskunstwarts Redslob von Professor Schmitt-Rottluff angefertigt worden. Redslob hatte hierzu dem RIM geschrieben: „Ich glaube, daß ich für diesen Entwurf unbedingt eintreten kann. Er ist von eindringlicher Geschlossenheit, zeigt nicht die abgemagerte Körperform des alten Adlers und hat vor allen Dingen den Vorzug innerer Belebtheit, der durch die energische Haltung zustande kommt und durch die seitliche Haltung des Kopfes im Gesamtausdruck eine bestimmte Umrißlinie ergibt, die dem Ganzen Kraft und Haltung verleiht“ (RIM an RK, 21.4.20; R 43 I/1831, Bl. 88). Weitaus weniger von der neuen Formgebung befriedigt zeigte sich der RAM, der eine Verwendung z. B. für Eingangsschilder bei Auslandsdienststellen ablehnte und bemerkte: „Die öffentliche Meinung im Auslande würde sich schwerlich die gute Gelegenheit entgehen lassen, die Formgebung des neuen Wappens, insbesondere die etwas aufdringliche und zugleich behagliche Wohlbeleibtheit des Wappentieres, mit der die Anspruchslosigkeit der künstlerischen Durchbildung konkurriert, zu ausgiebigen Erörterungen über den Geist des neuen Deutschlands zu benutzen. – Die Wahl des Wahrzeichens für ein ganzes Volk gehört, wie ich nicht bezweifle, zu den schwierigsten Aufgaben, denen sich ein Künstler gegenüber sehen kann. Der neue Geist heischt neue Form. Aber je mehr man hiervon durchdrungen ist, umso weniger wird man sich der Forderung entziehen können, daß die Vorbereitung der endgültigen Entscheidung gerade in so zugespitzter Formfrage in die Hand nur der größten Künstler im Reiche gelegt werden sollte, die nach ihrem Können und nach ihrer überragenden Persönlichkeit berufen sein könnten, das Sprachrohr des deutschen Volkes in Geschmack und Stilempfindung zu sein“ (RAM an RIM, 28.5.20; R 43 I/1831, Bl. 92). Zwei Monate später meinte der RSchM des Kabinetts Fehrenbach, v. Raumer, er könne sich keinesfalls für den Entwurf aussprechen, „da dieser der Würde des Deutschen Reiches und den Forderungen an Schönheit und künstlerischem Empfinden, die in diesem Zeichen ihren Ausdruck finden sollen, widerspricht. Er wirkt wie eine Karrikatur“ (RSchM an RIM, 30.7.20; R 43 I/1831, Bl. 97).

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