2.129.2 (mu11p): 2. Entwaffnungsfrage.

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2. Entwaffnungsfrage.

Major Michelis legt dar, daß die Ablieferung der Handfeuerwaffen der wundeste Punkt in der ganzen Entwaffnungsfrage sei. Die Reichswehr habe nur die zulässige Zahl von Gewehren und Karabinern; an das Reichsverwertungsamt seien 1¾ Millionen Gewehre abgeliefert worden. Gegenüber der Zahl Gewehre die das Heer bei Abschluß des Waffenstillstandes gehabt habe, bestehe also noch eine Spannung von mehreren Millionen. Es könne nicht festgestellt werden, wo die größte Zahl dieser Gewehre geblieben sei, ein großer Teil sei naturgemäß noch in den Händen der Bevölkerung. Es müßte mit energischen Maßnahmen vorgegangen werden, um diese Waffen in die Hand zu bekommen.

ReichskanzlerMüller: Es müßte doch möglich sein, die Stellen herauszufinden, wohin Maschinengewehre und Gewehre in Massen verschoben worden seien7.

7

Nachdem der StKom. für öffentliche Ordnung am 17. 5. über umfangreiche Munitionsverschiebungen durch die Abwickelungsstelle des 1. Garde-Regiments zu Fuß berichtet hatte (R 43 I/405, Bl. 146-150), war vom RK am 26. 5. die Aufforderungen ergangen, eine Zusammenstellung von entdeckten und verhinderten Munitionsverschiebungen vorzulegen (R 43 I/405, Bl. 145). Daraufhin legte das RWeMin. am 2. 7. eine Liste mit 7 Fällen vor (R 43 I/405, Bl. 209 f.). Dieser Liste ließ das RWeMin. am 3. 7. einen Bericht des RSchM folgen, in dem die Beteiligung von Ressortangehörigen an Waffenverschiebungen zurückgewiesen wurde. Weiter heißt es in diesem Schreiben: „Durch die Erfassungsabteilung des RSchMin. sind bis Anfang Juli beschlagnahmt und der zuständigen Stelle wieder zugeführt worden: Gewehre: 55 957; Maschinengewehre: 248; Munition: 77 Kisten Inf.-Munition, 17000 Gewehrpatronen, 16 000 M.G. Patronen, 12 000 kg Zünderkörper, 1 Kiste m. Zünder 7,5; Handgranaten: 2 Kisten; Geschütze: 9; Minenwerfer: 2; Revolver: 248“ (R 43 I/405, Bl. 212-215).

Ministerialdirektor von Simson bittet dringend, sofort nach den Wahlen den Aufruf zur Ablieferung der Waffen herauszubringen.

Major Michelis teilt mit, daß das Reichsverwertungsamt 40 000 Maschinengewehre[313] zur Zerstörung ausgeliefert erhalten habe, immerhin seien noch sehr viele versteckt.

ReichskanzlerMüller: Wir müßten für Spa mindestens für den internen Gebrauch genau wissen, wieviel Waffen verschwunden sind.

Zur Frage der Geschütze führt Major Michelis aus, daß die Zahl der Geschütze in den Festungen noch in letzter Zeit stark reduziert worden sei. Die für die „New York World“ gegebenen Zahlen seien erheblich zu hoch; er werde die richtigen den Ämtern schriftlich mitteilen8. Beim Rückzug an der Westfront seien zahlreiche Geschütze stehen gelassen worden. Er sei der Ansicht, daß höchstens 400–500 Geschütze versteckt seien. Mit General Nollet bestehe in dieser Frage keinerlei Differenz.

8

Für die „New York World“ war von der Friedensabteilung des AA auf Grund der Angaben des RWeMin. ein ausführlicher Bericht über die dt. Abrüstung angefertigt worden. Danach waren in den Festungen vorhanden 1497 leichte Geschütze, 742 Flugabwehrkanonen, 2124 schwere Geschütze, 837 schwere Geschützrohre. Bei der Reichswehr waren Anfang des Jahres 1920 vorhanden: 1200 leichte Geschütze, 290 700 Gewehre und Karabiner, 46 900 Pistolen, 200 Maschinen-Pistolen, 565 Minenwerfer, 2200 leichte Maschinengewehre, 1500 schwere Maschinengewehre (R 43 I/405, Bl. 93-109).

ReichskanzlerMüller teilt mit, daß die Fortsetzung dieser Besprechung für Dienstag den 8. Juni in Aussicht genommen sei unter Zuziehung von Sachverständigen der Marine9.

9

Die Besprechung wurde abgesagt (Notiz Ostertags auf der Einladung; R 43 I/405, Bl. 168). Weitere Besprechungen über Militär- und Entwaffnungsfragen in Vorbereitung der Konferenz von Spa fanden am 1. 7. und 11.7.20 statt.

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