2.77.3 (mu11p): 3. [Südliches Ruhrgebiet.]

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3. [Südliches Ruhrgebiet.]

Reichswehrminister Dr. Geßler: Er habe Bedenken gegen die gestrige Entscheidung, nach der der Einmarsch südlich der Ruhr durch Sicherheitspolizei unternommen werden solle13. Mache sich ernster Widerstand geltend, so würde die Sicherheitspolizei ihn nicht brechen können.

13

Der RK hatte nach Rücksprache mit dem PrIM Severing am 2. 5. entschieden: „Die Aktion südlich der Ruhr wird als reine Polizeiaktion durchgeführt mit grüner Polizei aus Hannover und anderen Orten. Leitung beim Oberpräsidenten von Westfalen. Das Wehrministerium soll den Wehrkreis 6 anweisen, keinen Einspruch zu erheben“ (R 43 I/2717, Bl. 107).

Nach eingehender Erörterung dieser Frage wird beschlossen, den preußischen Minister des Innern Severing nochmals zu hören14.

14

Ob eine Besprechung mit dem PrIM stattgefunden hat, konnte nicht ermittelt werden. Aus einem Bericht des Vertreters des AA beim RKom. für die besetzten rheinischen Gebiete, Graf Bernstorff, geht hervor, daß die britischen Vertreter bei der Interalliierten Rheinlandkommission die Lage im südlichen Ruhrgebiet für nicht so ernst hielten, daß Reichswehr eingesetzt werden müsse. Sie befürchten eher, daß ein Einmarsch von Truppen neue Aufstände auslösen werde. UStS von Haniel, der diesen Bericht UStS Albert zuleitete, bemerkte in seinem Anschreiben: „Wie Graf Bernstorff weiter berichtet, hat die Einstellung der ursprünglich geplanten militärischen Aktion südlich der Ruhr auf Herrn Robertson, der Sonnabend nach London fährt und dort über die Lage im Ruhrgebiet berichten wird, einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Robertson sieht darin den Willen der RReg., die Lage im Einvernehmen mit den Arbeitern zu klären, ohne die Reichswehr zu verwenden, die provokatorisch wirken müsse. […] Die Englische Regierung würde nach den Eindrücken des Grafen Bernstorff keine Schwierigkeiten machen, falls die Wiederherstellung der Autorität nur durch polizeiliche Aktion möglich ist. Es würde aber mehr Vertrauen auslösen, wenn eine Lösung ohne Gewaltmittel erreicht werden könnte.“ (R 43 I/2717, Bl. 136). Am 6. Mai teilte dann Haniel allerdings mit, Robertson habe nun erklärt, „daß auch nach englischen Nachrichten die Lage in Remscheid eine Säuberungsaktion erforderlich mache. Eine solche mit Streitkräften durchgeführte Aktion würde durchaus nicht auf Schwierigkeiten seiner Regierung stoßen“ (R 43 I/2717, Bl. 149). In einem weiteren Gespräch mit den englischen Vertretern, über das Graf Bernstorff dem AA am 8. 5. berichtete, meinten diese, die Sicherheitspolizei werde im Ruhrgebiet von den Arbeitern als verkappte Reichswehr mit Mißtrauen beobachtet. Es wurde gefragt, „ob es nicht möglich sei, der Reichswehr [richtig: Sicherheitspolizei] ihren militärischen Anstrich zu nehmen und sie etwa mit Polizeiknütteln, wie es in England und Amerika der Fall sei, auszurüsten; das zur Schau tragen von Waffen wirke auf die Arbeiter stets von neuem aufreizend.“ Die britischen Vertreter seien „sichtlich beruhigt“ gewesen, „daß keine Aktion der Reichswehr stattgefunden hat“ (R 43 I/2717, Bl. 150-152, hier: Bl. 150 f.).

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