2.86.1 (mu11p): Anträge für die wirtschaftliche Behandlung der Brigade Döberitz.

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Anträge für die wirtschaftliche Behandlung der Brigade Döberitz3.

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Nach dem Kapp-Putsch war auf den Truppenübungsplatz Döberitz eine Brigade gelegt worden, von der erwartet wurde, daß sie verfassungstreu sei und im Notfall für die Regierung eintreten werde – im Gegensatz zu der Brigade Ehrhardt, die zuvor dort gelegen hatte. Der RWeM hatte am 6. 5. die Anberaumung einer Chefbesprechung über die wirtschaftlichen Angelegenheiten der neuen Brigade beantragt und mitgeteilt, der RPräs. wolle daran teilnehmen (R 43 I/113, gefunden in R 43 I/683, Bl. 113-116).

General Reinhardt trägt vor, daß die in Döberitz zusammengestellte Brigade besondere Wirtschaftsbedürfnisse hätte, insbesondere deshalb, weil die Leute zum großen Teil aus erheblich besseren Verpflegungsgegenden kämen.[208] Infolgedessen sei die ihnen in Döberitz gereichte Verpflegung nicht ausreichend, ein Ausgleich müsse geschaffen werden. Dazu sei es nötig, mit Hilfe eines Kredits von 1 Million M eine Marketenderei im großen Stil zu schaffen4.

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Die Anträge des RWeM liefen im wesentlichen darauf hinaus, der Brigade die Tagegelder zu gewähren, „wie es früher bei Kommandierungen auf Truppenübungsplätzen“ üblich gewesen sei, sowie einen Dispositionsfonds von 300 000 M und Mittel für einen Marketendereibetrieb.

Ministerialdirektor Maeder hat gegen Sondermaßnahmen für die Döberitzer Brigade Bedenken wegen der Konsequenzen für andere Truppenteile.

Reichspräsident Ebert hält diese Bedenken an sich für gerechtfertigt. Die Schaffung der Döberitzer Brigade sei aber eine durch die politischen Verhältnisse gebotene außerordentliche Maßnahme, weshalb man auch zu außerordentlichen Mitteln greifen müsse.

Reichskanzler Müller hält die Schaffung einer besonders zuverlässigen Truppe bei Berlin für unbedingt erforderlich und hält die wirtschaftlichen Anforderungen des Generals Reinhardt für gerechtfertigt.

Reichswehrminister Dr. Geßler teilt auf Befragen mit, daß die Dauer des Aufenthalts der Brigade in Döberitz sich noch nicht übersehen lasse. Er habe sich selbst überzeugt, daß die Leute mit der gewährten Verpflegung nicht auskommen könnten, zumal in Anbetracht der besonderen militärischen Anforderungen, die an sie gestellt würden.

Ministerialdirektor Maeder hält es für möglich, die Frage durch einen Mittelausgleich innerhalb der dem Reichswehrministerium zustehenden etatsmäßigen Mittel zu lösen.

Reichswehrminister Dr. Geßler betont, daß die Zulage auf den Truppenübungsplätzen neben der Verbesserung der Verpflegung nötig sei. Das Wehrministerium könne die Ration nicht erhöhen, da die Verpflegung vom Reichsschatzministerium geregelt werde. Aber man könne im Rahmen der etatsmäßigen Mittel vielleicht kräftiger kochen. Er wolle sich im übrigen wegen der Verpflegung auch an den Reichsernährungsminister wenden.

Oberregierungsrat Reich (Reichsschatzministerium): Wir sind an die festgesetzten Portionssätze gebunden. Gerade an Fett und Fleisch könne man nicht mehr geben, als was man vom Ernährungsministerium für die Truppe bekomme. Er schlägt vor, den Verpflegungssatz für auf Übungsplätzen befindliche Truppen grundsätzlich zu erhöhen.

Reichswehrminister Dr. Geßler hält diesen Vorschlag für empfehlenswert.

Reichsminister der Finanzen Dr. Wirth will diese Frage prüfen. Für die Verbesserung der Beköstigung bezw. die Einrichtung einer Marketenderei sei er mit einer Etatsüberschreitung des Verpflegungsfonds bis zum Höchstbetrage von 1 Million M einverstanden. Diese Überschreitung soll aber im Laufe des Rechnungsjahres 1920 durch Rückzahlung der Vorschüsse wieder ausgeglichen werden.

Reichskanzler Müller stellt dieses Einverständnis fest sowie Einverständnis darüber, daß die Gewährung der großen Beköstigungsportion (mobilen) für 3 Monate probeweise für Döberitz erfolgen solle.

[209] General Reinhardt begründet die weitere Anforderung eines Dispositionsfonds von 300 000 M für den Inspekteur der Brigade für besondere Ausgaben. Hierunter fielen das Halten landsmännischer Zeitungen, Kosten für Urlaubsfahrten, Kosten für Sport usw.

Reichsminister der Finanzen Dr. Wirth erklärt sich damit einverstanden, daß der Dispositionsfonds von 300 000 M für den Inspekteur der Brigade durch Abzweigung aus den Haushaltsmitteln zu bilden ist, die dem Reichswehrministerium für die fraglichen Zwecke (Sport, Zeitungen usw.) bereits zur Verfügung stehen und noch bereitgestellt werden.

Reichskanzler Müller stellt das Einverständnis entsprechend der Erklärung des Reichsministers der Finanzen fest.

Bezüglich einer Kommandozulage stellt der Reichskanzler fest, daß prinzipiell Einverständnis über ihre Notwendigkeit herrscht. Die Einzelheiten sollen in einer besonderen Besprechung der beteiligten Ressorts festgestellt werden5.

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Über weitere Besprechungen wurden im Bestand R 43 keine Unterlagen ermittelt. Die Brigade Döberitz wurde bei der Neuorganisation des 100 000 Mann-Heeres aufgelöst. Ihre Funktionen übernahm das „Wachregiment Berlin“ (Geßler, Reichswehrpolitik in der Weimarer Zeit, S. 145).

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